Kreml-Kritiker
Russischer Ex-Regierungschef rätselhaft erkrankt

Nach dem Gifttod des Ex-Agenten Alexander Litwinenko hat eine rätselhafte Erkrankung des russischen Ex-Regierungschefs Jegor Gajdar in Moskau Aufsehen erregt. In London weiten britische Behörden unterdessen ihre Untersuchungen im Fall Litwinenko aus.

HB MOSKAU/ LONDON. „Das ist keine gewöhnliche Lebensmittelvergiftung, sondern viel ernster“, sagte Jegor Gajdars Tochter Maria einem russischen Radiosender. Der 50-jährige Kreml-Kritiker Gajdar sei in der Vorwoche auf einer Konferenz in Irland an Symptomen einer schweren Vergiftung erkrankt, berichteten Moskauer Medien am Mittwoch in Moskau. Der liberale Wirtschaftsfachmann werde derzeit in einem Moskauer Krankenhaus behandelt. Sein Gesundheitszustand sei „stabil“.

Die russischen Ärzte hätten bislang nicht herausfinden können, woran Gajdar erkrankt sei. Nach dem Frühstück in einem Dubliner Hotel habe Gajdar über Unwohlsein geklagt. Bei einem Vortrag sei er dann zusammengebrochen und über drei Stunden ohne Bewusstsein gewesen, berichtete Gajdars Tochter. Zudem habe Gajdar sich erbrochen und geblutet. Nach dem Transport nach Moskau habe sich sein Gesundheitszustand in den vergangenen Tagen verbessert.

In den russischen Medien wurde hervorgehoben, dass Gajdar am 24. November erkrankte, Stunden nachdem in London der Ex-Agent Litwinenko durch die Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 starb. Gajdar hatte unter Präsident Boris Jelzin im Jahr 1992 die russische Regierung geführt und damals die umstrittene Freigabe aller Preise angeordnet. Der Verfechter einer liberalen Marktwirtschaft leitet heute ein Wirtschaftsforschungsinstitut in Moskau.

Polonium-Spuren im Büro von Putins ärgstem Gegner gefunden

Die britische Polizei hat unterdessen ihre Ermittlungen im Fall Litwinenko auf neun Gebäude in London ausgedehnt. Spezialkräfte suchten nach Polizeiangaben vom Mittwoch in einem Fünf-Sterne-Hotel sowie einem weiteren Bürohaus nach Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210, mit der Litwinenko getötet worden war. Zuvor waren bereits an sieben Orten leichte Strahlungsbelastungen festgestellt worden. Dazu gehört das Büro des russischen Milliardärs Boris Beresowski, der zu den einflussreichsten Gegnern des russischen Präsidenten Wladimir Putin gezählt wird.

Die Polizei ermittelte am Dienstag noch, ob der ehemalige Geheimdienstler auch am Tag des mutmaßlichen Giftanschlags, dem 1. November, dort zu Besuch war. Beresowski, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Vermögen angehäuft hatte, war aus Angst vor einer Gefängnisstrafe schon vor Jahren aus Russland nach Großbritannien geflohen. Nach britischen Presseberichten hat er Litwinenkos Unterhalt in den vergangenen Jahren mitfinanziert. Der „Daily Telegraph“ zitierte einen Vertrauten mit den Worten: „Beresowski fürchtet, er könnte der nächste sein.“

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