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Krawalle in Ägypten: Scharfe Schüsse auf Demonstranten

Nachdem Ausschreitungen bei einem Fußballspiel 74 Todesopfern forderten, flammt erneut Gewalt in Ägypten auf. Am Freitag sind elf Menschen bei Protesten getötet worden. Die Regierung mahnt zur Einigkeit.

Ein ägyptischer Demonstrant rennt mit einem Tränengasbehälter der Sicherheitskräfte davon. Quelle: dpa
Ein ägyptischer Demonstrant rennt mit einem Tränengasbehälter der Sicherheitskräfte davon. Quelle: dpa

KairoBei den Protesten gegen den regierenden Militärrat in mehreren Städten in Ägypten sind mindestens elf Menschen getötet worden, wie am Samstag aus Sicherheitskreisen verlautete. Tausende Menschen hatten am Freitag den Rücktritt des Militärrats gefordert, der überwiegend aus langjährigen Gefolgsleuten des vor einem Jahr gestürzten Machthabers Husni Mubaraks besteht. Auslöser war das Blutbad in einem ägyptischen Fußballstadion am Mittwoch, bei dem mindestens 74 Menschen getötet wurden. Viele Menschen werfen den Sicherheitskräften vor, dort absichtlich untätig gewesen zu sein.

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Auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten sich am Samstag wieder Hunderte Demonstranten. Viele forderten eine Reform der Polizeikräfte, andere aber auch gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats.

Bei den Protesten am Freitag wurden alleine fünf Menschen in der Stadt Suez erschossen, wie ein Polizeisprecher erklärte. Dort hatten Sicherheitskräfte auf tausende Demonstranten geschossen, die sich vor dem Polizeihauptquartier versammelt hatten. Insgesamt sechs Tote gab es am Freitag auch bei den Protesten in Kairo vor dem Innenministerium, wie am Samstag bekannt wurde. Bei den Opfern handelte es sich den Angaben zufolge um fünf Demonstranten und einen Polizisten.

Der regierende Militärrat veröffentlichte am späten Abend eine Stellungnahme, in der er die Ägypter zur Einigkeit aufrief und die gegenwärtige Situation als „gefährlichste und wichtigste Phase in der ägyptischen Geschichte“ bezeichnete.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die jüngsten Gewaltausbrüche. „Wir rufen in aller Form Ägypten dazu auf, die Umstände und die Hintergründe dieser Welle von Gewalt aufzuklären und auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte er in München. Der Fahrplan für den Demokratisierungsprozess in Ägypten, der Präsidentschaftswahlen Ende Juni vorsieht, müsse eingehalten werden.

Nach den Stadionkrawallen mit 74 Toten am Mittwoch warfen die Protestierenden den Sicherheitskräften Versagen, teilweise auch absichtliche Untätigkeit vor. In Sprechchören forderten sie am Freitag die Hinrichtung des Vorsitzenden des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi. Demonstranten mit Helmen und Gasmasken bahnten sich in Kairo ihren Weg Richtung Innenministerium. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ein Regierungsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Flammen auf.

Die Demonstranten vor dem Innenministerium erklärten, es nicht stürmen, sondern nur mit einem Sitzstreik gegen die Gewalt nach dem Fußballspiel protestieren zu wollen. Das Innenministerium forderte die Demonstranten in einer Erklärung dazu auf, in diesen kritischen Zeiten auf die Stimme der Weisheit zu hören und nicht weiter Chaos zu verbreiten.

Der regierende Militärrat veröffentlichte am späten Abend eine Stellungnahme, in der er die Ägypter zur Einigkeit aufrief und die gegenwärtige Situation als „gefährlichste und wichtigste Phase in der ägyptischen Geschichte“ bezeichnete. Ministerpräsident Kamal el Gansuri forderte die Intellektuellen des Landes auf, einzugreifen und die Gewalt zu stoppen. Auf der Facebook-Seite des Kabinetts schrieb der Regierungschef, er befürchte, die Demonstranten wollten das Innenministerium stürmen.

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Bei den Ausschreitungen in Kairo wurde ein Demonstrant vor dem Innenministerium aus nächster Nähe erschossen, wie ein Arzt mitteilte. Zahlreiche Menschen seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. In Suez feuerten Polizisten laut Augenzeugenberichten bei Demonstrationen mit scharfer Munition in die Menge, töteten drei Demonstranten und verwundeten 15 weitere Menschen. Einer der Verletzen schwebe in Lebensgefahr, berichteten Augenzeugen.

Der Sicherheitschef der Region bestritt, dass die Opfer durch Schüsse von Polizisten gestorben seien. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA kam am Freitag ein Angehöriger der Sicherheitskräfte ums Leben, 138 weitere wurden demnach verletzt.

Die Demonstranten in Kairo und anderen Städten sowie Abgeordnete des neu gewählten Parlaments werfen der Polizei vor, gegen die Ausschreitungen in dem Stadion nicht entschieden vorgegangen zu sein oder die Gewalt sogar bewusst toleriert zu haben. Die Proteste richten sich auch gegen den regierenden Militärrat.

  • 04.02.2012, 01:08 UhrZecke

    Die Ägypter (wie auch Libyer) werden eigenständig NIE eine valide Ordnung installieren können, sie haben einfach nicht den Grips dazu, sie können es aufgrund mangelnder Kompetenz in der Sache einfach nicht.

    Und man muss diesen Realitäten einfach ins Auge sehen und sie klar und deutlich auch artikulieren, ohne auf irgendwelche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.

    So einfach ist Tennis !

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