Krieg gegen den Terror
Pakistan droht USA mit Ende der Terrorbekämpfung

Bin Ladens Tod belastet den gemeinsamen Terrorkampf: Pakistan droht mit dem Ende der Zusammenarbeit und wirft den USA die kaltblütige Tötung des Terrorchefs vor. Amerika glaubt dass Pakistan der Terrorchef versteckt hat.
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Islamabad/Abottabad/Rom

Pakistan will die Zusammenarbeit mit den USA im Antiterror-Kampf überdenken, sollte es noch einmal zu einer Kommando-Einsatz auf seinem Hoheitsgebiet kommen. Sollte bei einer ähnlichen Aktion die Souveränität Pakistans verletzt werden, werde die Kooperation mit den USA überprüft, teilte die Armee in der ersten Stellungnahme zu dem US-Einsatz gegen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden am Donnerstag mit. Außerdem würden Untersuchungen eingeleitet, warum dem Geheimdienst der jahrelange Aufenthalt des meist gesuchten Mannes der Welt in Pakistan verborgen bleiben konnte.

Zudem erhebt Pakistan schwere Vorwürfe gegen die USA: Das auf Osama bin Laden angesetzte US-Kommando habe den unbewaffneten Al-Kaida-Chef und vier seiner Vertrauten kaltblütig erschossen, erklärten zwei Vertreter pakistanischer Sicherheitsbehörden. "Die Bewohner des Hauses waren unbewaffnet. Es gab keinen Widerstand", sagte einer. Damit widersprach er US-Darstellungen, mehrere Bewohner der Anlage seien bewaffnet gewesen und einer habe das Feuer auf die Spezialeinheit eröffnet.

In Rom weigerte sich US-Außenministerin Clinton, weitere Details der Kommando-Aktion zu veröffentlichen. Die zwei Vertreter pakistanischer Sicherheitskräfte, die das Geschehen in dem Anwesen in der Nacht zum Montag untersuchen, erklärten dagegen, es habe kein Feuergefecht gegeben. Die Bewohner seien kaltblütig umgebracht worden. Beide Männer wollten nicht sagen, wie sie zu diesen Erkenntnissen gekommen sind. Allerdings haben die Sicherheitskräfte die überlebenden Bewohner der Anlage festgenommen.

Fotografien aus dem Gebäude zeigen Nahaufnahmen von drei Männern in Blutlachen. Waffen sind nicht zu erkennen. Die Aufnahmen wurden von einem Mitglied pakistanischer Sicherheitskräfte kurz nach Ende des US-Einsatzes gemacht.

Nach den Worten einer US-Senatorin versuchte der Al-Kaida-Chef nach einer Waffe zu greifen, unmittelbar bevor er von Elitesoldaten erschossen wurde. Bin Laden sei dabei gewesen, "sich diese Waffen zu greifen. Da kann man kein Risiko eingehen", sagte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein, am Mittwoch (Ortszeit) dem US-Sender CNN.

Die "New York Times" berichtet derweil von einem "extrem einseitigen Gefecht" während der Kommandooperation. Die Navy Seals seien nur ein einziges Mal beschossen worden, nämlich ganz zu Beginn der Aktion, schreibt die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Dabei habe ein Kurier Bin Ladens die Soldaten aus einem Gästehaus auf dem Gelände heraus unter Feuer genommen. Nachdem die Spezialkräfte den Kurier getötet hatten, "wurde nicht mehr auf die Amerikaner geschossen".

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