Kremlchef in Ungarn
Wenn Putin Orbán besucht

Ungarns Regierungschef Viktor Orbán rollt für Kremlchef Wladimir Putin in Budapest den roten Teppich aus. Ungarn will zum strategischen Partner Russlands in Mitteleuropa aufsteigen. Der Westen ist nicht begeistert.
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BudapestDas sonnige Wetter in Budapest täuscht. In der ungarischen Hauptstadt drehen die Temperaturen in der Nacht deutlich in die Minusgrade. Dass es in den Häusern und Büros auf künftig warm bleibt, dafür sorgen derzeit vor allem die russischen Energielieferungen. Moskau liefert rund 60 Prozent des ungarischen Gases. Ungarns Premier Viktor Orbán kennt diese Abhängigkeit ganz genau.

Deshalb umwirbt er den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei seiner Kurzvisite in Budapest, den strategisch wichtigen Gasvertrag mit Ungarn zu verlängern. Der ungarische Außenminister und Orbán-Vertraute Péter Szijjártó sagte bereits im Vorfeld, dass dem Besuch Putins in dem EU-Land eine „für das Schicksal entscheidende Bedeutung für die Energiesicherheit“ zukommt.

Orbán will zum strategischen Partner Russland in Mitteleuropa aufsteigen. Gerade in einer Sicht der Isolation Russlands stehen die Chancen dafür nicht einmal schlecht. Denn Ungarn ist aus Moskauer Sicht derzeit die einzige Option. Das neutrale Österreich, das sich ebenfalls um gute Beziehungen zum Kreml bemüht, ist ein viel zu enger Partner Deutschlands, um jemals eine derartige Rolle einnehmen zu können.

Ungarn steht unter Druck. Der 20jährige Gasliefervertrag mit Russland läuft in diesem Jahr aus. Orbán braucht eine Vereinbarung mit dem Großlieferanten aus Moskau. Denn gerade in der zaghaften Phase der wirtschaftlichen Erholung kann es sich der rechtspopulistische Regierungschef nicht leisten, die Versorgungssicherheit in seinem Land zu gefährden.

Ob Putin tatsächlich mit einem neuen Gasliefervertrag in der Tasche nach Budapest reist, war am Dienstagnachmittag noch unklar. Der russische Präsident und Orbán werden erst am Abend vor die Presse in Budapest treten. Orbán mit seinem sicheren Gespür für Macht ist in einer vergleichsweisen starken Position. Die Zeiten einer totalen Abhängigkeit von Russland sind längst vorbei.

Das EU-Land verfügt über eine Pipeline nach Österreich und kann sich daher auch Gas aus anderen Quellen besorgen. Auch die Gasmenge aus dem vorhandenen Vertrag, rund neun Milliarden Kubikmeter pro Jahr, werden nicht ausgeschöpft. Ein weiterer Vorteil sind die niedrigen Gaspreise im Zug des Niedergangs des Ölpreises.

Der russische Energiekonzern Gazprom kann in dieser Lage gut verlässliche Kunden wie Ungarn brauchen. „Wir sind zum Dialog und zu einer beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft bereit“, sagte der russische Diplomat Yuri Ushakov zum Thema Gas der Nachrichtenagentur Interfax. Wie flexibel Gazprom bei der Preisgestaltung – aus politischen Gründen – sein kann, zeigte sich bereits 2013 und 2014. Mit dem Preisnachlass half der Moskauer Konzern Orbán bei seiner Wiederwahl im vergangenen Jahr.

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  • Warum Orban der EU und USA ein Dorn im Auge ist: Orban: "Nicht die einfachen Bürger sollten mit Sparmaßnahmen zur Kasse gebeten werden, sondern die großen Konzerne und Banken"

    Warum Viktor Orban der USA, der EU, und dem politisch-medialen Establishments der BRD so verhasst ist, erklärt auch der folgende Artikel:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/viktor-orban-ungarn-senkt-umstrittene-bankensteuer/11351948.html

    >>Im vergangenen September hatte Ungarn der Bayern LB die Ungarische Außenhandelsbank (MKB) abgekauft. Orban hatte bis zu 70 Prozent des ungarischen Bankensektors in „nationalen Besitz“ bringen wollen.
    Ungarn im Steckbrief.
    Der Regierungschef hatte 2010 zur Entlastung des Staatshaushaltes Sondersteuern eingeführt, die vor allem ausländische Finanzdienstleister, Energieunternehmen, Handelsketten und Medienunternehmen belasten. Die Bankensteuer gilt im europäischen Vergleich als besonders hoch.
    <<

