Krawalle
Mursi verhängt Ausnahmezustand über drei Städte

Es ist ein blutiges Wochenende für Ägypten. In der Hafenstadt Port Said sterben mindestens 30 Menschen, mehr als 400 werden bei Straßenschlachten verletzt. Präsident Mursi verhängte den Ausnahmezustand über drei Städte.
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Kairo/Port SaidAngesichts der blutigen Ausschreitungen in Ägypten hat Präsident Mohammed Mursi über die drei am stärksten betroffenen Städte den Ausnahmezustand verhängt. Diese Maßnahme gelte von Mitternacht an für 30 Tage für die Städte Port Said, Suez und Ismailia, sagte der Staatschef am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Mit dem Ausnahmezustand verbunden sei beispielsweise eine nächtliche Ausgangssperre. Außerdem lud Mursi die Führer der Opposition für Montag zu Gesprächen ein.

Bei blutigen Ausschreitungen in der ägyptischen Hafenstadt Port Said sind am Wochenende mehr als 30 Menschen getötet worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo starben am Samstag 31 Menschen, bei neuen Krawallen am Sonntag wurden nach Krankenhausangaben drei Menschen getötet und mehr als 400 weitere Menschen verletzt. Die Armee bezog in Port Said Stellung und bewachte öffentliche Gebäude und sensible Orte.

Ärzten zufolge wurden alle 31 Opfer vom Samstag durch Schüsse getötet. Die Armee gab allerdings an, keine scharfe Munition eingesetzt zu haben. Am Sonntag starben drei Menschen, unter ihnen ein 18-Jähriger. Demonstranten versuchten, drei Polizeiwachen zu stürmen, und steckten ein Armeegebäude in Brand.

Anlass für die Zusammenstöße am Sonntag waren Trauerfeiern für die Todesopfer vom Vortag. Eine Panik brach aus, als währenddessen Schüsse zu hören waren, deren Ursprung jedoch unklar war. Die Gewalt war am Samstag in Port Said eskaliert, nachdem ein Gericht 21 Todesurteile gegen Fußballfans wegen der tödlichen Krawalle in der Hafenstadt im vergangenen Jahr verhängt hatte.

Angehörige der Verurteilten versuchten, deren Gefängnis zu stürmen. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören. Am Gerichtsort in Kairo brach nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der Krawalle von 2012 aus.

In Suez versuchten Demonstranten laut Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen, unter anderem am Sonntag in Kairo.

Wegen der Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die damaligen Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohammed Mursi rief am Samstag zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog auf. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, die Gewalt erfülle ihn „mit Sorge".

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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