Krach mit Russland
Turkmenistan orientiert sich nach Westen

Turkmenistan will sein Gas künftig auch nach Europa liefern. Das Land hat wegen des Baus einer Ost-West-Pipeline Krach mit Russland und will sich neue Exportwege für sein Gas erschließen.

MOSKAU. Turkmenistan sucht Drähte in den Westen. Sein Land müsse "ein neues Verbindungssystem mit Europa schaffen", sagte der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdimuhammedow auf einer Konferenz in der Hauptstadt Aschgabat vor internationalen Energiemanagern. In der aktuellen Lage werde die Diversifikation von Energieflüssen und die Einbeziehung neuer Länder in die Export-Routen der Weltwirtschaft helfen, so der Herrscher über den autoritär regierten zentralasiatischen Staat. Er wolle mehr Koperation, so Berdimuhammedow.

Seine Äußerungen fallen in eine Zeit zunehmender Spannungen mit Russland, auf das Turkmenistan bei seinen Gasexporten angewiesen ist. In der einzigen Ausfuhrpipeline war es Anfang April zu einer Explosion gekommen, für die sich beide Seiten die Schuld geben. Im Hintergrund dürfte das Ringen um den Bau einer Ost-West-Pipeline in Turkmenistan sein, die nun international ausgeschrieben ist.

Erst kürzlich war es auch RWE gelungen, eine Rahmenvertrag mit Turkmenistan über Exploration und Gaslieferungen abzuschließen. Neben der BASF-Tochter Wintershall sind dies die ersten Aktivitäten eines westlichen Energiekonzerns in dem verschlossenen Land. Bisher hat Turkmenistan vor allem auf Ausbau einer Exportroute nach China vorangetrieben.

Die Frage, ob und wie weit sich Turkmenistan nach Westen öffnet, berührt auch das Schicksal der geplanten Nabucco-Pipeline, die Gas unter der Umgehung Russlands aus Zentralasien nach Europa transportieren soll. Um tatsächlich eine Verbindung mit dem Nabucco-Projekt von Turkmenistan herzustellen, müsste eine Pipeline quer durch das kaspische Meer verlaufen, was aufgrund der Streitigkeiten der Anrainer über die Aufteilung der Energieressourcen unter dem Meeresgrund aber nach wie vor unrealistisch erscheint.

Dennoch verstärken Russland und der Westen hinter den Kulissen ihr Ringen um die zentralasiatischen Ressourcen. An der Energie-Konferenz nahm unter anderem auch US-Vizeaußenminister George Krol teil. Russlands Regierungssprecher Dmitrij Peskow sagte dem Handelsblatt, die Beziehungen zu Turkmenistan hätten höchste Priorität. Zwar war Ministerpräsident Wladimir Putin nicht zur Konferenz nach Aschgabat gereist, hatte aber Gazprom-Chef Alexej Miller und Vizepremier Igor Setschin geschickt.

Russland versucht zudem das an Öl und Gas reiche Aserbaidschan an sich zu binden und führt derzeit Gespräche über den Import aserbaidschanischen Erdgases. Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew hatte bei einem Besuch in Moskau kürzlich angekündigt, er wolle über Russland Gas nach Europa verkaufen. Doch auch aus Aserbaidschan wird sich bei seinen Exportplänen nicht in die alleinige Abhängigkeit von Russland geben wollen. Alijew betonte auch, sein Land habe Interesse am Nabucco-Projekt - wenn es denn einmal zustande kommen werde.

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