Krieg in Libyen
Al-Kaida nutzt Chaos für Waffenbeschaffung

Al-Kaida-Kämpfer sind unter den Rebellen, aber die Terrorgruppe hat möglicherweise noch ein anderes Ziel: Das Chaos im Wüstenkrieg nutzen, um sich hochwertige Waffen zu besorgen. London liefert den Rebellen Funkgeräte.
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Algier Die Al-Kaida nutzt nach Angaben aus algerischen Sicherheitskreisen das Chaos in Libyen, um sich hochwertige Waffen zu beschaffen. Unter den entwendeten Waffen seien auch Flugabwehrraketen des Typs SAM-7, die von der Schulter aus abgefeuert werden können, sagte ein algerischer Sicherheitsbeamter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Vor einigen Tagen sei ein Konvoi von acht Kleinlastern aus Ost-Libyen über den Chad und Niger nach Nord-Mali gefahren. "Und wir wissen, dass das nicht der erste Konvoi ist", sagte der Beamte.

Die Pick-Up-Trucks hätten unter anderem panzerbrechende Granaten, schwere Maschinengewehre, Sturmgewehre, Sprengstoff und Munition befördert, hieß es weiter. Bekannt sei auch, dass die Islamisten im Besitz der Flugabwehrraketen seien. Die zum Teil in Russland hergestellten Waffen stammten aus Libyen, wo mehrere Kasernen und Waffenlager geplündert worden seien.

Es sei undenkbar, dass Vertreter der Al-Qaeda im Islamischen Maghreb (AQIM), der nordafrikanische Ableger der Terrorgruppe von Osama bin Laden, vor Ort "diese Gelegenheit nicht genutzt haben". Die Gruppe verfüge über exzellente Verbindungen zu den örtlichen Schmugglern. Diese überquerten nach Belieben die südlibysche Grenze. "Sie werden wahrscheinlich von der AQIM den Auftrag bekommen, die Waffen herbeizuschaffen."

Algerien kämpft seit fast zwei Jahrzehnten gegen radikale Islamisten, die sich in den vergangenen Jahren zur Al-Kaida bekennen. Die Sicherheitskräfte des Landes überwachen auch die Aktivitäten radikaler Muslime außerhalb Algeriens.

Großbritannien will den libyschen Rebellen Kommunikationsausrüstung liefern, um sie im Kampf gegen Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi zu unterstützen. London reagiere damit auf eine Bitte von Rebellenführern, erklärte Außenminister William Hague am Montag vor dem Parlament. Die Regierung sei bereit, „nicht-tödliche Ausstattung zur Verfügung zu stellen“.    

Damit solle das Leben von Zivilpersonen geschützt und die Lieferung von humanitären Hilfsgütern unterstützt werden, erklärte der Außenminister. Wie die USA hat London außerdem angedeutet, es könnte den Rebellen unter bestimmten Voraussetzungen trotz eines UN-Embargos gegen Libyen Waffen liefern.    

Hague zufolge wollen die Vereinten Nationen und die EU möglicherweise die Aufhebung von Sanktionen gegen Mitglieder von Gaddafis Regime erwägen, sollten diese den Machthaber nicht weiter unterstützen. Die EU werde in dieser Woche mit Gesprächen darüber beginnen, die Restriktionen gegen den früheren libyschen Außenminister Mussa Kussa fallen zu lassen, sagte Hague. Mitgliedern von Gaddafis engstem Umfeld werde aber keine Immunität gegen Strafverfolgung wegen begangener Verbrechen angeboten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krieg in Libyen: Al-Kaida nutzt Chaos für Waffenbeschaffung"

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  • Soviel zur "Sicherheitspartnerschaft" mit Russland! Inzwischen ist es Standard, daß im Westen Dummköpfe die Entscheidungen treffen. Wann begreifen die Leute endlich, von welchen Schweinepriestern sie zur Schlachtbank geführt werden? Den Polen muß es ganz schön mulmig werden, noch schweigen sie. Vermutlich wird demnächst Weißrussland vom Iwan okkupiert.

  • Die Nachricht ist ja nicht neu. Wenn von "Aufstaendischen", von "Rebellen" i.d. Presse gesprochen wird, die im islamischen Libyen kaempfen, dann ist eben die grosse Frage, wieviele Unterstuetzer eines politischen Islam dort und mit welchem Ziele den staemmischen "Glaubensbruedern" zur Hilfe eilen.
    Vmtl. haben die geheimen Nachrichtenorganisationen am Boden bereits deshalb nasse Fuesse bekommen.
    Warum sonst sollte die USA nun auf halbem Wege die Schlacht um Tripoli ruhen lassen?

  • Abgefangener Waffentransport
    Irans Revolutionsgarde liefert Raketen an Taliban

    48 Kurzstreckenraketen für die Taliban, Absender Iran. Wie Isaf und US-Geheimdienst jetzt bestätigen, stammt die Waffenlieferung, die im Süden Afghanistans abgefangen wurde, aus Beständen der Revolutionsgarden. Es sei nicht das erste Mal, dass Teheran die Nachbarn mit Kriegsgerät versorge.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750039,00.html

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