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Kremlgegner: Chodorkowski in die Schweiz ausgereist

Der Kremlgegner Chodorkowski hat Berlin verlassen und ist in Begleitung seiner Frau und seiner Kinder in die Schweiz ausgereist. Ob er sich in dem Land dauerhaft niederlassen will, ist jedoch noch offen.

Michail Chodorkowski auf der Pressekonferenz in Berlin: Visum für drei Monate. Quelle: dpa
Michail Chodorkowski auf der Pressekonferenz in Berlin: Visum für drei Monate. Quelle: dpa

BerlinDer Kremlgegner Michail Chodorkowski ist gut zwei Wochen nach seiner Freilassung aus russischer Haft von Deutschland aus in die Schweiz gereist. Er kam am Sonntag in Begleitung von Frau und Kindern mit einem Zug aus Berlin in Basel an und reiste dann weiter. Auch von der Alpenrepublik aus werde er sich für die Befreiung politischer Gefangener in Russland einsetzen, erklärte Chodorkowski während der Zugfahrt dem Schweizer Fernsehen SRF. Er wolle möglichst viel dafür tun, dass auch andere politische Gefangene freikommen.

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„Man kann doch nicht ruhig leben, wenn man weiß, dass in Gefängnissen politische Gefangene schmoren“, sagte der einstige Oligarch und bis vor kurzem noch prominenteste politische Häftling Russlands den Reportern. Chodorkowski wurde auf der Reise von drei seiner vier Kinder - den beiden Söhnen Gleb und Ilja und der Tochter Anastasia - sowie seiner Frau Inna begleitet, wie auf Bildern des SRF zu sehen war.

Der Fall Chodorkowski

  • 2003

    Der Vorstandsvorsitzende des Ölkonzerns Jukoas, Michail Chodorkowski, wird am 23. Oktober spektakulär bei einer Zwischenlandung seines Privatjets in Nowosibirsk festgenommen. Dem Multimilliardär werden Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sein Geschäftspartner Platon Lebedew war bereits im Juli verhaftet worden.

  • 2004

    In Moskau beginnt am 16. Juni der erste Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung wirft dem Kreml eine Steuerung des Verfahrens vor, weil der Jukos-Chef in Opposition zum damaligen Präsidenten Wladimir Putin gegangen sei. Im Dezember wird die größte Jukos-Tochter Yuganskneftegas wird zwangsversteigert.

  • 2005

    Chodorkowski und Lebedew werden am 16. Mai unter anderem wegen schweren Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen. Am 31. Wird die Strafe verhängt: je neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht reduziert die Strafe im September 2005 auf je acht Jahre Haft. Am 18. verabschiedet der US-Senat eine Erklärung, in der er den Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew als politisch motiviert kritisiert.

  • 2007

    Die Staatsanwaltschaft leitet am 5. Februar eine zweite Anklage gegen Chodorkowski und Lebedew ein - wegen Geldwäsche. Im November wird der Jukos-Konzern wird nach seiner Zerschlagung und dem Verkauf der Teile aus Russlands Handelsregister gelöscht.

  • 2008

    Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich im März bei einem Treffen mit Putin in Moskau für Chodorkowskis Begnadigung aus. Auch andere deutsche Politiker hatten Russland wiederholt zum rechtsstaatlichen Umgang mit den beiden Unternehmern aufgefordert.

  • 2009

    In Moskau beginnt am 31. März der zweite Prozess gegen Chodorkowski und Lebedew. Die Verteidigung nennt die Vorwürfe der Unterschlagung von Millionen Tonnen Erdöl „absurd und unlogisch“.

  • 2010

    Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beginnt die Anhörung ehemaliger Jukos-Eigentümer. Sie fordern von Russland rund 70 Mrd. Euro Schadensersatz, da sie den Verkauf des Konzerns als Betrug ansehen. Im Dezember werden Chodorkowski und Lebedew schuldig gesprochen und zu 14 Jahren Haft verurteilt.

  • 2011

    Ein Moskauer Berufungsgericht kommt zu dem Schluss, dass Chodorkowski nur 90 Millionen statt 128 Millionen Tonnen Rohöl unterschlagen habe. Deshalb reduzieren die Richter die Haftstrafe um ein Jahr. Chodorkowski kommt demnach frühestens 2016 frei. Im Dezember gehen Zehntausende nach den Manipulationsvorwürfen bei der Parlamentswahl auf die Straße und fordern den Rücktritt von Regierungschef Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie Chodorkowski.

  • 2012

    Nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten kündigt der amtierende Staatschef Dimitri Medwedjew im März überraschend an, die Urteile gegen Chodorkowski und andere Oppositionelle überprüfen zu lassen. Doch schon im April lehnt er das Begnadigungsgesuch ab.

  • 2013

    Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt Russland wegen des Vorgehens gegen Chodorkowski. Wegen eines neuen Gesetzes wurde die Haftstrafe Chodorkowskis um zwei Jahre verringert, weshalb er Mitte 2014 frei gekommen wäre. Chodorkowski selbst sagte Anfang Dezember in einem Interview, er wolle kein Gnadengesuch stellen und forderte weiter einen fairen Prozess. Am 20. Dezember unterschreibt Putin dennoch ein Gnadenerlass. Noch am selben Tag kommt Chodorkowski frei und fliegt nach Deutschland.

