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Kreml fürchtet weltweite Rezession: Russland bändelt mit der Opec an

Russland sucht angesichts des drohenden Preisverfalls beim Rohöl eine größere Nähe zur Opec. Bei der Bestimmung des Ölpreises müsse es in Zukunft einen "russischen Faktor" geben, betonte Energieminister Sergej Schmatko vergangene Woche auf einer Sibirienreise. Hintergrund ist die Sorge, dass die internationale Finanzkrise in eine weltweite Rezession mündet und der Ölpreis aufgrund der sinkenden Nachfrage weiter fällt.

Russische Erdgaslagerstätte Juschno Russkoje: Moskau sucht derzeit nach Wegen, um die Ölmärkte stärker bewegen zu können. Foto: obs/BASF SE
Russische Erdgaslagerstätte Juschno Russkoje: Moskau sucht derzeit nach Wegen, um die Ölmärkte stärker bewegen zu können. Foto: obs/BASF SE

MOSKAU. Der Preis für die russische Öl-Sorte Urals ist seit den Höchstständen im Sommer bereits um mehr als ein Drittel auf jetzt knapp über 90 Dollar pro Barrel (159 Liter) gesunken. Er ist damit nicht mehr weit von den 70 bis 75 Dollar entfernt, die das stark von Rohstoffeinnahmen abhängige Russland für einen ausgeglichenen Staatshaushalt braucht.

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Moskau sucht deshalb nach Wegen, die Ölmärkte stärker bewegen zu können. Das Energieministerium arbeite an einer Reihe von Maßnahmen - etwa der Entwicklung von sogenannten "Reservefeldern", die je nach Bedarf aktiviert und abgeschaltet werden könnten, kündigte Ressortchef Schmatko an. Über solche Reserven verfügt bisher vor allem der größte Opec-Produzent Saudi-Arabien. Die Pläne wolle man der Opec auf ihrem Dezember-Treffen in Algier vorstellen, so Schmatko.

Sollten die russischen Pläne Wirklichkeit werden, hätte dies auch Auswirkungen auf die Europäische Union, die stark von Öl- und Gaslieferungen aus Russland abhängt. Hier wächst deshalb der Druck, sich nach anderen Lieferanten umzusehen.

In der Opec hat Russland zwar schon seit Jahren einen Beobachterstatus. Doch spätestens seit dem September-Treffen des Ölkartells ist klar, dass sich an dem lange Zeit distanzierten Verhältnis etwas ändern soll. So hatte Moskau die bisher höchstrangige Delegation unter Führung des für Energie zuständigen Vizepremiers Igor Setschin nach Wien geschickt. Die "umfangreiche Kooperation" mit der Opec sei eine von "Russlands Prioritäten", betonte Setschin, ein enger Vertrauter von Premier Wladimir Putin und Aufsichtsratschef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft.

Zu einigen Opec-Mitgliedern hat Moskau bereits gute Drähte geknüpft, allen voran Venezuela. Vergangene Woche gründeten beide Länder einen gemeinsamen Ölkonzern, an dem sich die venezolanische PDVSA, der russische Öl- und Gaskonzern Gazprom sowie die Ölgesellschaften Rosneft, TNK-BP, OAO Lukoil und Surgutneftegaz beteiligen werden. Energieminister Schmatko stellte für Investitionen in Lateinamerika und darüber hinaus einen Dollarbetrag in zweistelliger Milliardenhöhe in Aussicht.

Auch seine Beziehungen zu Iran vertieft Russland. Während das Mullah-Regime bei westlichen Ölkonzernen auf der schwarzen Liste steht, versprach Gazprom-Chef Alexej Miller vergangene Woche bei einem Besuch in Teheran, die Kooperation auszubauen. Was nach einem aus westlicher Sicht beängstigenden Bündnis der weltgrößten Ölproduzenten aussieht, bewerten Experten aber vor allem als politisches Manöver. Angesichts der drohenden Konfrontation mit dem Westen nach dem Georgien-Konflikt sucht Russland neue Partner auch im Energiebereich. Zuletzt unterzeichnete der Kreml in Südkorea den Vertrag für ein Gasprojekt.

Ob es tatsächlich zu einer Annäherung an die Opec kommt, sei dagegen noch nicht ausgemacht, glaubt Julian Lee vom Center for Global Energy Studies: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Russland sich seine Energiepolitik von außen diktieren lassen will." Auch Saudi-Arabien dürfte wenig Interesse haben, sich seine herausragende Rolle im Kartell mit jemandem zu teilen. Zudem gilt Russland nicht gerade als verlässlicher Partner: Als der Ölpreis Ende der 90er-Jahre auf zehn Dollar fiel, stimmte Moskau zwar der Opec-Forderung, die Produktion zu drosseln, zu - doch die russischen Konzerne pumpten weiter wie bisher.

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