    Und weiter heißt es:

    >>Orban verteidigte seine unter Ökonomen umstrittenen Maßnahmen als „unorthodoxe“ Wirtschaftspolitik. Nicht die einfachen Bürger sollten mit Sparmaßnahmen zur Kasse gebeten werden, sondern die großen Konzerne, die angeblich Extra-Profite scheffeln und diese außer Landes schaffen würden.<<

    Banken nationalisieren, also unter nationalstaatliche, demokratische Kontrolle bringen statt die Banken immer mehr Kontrolle über den Nationalstaat zu gewähren u. ihnen Milliardenweise Steuergeld hinterherzuwerfen)...
    ... und dann auch noch Konzerne und Banken für die eigens verschuldete Krise zur Kasse bitten, statt die einfachen Bürger – das ist natürlich ein Verbrechen aus Sicht der EU-Eliten, der etablierten Parteien der "westlichen" Staaten und ihren Befehlshabern aus Großkapital und Großindustrie.

  • Warum Orban der EU und USA ein Dorn im Auge ist: Orban: "[i]Nicht die einfachen Bürger sollten mit Sparmaßnahmen zur Kasse gebeten werden, sondern die großen Konzerne und Banken"[i]

    Warum Viktor Orban der USA, der EU, und dem politisch-medialen Establishments der BRD so verhasst ist, erklärt auch der folgende Artikel:

    >>Im vergangenen September hatte Ungarn der Bayern LB die Ungarische Außenhandelsbank (MKB) abgekauft. Orban hatte bis zu 70 Prozent des ungarischen Bankensektors in „nationalen Besitz“ bringen wollen.
    Ungarn im Steckbrief.
    Der Regierungschef hatte 2010 zur Entlastung des Staatshaushaltes Sondersteuern eingeführt, die vor allem ausländische Finanzdienstleister, Energieunternehmen, Handelsketten und Medienunternehmen belasten. Die Bankensteuer gilt im europäischen Vergleich als besonders hoch.
    <<

    Und weiter heißt es:

    >>Orban verteidigte seine unter Ökonomen umstrittenen Maßnahmen als „unorthodoxe“ Wirtschaftspolitik. Nicht die einfachen Bürger sollten mit Sparmaßnahmen zur Kasse gebeten werden, sondern die großen Konzerne, die angeblich Extra-Profite scheffeln und diese außer Landes schaffen würden.<<

    Banken nationalisieren, also unter nationalstaatliche, demokr. Kontrolle bringen (statt die Banken immer mehr Kontrolle über Demokratie und Nationalstaat zu gewähren u. ihnen Milliardenweise Steuergeld hinterherzuwerfen)...
    ... und dann auch noch Konzerne und Banken für die eigens verschuldete Krise zur Kasse bitten, statt die einfachen Bürger – das ist natürlich ein Verbrechen aus Sicht der EU-Eliten, der etablierten Parteien der "westlichen" Staaten und ihren Befehlshabern aus Großkapital und Großindustrie.

  • Es mangelt deutschen Medien nicht nur an Respekt, sondern an Unabhängigkeit (von der USA)


    >>Meiner Meinung nach mangelt es den deutschen Medien an Respekt, indem sie ständig herablassend über alle reden und sie verurteilen, die mit Herrn Putin und Russland irgendeine Art von Beziehung unterhalten. Viele Journalisten haben sich voll in Kriegsstimmung gebracht und strömen eine Haltung voller Missgunst aus.<<

    Das ist keine Frage des fehlenden Respekts mehr sondern - was noch viel schlimmer ist - eine Frage der fehlenden Unabhängigkeit.

    Mit ihrer unverhohlenen, plumpen, systematischen Hetze gegen Putin und ihrer die Wahrheit verzerrenden, oft genug verlogenen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt – die im krassen Kontrast zum Schweigen gegenüber der immer länger werdenden Liste der Verbrechen der US-Eliten steht - zeigen die deutschen Medien nicht nur ihre Respektlosigkeit sondern vor allem ihre Abhängigkeit und Hörigkeit gegenüber der USA.

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