Kostis Hatzidakis
„Griechenland dürstet nach Investitionen“

Griechenlands Entwicklungsminister will bei seinem Besuch in Deutschland am Donnerstag um Investitionen werben. Es ist eine der Strategien, um „unsere Realwirtschaft zu stützen“, sagt er im Handelsblatt-Interview.
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AthenGriechenlands Entwicklungsminister Kostis Hatzidakis will bei seinem Besuch in Berlin am Donnerstag um deutsche Investitionen werben. „Griechenland dürstet nach Investitionen, und Deutschland gehört zu den wichtigsten Adressaten, an die wir uns wenden“, sagte Hatzidakis in einem Interview mit dem „Handelsblatt“.

Der griechische Minister trifft morgen seinen deutschen Amtskollegen Philipp Rösler. Nach der vollzogenen Öffnung der Märkte in Griechenland, der Deregulierung des Transportwesens, des Energiesektors und des Arbeitsmarktes biete sein Land eine „solide Basis für Investitionen“, sagte Hatzidakis. Als attraktive Branchen nannte der Minister unter anderem den Tourismus, den Energiesektor und die Bio-Landwirtschaft.

Selbstkritisch äußerte sich Hatzidakis in dem „Handelsblatt“-Interview zum Thema Privatisierungen: „Es gibt keine Ausreden, in der Vergangenheit hatten wir Verzögerungen“. Deshalb setze die neue Regierung jetzt alles daran, verlorenen Boden gut zu machen. 29 Privatisierungsprojekte seien bereits in Arbeit. Im kommenden Jahr sollen unter anderem der Gaskonzern Depa, der Lotto- und Toto-Betreiber Opap sowie die Bahn-Betriebsgesellschaft Trainose verkauft werden, kündigte Hatzidakis an.

Die Regierung will auch mehrere teils seit Jahren stillstehende Infrastrukturprojekte anschieben, wie den Bau von vier privat betriebenen Autobahnen. Zu den Konzessionären gehört auch Hochtief. „Damit geben wir auch ein Signal des Aufbruchs“, sagte Hatzidakis dem „Handelsblatt“. Der Minister erwartet, dass sein Land Ende 2013 die Rezession hinter sich lassen kann. Er sei aber besorgt, dass bis dahin auch gesunde Unternehmen in den Sog der Krise geraten könnten: „Wir segeln durch einen Sturm mit Windstärke zehn“, sagte Hatzidakis. „Wir haben es geschafft, den Verbleib unseres Landes im Euro zu sichern. Jetzt müssen wir alles daransetzen, unsere Realwirtschaft zu stützen.“

 
Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Kostis Hatzidakis: „Griechenland dürstet nach Investitionen“"

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  • Solange die griechische Politik sich in Willkür übt und es kein wirksames Investitionsschutzabkommen gibt, werden sich die Investoren zurückhalten.

  • Ich bin gespannt, ob die Griechen mit ihrer Strategie bei der Industrie genauso umgehen können wie sie dies mit unseren Politikern machen.

    Ich schätze so nicht, aber anders.

    Wer will es einem deutschen Unternehmen verwehren, die Arbeitsplätze außer Landes zu bringen und gleichzeitig eine Gewinngarantie von unseren Politikern in Berlin zu erhalten.

    Es ist an der Zeit, dass die Kavallerie mal in Berlin einmarschiert.

  • „Nach der vollzogenen Öffnung der Märkte in Griechenland, der Deregulierung des Transportwesens, des Energiesektors und des Arbeitsmarktes biete sein Land eine „solide Basis für Investitionen...“

    Hahaha, selten so gelacht!
    Alles ist also bereits vollzogen, ja? Ich kenne keinen EINZIGEN, der sich traut, auf dem neuen, „bereits vollzogenen“ Weg eine Taxi- oder LKW-Lizenz zu erwerben.
    Dafür aber kenne ich Bauern, die willkürlich und erpresserisch das ganze Land in 2 Hälften teilen, indem sie die Strassen bei Tembi (etwa bei Larissa) mit ihren Fahrzeugen sperren. Und weshalb tun sie das?
    Na – um weiter die Subventionen zu erhalten, die ab 2013 EU-weit nicht mehr zu bekommen sind. Die Folgen der Sperrung sind den Bauern egal und eine Strafverfolgung gab es bisher auch nie, so dass es keinen Grund gibt, damit aufzuhören.
    Und in sämtlichen Gemeinden GR’s wird gerade ebenfalls gestreikt. Die Regierung will eine Beschäftigten-Liste aller Gemeindeverwaltungen und die Bürgermeister verweigern sie, weil es sich ganz überwiegend um ihre Verwandtschaft handelt. Da streikt man lieber.
    Und die Gewerkschaften drohen den künftigen Investoren an, sie zu behindern wo sie können.
    Armer Kostis Hatzidakis! Ich glaube ihm, dass er sich persönlich um Investoren bemüht – aber er kann dies leider nicht in GR umsetzen.

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