Krawalle in Großbritannien
Polizeipräsenz verhindert neue Gewalt

Die massive Polizeipräsenz zeigt Wirkung: Zum ersten Mal nach vier Tagen gab es in Großbritannien in der Nacht keine größeren Zwischenfälle. Trotzdem breitet sich die Stimmung der Gewalt weiter aus.
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LondonNach den teilweise heftigen Ausschreitungen in den vergangenen Abenden ist es in der Nacht zum Donnerstag in Großbritannien verhältnismäßig ruhig geblieben. Es habe bis zum frühen Morgen keine Berichte über ernsthafte Störungen gegeben, berichtete der Sender BBC. In Manchester etwa habe möglicherweise heftiger Regen Randalierer von den Innenstadt ferngehalten.

Die Londoner Polizei berichtete, es habe nur einen Vorfall gegeben, bei dem Beamte im Stadtteil Eltham beworfen seien worden. Die Angreifer seien zerstreut worden, hieß es. Auch in anderen Städten, in denen es in den vergangenen Tagen zu Plünderungen kam, blieb es weitgehend ruhig. Erstmals wurden Zwischenfälle aus Wales gemeldet.

In London gab es am frühen Morgen eine sichtbar stärkere Polizeipräsenz auf den Straßen. Die Lage war aber weiter sehr angespannt, das Parlament wurde aus dem Urlaub zurückgerufen, um in einer Sondersitzung über die Krawalle zu beraten.    

Premierminister David Cameron hat gekündigt, schärfer gegen Randalierer vorgehen zu wollen. Angesichts der landesweiten Ausschreitungen müssten alle denkbaren Schritte zur Wiederherstellung der Ordnung ergriffen werden, sagte der Regierungschef. Das Unterhaus kommt heute zu einer Sondersitzung zusammen. Premierminister David Cameron wird sich vor den Abgeordneten nach britischen Medienberichten zu den Unruhen äußern.  

Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit den tagelangen nächtlichen Krawalle in Großbritannien inzwischen fast 1.200 Personen festgenommen. Allein in London, wo es zu den schwersten Ausschreitungen kam, gab es 820 Festnahmen, wie Scotland Yard in der Nacht zum Donnerstag erklärte. 279 Verdächtige seien wegen diverser Straftaten angeklagt. Die Gerichte seien rund um die Uhr besetzt, um Straftäter abzuurteilen. Erste Randalierer wurden zu Haftstrafen verurteilt. Gerichte legten zur Bewältigung der vielen Fälle Nachtschichten ein.  

In Birmingham gedachten Hunderte bei einer Mahnwache der drei Einwanderer, die von einem Auto überfahren und getötet worden waren. Die Männer im Alter von 21, 30 und 31 Jahren gehörten nach Schilderungen von Augenzeugen zu einer Gruppe, die Geschäfte ihrer Wohngegend vor Plünderern schützen wollte.

Ein Auto habe sie mit hoher Geschwindigkeit und offenbar absichtlich auf einem Bürgersteig überfahren. Die Polizei erklärte, sie ermittle wegen Mordes gegen einen 32-Jährigen; zu dessen Identität lagen zunächst keine Angaben vor. Außerdem sei ein Fahrzeug beschlagnahmt worden.  

Die Krawalle waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatten sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Auslöser war der Tod eines 29 Jahre alten dunkelhäutigen Familienvaters, der von der Polizei erschossen worden war. Ballistische Untersuchungen ergaben, dass der Mann selbst nicht auf die Polizisten geschossen hatte. Das hatte Scotland Yard zuvor behauptet.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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