Kosovo-Sondervermittler Ischinger im Interview
„EU soll Serbien rasch Signal senden“

Die EU sollte Serbien als Zeichen der Annäherung rasch Visumserleichterungen anbieten - und damit ein positives Signal für die Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo aussenden. Das hat der EU-Kosovo-Sondervermittler Wolfgang Ischinger im Handelsblatt-Interview gefordert.

BERLIN. "Visumserleichterungen könnten ein Signal mit erheblicher Breiten- und Tiefenwirkung in Serbien sein", sagte Ischinger unmittelbar vor der nächsten Runde direkter Gespräche zwischen Serben und Kosovo-Albanern am 14. Oktober in Brüssel. Die Gespräche über die Zukunft der abtrünnigen serbischen Provinz finden unter Vermittlung der internationalen Troika aus USA, Russland und der EU statt.

Auf keinen Fall dürfe Serbien aber vor die Alternative "EU-Annäherung oder Kosovo" gestellt werden. "Die derzeitige serbische Führung würde sich für Kosovo entscheiden", warnte der deutsche Diplomat. Es gebe vielmehr ein gemeinsames Interesse der EU, der Serben und der Kosovo-Albaner. Die Provinz könne nicht als "Insel im Pazifik" funktionieren. Sie brauche Zufahrtswege, Energie, Handel und menschliche Beziehungen nicht nur nach Albanien und Mazedonien, sondern auch zu Serbien. Das nutze sowohl Kosovo-Albanern als auch Serben. "Und die EU zahlt letztlich die Zeche, falls ein Staatswesen entsteht, das ökonomisch nicht lebensfähig sein sollte."

Die internationale Troika war im September beschlossen worden, um noch einen letzten Verhandlungsversuch zu unternehmen. Ihr Mandat läuft bis zum 10. Dezember. Die Führung der Kosovo-Albaner hat bereits angedroht, dass sie einseitig die Unabhängigkeit der Provinz ausrufen werde, falls es bis dahin keine einvernehmliche Lösung gebe.

Am Mittwoch hatten auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Russland Präsident Wladimir Putin das Thema in Moskau erörtert. Laut Ischinger wird sich am 14. Oktober zeigen, ob beiden Seiten nach einer Sondierungsphase nun ernsthaft in Verhandlungen über eine Lösung im Status-Streit der abtrünnigen serbischen Provinz eintreten. Bereits für den 21. Oktober ist in Wien ein weiteres Treffen geplant. Die Serben müssten etwa anerkennen, dass sie faktisch seit acht Jahren keinerlei Zugriff mehr auf den Kosovo haben.

Seite 1:

„EU soll Serbien rasch Signal senden“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%