Kranker Chávez
Kronprinz Maduro steht schon bereit

Venezuelas krebskranker Präsident Hugo Chávez hat vorsorglich schon selbst seinen Vize Maduro zum Kronprinzen gekürt. Ausländische Diplomaten loben ihn – doch die Opposition hält ihn eine für eine schlechte Kopie.
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CaracasUm den Gesundheitszustand des an Krebs erkrankten venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ranken sich derzeit viele Gerüchte: Die einen sehen ihn dem Tode nahe, andere setzen auf eine baldige Wiederaufnahme der Regierungsgeschäfte. Wie es auch kommt: Chavez selbst hat seinen Stellvertreter Nicolas Maduro zum Kronprinzen gekürt und das venezolanische Volk aufgefordert, den 50-jährigen ehemaligen Busfahrer im Falle von Neuwahlen zu unterstützen.

Die Opposition sieht den Mann mit dem markanten Schnurrbart als "schlechte Kopie" von Chavez, der seit rund 14 Jahren an der Spitze des größten Erdölexporteurs Südamerikas steht. Maduro versucht, dem wortgewaltigen Chavez nachzueifern, hat aber längst nicht das Charisma des sozialistischen Staatsoberhaupts. Genau wie sein Chef richtet sich Maduro bisweilen zwanglos im Trainingsanzug an seine Anhänger. Vertreter der Opposition nimmt er auf einschüchternde Weise als "miserable Verräter" aufs Korn.

Ebenfalls inspiriert vom langjährigen Präsidenten bemüht sich Maduro, seine emotionale Seite herauszustellen. So brach er etwa in Tränen aus, als er vor einer Menschenmenge bekundete, Chavez bis in alle Ewigkeit treu ergeben zu bleiben. Im Gegensatz zu Chavez - der stets auf dem Sprung ist, ein Kind zu herzen oder mit einem einfachen Arbeiter zu scherzen, mag man Maduro die Rolle als Mann des Volkes aber nicht so recht abkaufen.

Seit 2006 bekleidet der Ex-Gewerkschafter Maduro das Amt des Außenministers. Diplomaten haben ihn wegen seiner freundlichen und gelassenen Art schätzen gelernt, die insbesondere hinter verschlossenen Türen zu Tage tritt. "Er ist der gewandteste und am wenigsten reizbare aller Vertreter der venezolanischen Führung", sagte ein europäischer Diplomat.

Maduro ist mit der Juristin Cilia Flores verheiratet, der ersten Frau an der Spitze der venezolanischen Nationalversammlung von 2006 bis 2011. Derzeit ist sie Generalstaatsanwältin. Als Anwältin vertrat Flores einst Chavez, nachdem dieser wegen seines gescheiterten Putschversuchs 1992 im Gefängnis landete. Zwei Jahre später kam er wieder auf freien Fuß.

Seit Chavez' erster Krebsdiagnose Mitte 2011 gilt Maduro als einer der engsten Vertrauten des Staatschefs. Im Oktober wurde er zum stellvertretenden Präsidenten berufen. Durch große politische Vorstöße ist er bislang nicht in Erscheinung getreten. Sehr vorsichtig angedeutet hat Maduro allerdings gewisse Veränderungen, wie zum Beispiel die Kürzung staatlicher Subventionen etwa bei der Stromversorgung.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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