Krawalle in Straßburg
Ausschreitungen vor Nato-Gipfel

Schon am Vorabend des Nato-Gipfels haben sich in Straßburg hunderte Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Bereitschaftspolizisten feuerten am Donnerstag Tränengas auf vermummte Jugendliche, die trotz massiver Absperrungen in die Innenstadt vordringen wollten.

HB STRAßBURG. Auf ihrem Weg warfen die randalierenden Nato-Gegner die Fenster einer Polizeiwache ein, zündeten Mülltonnen an, zerkratzten Autos und bauten Barrikaden. Nach Einschätzung der Polizei haben die Zusammenstöße am Rande des G20-Treffens in London die Wut der Demonstranten angeheizt.

Sie wollten das Gipfeltreffen ins Chaos stürzen, kündigten die Anführer der Proteste an. Ein vermummter Jugendlicher schleuderte während der Randale eine Stange durch die Frontscheibe eines Militärfahrzeuges. Einer der beiden Soldaten im Wagen zog daraufhin seine Pistole, zielte in den Himmel und verschaffte seinem Partner so Zeit genug zur Flucht. Die Sicherheitskräfte nahmen Dutzende Nato-Gegner in Gewahrsam. Verfolgt von Polizisten versuchten andere Jugendliche, sich in die umliegenden Wälder abzusetzen.

Der scheidende Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer wies unterdessen Befürchtungen zurück, die Militärallianz wolle sich zur Weltpolizei aufschwingen. "Wir haben keine Ambitionen, Weltpolizist zu werden oder die UN zu ersetzen", sagte er bei einer Veranstaltung in Straßburg. "Aber auch wenn wir nicht Weltpolizist werden wollen, brauchen wir weltweit Partner". Im Übrigen gebe es keinen großen Unterschied zwischen den Truppen, die für den Einsatz außerhalb des Bündnisgebiets benötigt würden, und den Truppen, die die Allianz selbst schützen sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vergangene Woche vor einer globalen Nato als Weltpolizei gewarnt. Hauptaufgabe der Allianz müsse der Schutz der Bündnispartner bleiben, mahnte sie. Am Freitag wird US-Präsident Barack Obama zu dem zweitägigen Nato-Gipfel erwartet, der zum 60-jährigen Bestehen des Bündnisses erstmals von Deutschland und Frankreich gemeinsam ausgerichtet wird. Allein auf deutscher Seite sind knapp 15 000 Polizisten zum Schutz des Treffens im Einsatz. Der Verfassungsschutz rechnet mit bis zu 20 000 Demonstranten, davon etwa 3000 gewaltbereiten Linksextremisten, die vor allem in Straßburg aktiv werden dürften. Hauptthema des Gipfels wird das Ringen um einen Erfolg des Afghanistan-Einsatzes sein. Die Nato müsse erfolgreich sein und dürfe nicht zurückschrecken, wenn es hart werde, mahnte de Hoop Scheffer. Am Hindukusch stehe zwar nicht das Überleben des Militärbündnisses auf dem Spiel. Der Einsatz werde aber sehr wohl bestimmen, wie die Welt die Nato sehe.

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