  • 2014

    Am 5. Januar 2014 wird bekannt, dass Chodorkowski in die Schweiz ausgereist ist. Seine Söhne gehen dort zur Schule. Das Land hat ihm ein Visum für drei Monate ausgestellt.

„Das ist das erste Mal seit zehn Jahren, dass ich mit meiner Frau und meiner Familie zusammen sein kann“, sagte Chodorkowski. „Meine beiden jüngsten Söhne gehen in der Schweiz zur Schule und bald beginnt der Unterricht“, erklärte der 50-Jährige zum Grund seiner Reise in die Alpenrepublik. Seine Frau Inna und die Zwillinge wohnen seit längerem in der Schweiz, die Tochter Anastasia lebt in Moskau.

Ob sich Chodorkowski dauerhaft in der Schweiz niederlässt, blieb zunächst offen. Die Familie danke dem Land für die Möglichkeit, Zeit miteinander verbringen zu können, erklärte seine Schweizer PR-Agentur Creafactory. Er sei auch dankbar „für die klare Haltung der Schweizer Behörden während der langen Jahre seiner ungerechtfertigten Haft“. Die Agentur wies darauf hin, dass Chodorkowski „beim privaten Besuch mit seiner Familie nicht gestört werden möchte“.

Der Kreml-Kritiker, der als Ölunternehmer zum reichsten Mann Russlands aufgestiegen war, hat nach Berichten Schweizer Medien einen großen Teil seines Vermögens bei eidgenössischen Banken deponiert. Das Schweizer Bundesgerichts in Lausanne hatte 2004 Vermögenswerte des Russen in der Eidgenossenschaft wieder freigegeben, nachdem diese zunächst auf Antrag Moskaus blockiert worden waren.

Insgesamt waren nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur sda 6,2 Milliarden Franken (5,1 Milliarden Euro) des Yukos-Konzerns bei fünf Banken eingefroren worden. Dagegen hatten Chodorkowski und seine Yukos-Mitstreiter erfolgreich Beschwerde eingelegt. Das Bundesgericht wies den russischen Antrag in Sachen Yukos mit der Begründung zurück, der Kreml sei aus politischen Gründen gegen Chodorkowski vorgegangen.

Der ehemalige Öl-Unternehmer hatte am 20. Dezember nach zehn Jahren Haft vorzeitig das Straflager in Nordrussland verlassen dürfen. Daraufhin war er nach Vermittlung durch den früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher direkt nach Berlin geflogen. Dort hatte er wenig später ein Visum für die Schweiz beantragt und erhalten. Damit kann er sich zunächst drei Monate lang in der Eidgenossenschaft aufhalten.

  • 06.01.2014, 10:56 UhrVicario

    Zitat : Im Übrigen, wer hat nun den Aufenthalt im Adlon wirklich bezahlt?????

    - beim geschätzten, übriggebliebenen Vermögen von ca. 200 Mio. $ wird er das noch selbst können !

    Das die Presse hier eine Hype für einen Jüdischen Oligarchen aus Russland erzeugt, ist unglaublich !

    Die Oligarchen sind die Neureichen kriminellen in Russland, die zusammen mit den Offiziellen Verbrechern ( Putin & Co. )

    das Volksvermögen und die Bodenschätze unter den Nagel gerissen haben und verschleudern !


  • 06.01.2014, 10:24 UhrHagbard_Celine

    Deutschland ist kein guter Ort für Finanzamtkritiker und Vermögende, fragen Sie doch mal Hr. Hoeneß oder Hr. Bettermann.

    Ich hätte an Stelle von Hr. Chodorkowski genau das Selbe getan.

    Sieht so aus als ob der Gute in Deutschland zukünftig leider keine Steuern zahlen wird, der schweizer Fiskus hingegen kann sich schon auf Millionenbeträge freuen.

    Ausser Spesen nichts gewesen, vielleicht klappt es ja mit der Gasprinzessin.

    Oder gibts doch einen kleinen, geheimen Kickbach für die Parteikasse ?

    Die CDU soll ja Erfahrungen auf diesem Gebiet haben...

    Interessant ist auch wie gut der Mann für sein Alter aussieht, 50 und kaum eine Falte im Gesicht. Vermutlich viel frische Luft und gesundes Essen die letzten 10 Jahre...

  • 06.01.2014, 09:53 UhrX-Ray

    Es ist schon erstaunlich wie unsere linientreuen Medien Chodorkowski ständig als Regimekritiker und poilitischen Gefangenen darstellen. Er ist einer jener Oligarchen, der in der Umbruchzeit unter Jelzin in kürzester Zeit ein Milliardenvermögen angesammelt hat. Es erscheint mehr als unwahrscheinlich, dass dies damals alles mit rechten Dingen zuging.
    Dass er am Ende 'nur' für Steuervergehen verurteilt wurde, hat er mit so illustren Gestalten wie Al Capone gemeinsam.
    Dass Genscher sich für so etwas vor den Karren spannen lässt, zeigt nur, dass er Außenpolitisch eine absolute Nullnummer ist.

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