Kosovo
Mit dem Friedenszug in Feindesland

Das Kosovo soll unabhängig werden. Doch seine Bewohner fürchten die Freiheit und neu entflammende ethnische Konflikte. Einem neu ausbrechenden Bürgerkrieg zwischen Serben und Albanern kommt das Kosovo immer näher.

PRISTINA. „Willkommen im Touristenparadies Kosovo“ – mit einladender Geste begrüßt der Konvoiführer der Bundeswehr am Militärflughafen Pristina seine der olivgrünen Transall-Maschine entsprungenen Kameraden. „Ich bin schon länger hier und deshalb etwas zynisch“, schiebt er gleich hinterher. 20 Kilometer Fahrt – und der Reisende versteht.

Mit dem Bus geht es in die Stadt Pristina, die Hauptstadt des Kosovos, die laut Reiseführer „nicht zu einem neuen Prag hochgehypt werden kann“. Aber alle ausländischen Touristen, „die hinter die grauen Fassaden schauen wollen und bereit sind, den Frust von wenig verlässlichen Informationen zu ertragen, ihr habt viel zu bekommen: interessante Aussichtsplätze, ein paar sehr gute Restaurants und nicht zuletzt die gastfreundschaftliche und kuriose Bevölkerung“.

Wer dann aber über die holprigen Straßen, die vom früheren jugoslawischen Staatschef Marschall Tito nach Mutter Teresa umbenannt wurden oder heute nach Bill Clinton heißen, ins Zentrum gefahren wird, verliert schnell die Hoffnung. Auch auf ein ordentliches Bett im „Grand Hotel Pristina“, das laut Reiseführer „leider irreführend so benannt wurde“. Denn in den „schäbigen Zimmern kann man gerade so schlafen, aber nicht für den Preis“.

Das Kosovo – im Touristenparadies ist es nie angekommen, dafür ist es einem neu ausbrechenden Bürgerkrieg zwischen Serben und Albanern immer näher. Halb so groß wie Hessen, ist die Provinz mit einem offiziellen Bruttoinlandsprodukt von nur 2,3 Milliarden Euro ausgestattet. Nach 78 Tagen Nato-Bombardement auf Belgrad und serbische Stellungen, dem Rückzug der Milosevic-Armee von dort und brutalen Vertreibungen von Serben durch die albanische Mehrheit wird das Kosovo von den Vereinten Nationen, der Uno, als Protektorat verwaltet.

Die 1999 eingesetzte Uno-Mission im Kosovo (Unmik) hat bisher aber weder die Spaltung der Region und seiner Ethnien heilen noch die rechtliche Lage dieses bisher noch zu Serbien gehörenden, aber nach Unabhängigkeit strebenden Landstrichs auf dem Balkan lösen können. Das soll nun der Uno-Sicherheitsrat, dessen Entscheidung über einen Lösungsvorschlag seines Kosovo-Sondergesandten Martti Ahtisaari sich hinzieht. Heute berät der Bundestag über ein weiteres Engagement der Bundeswehr im Kosovo – Anlass für eine Reise durch ein zerrissenes Land.

Unweit von Pristina liegt das sagenumwobene Amselfeld. Kosovo Polje heißt es heute, die Amseln sind längst von Krähen verdrängt worden. Wie in der Luft so auch am Boden, wo sich Serben und Albaner vor nunmehr acht Jahren bei blutigen Kriegen im wahrsten Sinne des Wortes die Augen ausgehackt haben.

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