Kreml stimmt Waffenstillstandsabkommen zu – und bricht es
Russland hält Georgien und den Westen hin

Zwar hat Kremlchef Medwedjew inzwischen das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet und verspricht den Rückzug - doch seine Truppen sind noch weiter auf die georgische Hauptstadt vorgerückt. Auch der deutsche Baukonzern Heidelberg Cement ist betroffen.

TIFLIS. Russland bricht das von Kremlchef Dmitrij Medwedjew am Sonnabend unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen, das zuvor auch Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili unterschrieben hatte. Statt seine Truppen aus Georgien zurückzuziehen, rückt Moskaus Streitmacht weiter vor. Am Sonntagmittag kündigte Medwedjew den Rückzug der Truppen nun für Montag an.

Noch am Sonntagmorgen waren russische Panzer und Truppentransporter mit vielen Soldaten im georgischen Dorf Igueti zu sehen – nur 35 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt. Immerhin: Die Bewohner sagen, die russischen Soldaten würden sich "ordentlich verhalten und nicht plündern und morden".

Da sieht die Lage im 30 Kilometer weiter entfernten Gori viel dramatischer aus. Aus der 100 000 Einwohner zählenden georgischen Stadt, dem Geburtsort von Josef Stalin, Geflüchtete berichteten von Morden und Plünderungen durch vor allem südossetische und aus Russland gekommene Freischärler. Russische Truppen hielten die Stadt weiter in ihrer Gewalt, weder georgische Armee- noch Polizeikräfte seien in Gori. Obwohl Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der für die EU das Waffenstillstandsabkommen vermittelt hatte, Saakaschwili zugesagt hatte, das Abkommen bedeute, dass russische Truppen keine größeren georgischen Städte mehr besetzt halten dürften.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bestätigte die Berichte der Flüchtlinge und rief Russland auf, endlich die Plünderungen und systematischen Ermordungen von Georgiern in der Region zu stoppen: "Russische Truppen kontrollieren die Region in und um Gori und sich für die Sicherheit dort verantwortlich", sagte Rachel Denber, Europa-Vizedirektorin von HRW.

Zwar sagte der russische Kommandeur der nach Georgien vorgerückten Truppen, General Wjatscheslaw Borisow, er habe den Befehl zum Rückzug aus Georgien. Doch er konnte oder wollte keinen Zeitplan nennen. Russland werde aber seine Armee absetzen, diese allerdings durch russische Friedenskräfte ersetzen.

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