Korruptionsaffäre in Südkorea
Ex-Präsidentin Park trotzt Vorwürfen

Zwei Tage hat es gedauert, bis sich die bisherige Präsidentin Südkoreas zu ihrer Entmachtung äußert. In ihren Bemerkungen gibt sich Park Geun Hye kämpferisch. Doch das Volk will sie im Gefängnis sehen.
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SoeulZwei Tage nach ihrer Entmachtung hat Südkoreas bisherige Präsidentin Park Geun Hye den Vorwürfen der Korruption getrotzt. „Es mag einige Zeit dauern, aber die Wahrheit wird letztlich enthüllt“, hieß es in ihrer Erklärung, die am Sonntag von einem Parteifreund und früheren Sprecher verlesen wurde.

Zuvor verließ Park das Blaue Haus - den Amtssitz des Präsidenten - und kehrte nach mehr als vier Jahren wieder zu ihrer privaten Residenz im Süden von Seoul zurück. Am Samstag hatten Zehntausende Südkoreaner ihre Verhaftung gefordert.

Es war die erste öffentliche Äußerung der konservativen Politikerin nach ihrer Amtsenthebung durch das Verfassungsgericht am Freitag. Bei zahlreichen Anhängern, die sie jubelnd vor der Residenz empfingen, entschuldigte sich Park, dass sie die fünfjährige Amtszeit nicht beendet habe. Im Korruptionsskandal um eine langjährige Freundin hatte Park stets bestritten, in kriminelle Handlungen verstrickt zu sein.

Nach den Demonstrationen in den vergangenen Monaten, bei denen Hunderttausende noch den Rücktritt Parks gefordert hatten, feierten die Teilnehmer einer Anti-Park-Demonstration am Samstag in Seoul die Amtsenthebung. Zugleich forderten sie, dass ihr der Prozess gemacht und sie bestraft werden müsse. Nicht weit davon entfernt protestierten Anhänger Parks gegen deren Entmachtung.

Der Skandal um Parks Vertraute Choi Soon Sil hat das Land seit Monaten aufgewühlt. Im Dezember hatte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren gegen Park eingeleitet, am Freitag wurde sie endgültig abgesetzt. Aus Sicht der Verfassungsrichter hatte Park ihrer Freundin die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt und ihre Macht zugunsten von Chois Interessen missbraucht. Choi soll dank ihrer Beziehungen zu Park Unternehmen genötigt haben, ihre Stiftungen und Organisationen mit Millionen zu fördern.

Nach gewalttätigen Protesten von Park-Anhängern am Freitag stieg die Zahl der Toten auf drei. Ein 74-jähriger Teilnehmer der Demonstration starb nach Berichten südkoreanischer Sender am Samstag in einem Krankenhaus. Der Mann sei während der Proteste zusammengebrochen. Am Freitag waren zwei ältere Teilnehmer ums Leben gekommen. Einer von ihnen wurde bei Zusammenstößen mit der Polizei von einem Lautsprecher getroffen, der sich von einem Polizeifahrzeug gelöst hatte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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