Kreditwirtschaft
EZB wird von Wirklichkeit überrollt

Der Rat der EZB wird nach Meinung namhafter Volkswirte beschließen, seine Liquiditäthilfen für die Kreditwirtschaft nicht zurückzunehmen. Er wird die volle Zuteilung von Liquidität zum Notenbankzins von einem Prozent fortsetzen. Außerdem wird mit einer Verlängerung des Ankaufprogramms Staatsanleihen gerechnet.
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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach Meinung namhafter Volkswirte beschließen, seine Liquiditäthilfen für die Kreditwirtschaft vorerst nicht zurückzunehmen. Er wird die volle Zuteilung von Liquidität zum Notenbankzins von einem Prozent vielleicht sogar bis Mitte 2011 fortsetzen, meint der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Vor dem Hintergrund der rasch um sich greifenden Staatsschuldenkrise wird zudem mit einer Verlängerung des Ankaufprogramms der EZB für Staatsanleihen gerechnet. "In einer so angespannten Marktsituation wie derzeit wird die EZB durch liquiditätsabsorbierende Maßnahmen nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen", sagt Kater.

Hinter den Kulissen wird gleichwohl mit einer lebhaften Ratssitzung gerechnet. Es wird darum gehen, wie die Währungshüter der prekären Situation am Kapitalmarkt begegnen können.

Unabhängigkeit in Gefahr

Für die EZB ist es von höchster Wichtigkeit, dass die Lösung des europäischen Staatsschuldenproblems in der Finanzpolitik gefunden wird, meint Kater. Alle Probleme, die die Finanzpolitik nicht löse, fielen auf die EZB zurück. Und eine Einbindung in eine solche Lösung beraube sie ihres geldpolitischen Handlungsspielraums. Damit gerate ihre Unabhängigkeit in Gefahr. Mittelfristig würde das ein genau so großes Problem für den Euro wie jetzt das Staatsschuldenproblem, meint Kater. Es sei aber nicht damit getan, dass die EZB Mega-Ankaufsprogramme für Staatsanleihen auflege, das ändere an den Konstruktionsschwächen des Euros wenig.

Für Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, kommt es jetzt darauf an, die Märkte wieder dahin zu bringen, sich an den Fundamentaldaten zu orientieren. Dann könnten die Problemländer auf Griechenland, Irland und Portugal begrenzt werden. Falle aber Spanien, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Italien zum Opfer der Finanzmärkte werde. "Dann ist der aufgespannte Schutzschirm von 750 Mrd. Euro nicht mehr groß genug," sagt Mayer. "Dann - spekulieren manche Leute - wird die EZB für ein bis zwei Billionen Euro Staatsanleihen aufkaufen."

Die EZB wäre damit gescheitert: Eine supranationale Organisation, die nur der Preisstabilität verpflichtet sein sollte, würde in den Dienst der Fiskalpolitik gestellt. "Wenn die EZB ins Feuer geworfen würde, ist die Zukunft offen", erklärt Mayer. Noch glaubt er allerdings, dass das Schlimmste noch abgewendet werden kann. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte erst am Dienstag darauf hingewiesen, dass Spanien die negative Einschätzung durch die Märkte nicht verdiene.

Aber auch für Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, wäre es eine Option, dass die EZB massiv Staatsanleihen aufkauft, wenn Spanien und Italien unter den Rettungsschirm gehen müssten. Das würde die Währungsunion stabilisieren, aber um den Preis, sie in eine Transferunion zu wandeln, meint Krämer.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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  • Unser Glück ist dass ein Franzose President der EZb zur Zeit ist.
    Man stelle sich vor, ein Deutscher wäre heute President der EZb? Wir wären jetzt schon in eine der schlimmsten Finanzkrise hineingegeraten. Eine Katastrophe mehr à la Deutschland.

  • Die systemischen Fehler der Gemeinschaftswährung wirken sich für alle verheerend aus. Man sollte endlich einsehen, daß mit finanztechischen Maßnahmen fehlende und ausgleichend wirkende Wirtschaftskraft und Ertragsstärke nicht ausgeglichen werden kann, schon gar nicht, wenn die Schuldenberge exponentiell wachsen. Die EZb schiebt nach dem Vorbild der FED ganz Europa auf die Schuldenrutsche, die ins vollkommene Desaster führt, man verfährt nach dem Prinzip, die ganze Stadt anzuzünden, wenn einzelne Häuser brennen, um irgendwann den brand kontrollieren zu können. bleibt zu hoffen, daß bald in einem ersten Euro-Staat die Regierung von der Öffentlichkeit, den Wählern, gezwungen wird, aus dem Unsinn auszusteigen, in dem wieder zur eigenen Staatswährung zurückgekehrt, der EU-Schuldensubventionierungs-Geldhahn zugedreht und der EZb das Mandat entzogen wird und man sich darauf beschränkt, national wirksame und kontrollierbare Kriseninterventionsmechanismen zur Konsolidierung der nationalen Finanzlage zu erwägen und sparsamst einzusetzen.

  • @ bürger/Ausweg alles richtig nur leider sind uns die Steuerungsmöglichkeiten genommen,das schon vor längerer Zeit die Zahlen aller Staaten der EU sind ein Fiasko die brutale Denkweise ist die man druckt geld und sobald die lumpenelite es in andere Werte umgejubelt hat kann die Währung krchen gehen ,aber bis dahin kippen wir diesen Planeten mit Euros voll,wir sind uns keiner schandtat zu schade.Die Derivatebombe ist so was von gefährlich das übersteigt ie vorstellungskraft des otto normal verbrauchers die zahlen sind bekannt wurden schon mehrmals hier geschrieben.Es geht nur noch über den totalen Finanzgau,was sollen sie machen mit der Angst im Nacken für ihr Versagen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Tagobank warum bennent sie sich um und gab sich einen anderen Namen als das was nützt.die betrogenen stehen Tag für Tag vor der Tür und machen auf sich aufmerksam.

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