Krawalle in Großbritannien
Vier Jahre Knast für Facebook-Randalierer

Die britische Justiz zeigt sich von der gnadenlosen Seite. Zwei Jugendliche hatten auf Facebook zur Randale in der Provinz aufgerufen. Ihre Parolen blieben zwar ohne Folgen, dennoch müssen sie vier Jahre hinter Gitter.
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LondonEigentlich haben die beiden jungen Männer nur ein virtuelles Verbrechen begangen, doch dafür müssen sie jetzt ganz real ins Gefängnis. Nach den Krawallen in englischen Großstädten mit fünf Toten und brennenden Häuserzeilen  haben Richter in Nordwestengland einen 20jährigen und einen 22jährigen zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt, weil sie über Facebook zur Randale in der Provinz aufgerufen haben. Die Krawall-Parolen hatten zwar keinerlei Folgen, das hinderte die Justiz aber nicht, konsequent durchzugreifen.

Die harte Linie ist ganz im Sinne von Premierminister David Cameron, der hat zwar versprochen, die tieferen sozialen Ursachen der Aufstände zu bekämpfen und die „zerbrochene Gesellschaft wieder zu flicken. Aber erst einmal sollen die Gerichte mit drakonischen Urteilen für Abschreckung sorgen.  „Wer alt genug ist, Straftaten zu begehen, ist auch alt genug, dafür bestraft zu werden“, hatte Cameron in seiner „Null–Toleranz-Rede“ vor dem Parlament klar gemacht. Der konservative Premier folgt der alttestamentarischen Devise „Auge um Auge, Zahn um Zahn“: „Jeder, der gewalttätig geworden ist, soll ins Gefängnis geschickt werden.“

Und so bekamen die beiden Facebook-Randalierer die ganze Strenge des Gesetzes zu spüren.   Einer der Verurteilten ist ein 20-Jähriger, der im sozialen Netzwerk die Seite „Macht Northwich nieder“, einrichtete.   Der zweite Verurteilte hatte zu Krawallen in seinem Wohnviertel in Warrington  aufgerufen. Die Tatsache, dass die Gewaltapelle in beiden nordenglischen Städten folgenlos verhallten, beeindruckte die Staatsanwälte nicht. Schließlich hätten die Interneteinträge „erhebliche Panik und Schrecken“ ausgelöst“. Einer Einschätzung, der sich der Richter am Ende anschloss.

Die Facebook-Urteile waren nicht die einzigen umstrittenen Richtersprüche. In Manchester wurde ein 18jähriger zu zwei Jahren Jugendhaft verurteilt. Er wurde gefasst, als er gerade in einer Supermarktfiliale in Manchester nach Zigaretten und Schnaps greifen wollte. Ebenfalls in Manchester verurteilten die Richter einen 31jährigen zu 18 Monaten, weil er einem Plünderer half einen gestohlenen Fernseher wegzutragen.

„Die Richter haben sich entschlossen, eine deutliche Botschaft zu schicken, und ich denke es ist gut, dass sie das tun können“, so kommentierte Premier Cameron die Urteile.

Britische Menschenrechtler sehen das allerdings ganz anders und protestieren gegen das rabiate Vorgehen der Justiz.  Die Strafen, die den beiden Facebook-Tätern jetzt drohen, würden überblicksweise bei    schweren Gewaltdelikten angewandt, kritisiert die Howard League für Strafrechtsreform. Die harten Urteile könnten aus opportunistischen Plünderern Gewohnheitsverbrecher machen, warnte Sally Ireland von der Vereinigung Justice in der Zeitung „The Guardian“.

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Deutsche Innenpolitiker begrüßen harte Linie

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  • Es wird hier vergessen, dass die eigentlichen Schwerstkriminellen in den Banktürmen in London sitzen. Dieser Banker-Abschaum gehört hinter Schloss und Riegel. Es ist bedauerlich, dass die Bevölkerung von London so blöd ist und ihre eigenen armseligen Behausungen abfackelt, anstatt die Banken anzustecken und die Luxusimmobilien von Scheichs, griechischen Steuerhinterziehern und russischen Mafiosos sowie anderen Unterweltobjekten.

  • Ihr Vorschlag wird sich leider möglicherweise nicht realisieren lassen. Eine andere Möglichkeit: Sie wandern aus in das gelobte Land der Gerechtigkeit.

  • Könnten diese Richter bitte aushilfsweise nach Hamburg und Berlin versetzt werden?

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