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Krawalle in London: Der Sparzwang schürt die Gewalt

Großbritannien muss eisern sparen, der Lebensstandard sinkt. Das tut weh und trifft vor allem die ärmere Bevölkerung. Jetzt entlädt sich der tiefe Frust zum ersten Mal in brutaler Gewalt.

Bilder der Gewalt England in Flammen

In der Nacht zum Mittwoch blieb es in London wegen der massiven Polizeipräsenz weitgehend ruhig. Über eintausend Festnahmen werden landesweit bereits gezählt.

Quelle: dapd

LondonVon den Bankentürmen in der Londoner City bis nach Tottenham im Norden der britischen Hauptstadt sind es gerade einmal zehn Kilometer. Doch zwischen beiden Stadtteilen liegen Welten. Trostlose Wohnblocks, Kinderarmut, hohe Arbeitslosigkeit - Tottenham ist ein sozialer Brennpunkt. Trotzdem - auf das, was in der Nacht von Samstag auf Sonntag dort geschah, war kaum jemand vorbereitet. Eine friedliche Demonstration verwandelte sich in einen plündernden Mob; Häuser, Busse und Autos brannten. Vermummte raubten systematisch ganze Ladenketten aus.

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Gegen die brutale Realität in Tottenham wirkt die Furcht, die die Banker und Händler in der City umtreibt, seltsam surreal und abstrakt. Aber die konkrete Gewalt im Londoner Norden und die Furcht vor einem Crash an den Märkten haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick aussieht.

Ganz am Anfang der großen Finanzkrise stehen die ökonomischen Ungleichgewichte in der Welt. Während das Wirtschaftswunder in den Schwellenländern wie China zu enormen Wohlfahrtsgewinnen und Ersparnissen führt, lebt der Westen über seine Verhältnisse und versucht, seinen Lebensstandard auf Pump zu erhalten. Doch spätestens, nachdem die alten Industrieländer riesige Summen für die Rettung ihrer Banken ausgeben mussten, ist klar, dass der Überziehungskredit aufgebraucht ist. Jetzt hilft nur noch eisernes Sparen, und das tut weh.

Wie weh, das bekommen die Briten gerade zu spüren. Das Land hat nicht nur die härteste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Weil gleichzeitig die Inflation auf vier Prozent in die Höhe schoss, fielen die Reallöhne auf das Niveau von 2005 zurück. Mehr als sechs Jahre stagnierende Reallöhne hatte es auf der Insel zuletzt in den 1920er-Jahren gegeben. Obwohl das Wirtschaftswachstum quasi zum Stillstand gekommen ist, hält Finanzminister George Osborne eisern an seiner strengen Ausgabenkontrolle fest, weil er fürchtet, sonst das Vertrauen der Märkte zu verlieren.

Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola
Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola

80 Milliarden Pfund will der Konservative bis zum Ende der Legislaturperiode einsparen, um die Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Fast eine halbe Million Stellen im öffentlichen Dienst fällt weg.

Die Sozialhilfe wird ebenso gekürzt wie das Kindergeld, und die Erhöhung der Mehrwertsteuer lässt den Briten deutlich weniger im Geldbeutel. Die Forscher des Centres for Economics and Business Research haben ausgerechnet, dass der britische Lebensstandard in Großbritannien in den vergangenen fünf Jahren 4,8 Prozent gefallen ist, und sie fürchten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

"Die Spannung steigt wegen der harten Sparpolitik der Regierung, die Bevölkerung in den ärmeren Stadtteilen fühlt sich als Opfer", so begründete ein Bürger in Tottenham den Ausbruch der Gewalt. Für die westlichen Politiker dürfte es schwierig werden, die Erwartungen ihrer Wähler mit der harten ökonomischen Realität in Einklang zu bringen.

  • 09.08.2011, 15:38 UhrAnonymer Benutzer: TFG


    Die deutschen Schlafmützen wissen noch garnicht ,daß
    die Lunte glimmt auf der sie sitzen oder liegen .

  • 09.08.2011, 15:07 UhrDaDamm

    Wieviele offene Stellen gibt es in GB und wieviele Arbeitslose? Ich meine dabei nicht die offziell geschönten Zahlen, sondern die realistischen Zahlen. Manche Leute werden einfach nie begreifen, dass es einfach nicht mehr genug Arbeit für alle gibt. Ich bestreite nicht, dass viele gar nicht arbeiten wollen. Aber es ist nunmal Fakt: selbst wenn es so wäre, könnte man sie nicht bereitstellen. Bevor man sich also Gedanken über die Faulheit macht, sollte man sich die Frage stellen warum unser ganzes System solche Ergebnisse produziert.

    Natürlich hinterlässt so ein strukturelles Problem seine Spuren in einer Gesellschaft. Wenn man einen Job, eine Familie und ein sicheres Einkommen hat, zündet man keine Häuser an. Was für ein Leben muss man denn haben, um überhaupt auf die Idee zu kommen Häuser anzuzünden und seine Freiheit zu riskieren?

  • 09.08.2011, 15:05 UhrAnonymer Benutzer: EuroTanic

    Die Menschen versuchen das kaputt zu machen was sie kaputt macht. Da ihnen keine finanziellenn Massenvernichtungswaffen zur Verfügung stehen benutzen sie was sie haben. Steine, Mülltonnen, Waffen, Feuer. Diese Handlungsweisen kann ich nicht gutheissen, aber verstehen.
    Die Menschen machen das, dass was ihnen die Elite vorgelebt hat. Der Stärker kriegt was er will. Sozialdarwinismus in seinem neokapitalistiscem Gewand ist die Schule die diese Kinder ohne Perspektive und richtige Werte entlassen hat.

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