Krieg in Libyen
Gaddafi blitzt mit Reform-Versprechen bei Rebellen ab

In der libyschen Wüste sterben Menschen, aber politisch herrscht ein Patt zwischen Gaddafi und den Rebellen: Der Diktator weigert sich, zurückzutreten. Die NATO hat inzwischen 30 Prozent seiner Streitmacht zerstört.
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Ankara/BregaBei den diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges in Libyen hat sich auch am Dienstag kein Durchbruch abgezeichnet: Rebellen und Regierung könnten sich nicht über die Zukunft von Machthaber Muammar Gaddafi einigen, sagten türkische Regierungsvertreter nach einem Besuch eines libyschen Sondergesandten. „Beide Seiten stehen sich unnachgiebig gegenüber.“ Die Opposition bestehe auf einem Rückzug Gaddafis, die Regierung wolle ihn halten.

Die Türkei bemühte sich um eine Vermittlung und erwartete in den kommenden Tagen einen Vertreter der Rebellen. Weder der Westen noch die Rebellen gingen auf die Reform-Versprechen der Regierung in Tripolis ein. Die libysche Führung hatte sich zu Wahlen und einer neuen Verfassung bereiterklärt, dies aber an einen Verbleib des Machthabers geknüpft.

Der libysche Vize-Außenminister Abdelati Obeidi stieß mit seiner Gaddafi-treuen Botschaft auch auf Malta auf Ablehnung. Ministerpräsident Lawrence Gonzi sagte dem Botschafter, Gaddafi und seine Familie müssten die Macht abgeben. Die Vorfälle im Rebellen-Vorposten Misrata nannte Gonzi abscheulich. Augenzeugen hatten von einem Massaker durch Gaddafi-treue Soldaten berichtet. Die drittgrößte Stadt des Landes ist die letzte Hochburg der Aufständischen im Westen und heftig umkämpft.

Ein Regierungssprecher sagte auf die Frage von Journalisten nach Verhandlungen mit dem Westen, es könne jedes politische System und jede Veränderung geben. Das Ausland dürfe jedoch keine Bedingungen stellen, selbst wenn das Land bereit sei, Vorschläge für mehr Demokratie, Transparenz, Pressefreiheit und den Kampf gegen die Korruption zu diskutieren.

In der umkämpften Öl-Stadt Brega im Osten wechselte die Kontrolle mehrfach. Die Regierungstruppen feuerten Raketen auf die Aufständischen, die sich daraufhin zum Teil zurückzogen. „Es ist ein vor und zurück“, sagte ein Offizier der Rebellen. Nahe der Stadt lagen die rauchenden Reste zweier Fahrzeuge.

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Die Rebellen könnten schon bald Öl exportieren

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  • Merkwürdig diese Kommentare pro Rebellen. Kein Mensch kennt deren Zusammensetzung. Das, was bekannt ist lässt nichts Gutes ahnen ... . Dennoch aber werden deren Aussagen 1:1 übernommen.

    Mal eine Frage, wie definiert sich der Begriff "Zivilist" eigentlich: "bewaffnete Aufständische" oder Menschen, die sich nicht beteiligen. Mein Eindruck ist der, dass hier wohl "bewaffnete" Aufständische als Zivilisten gelten.

    Außerdem, der Westen fordert "Qadhafi muss weg" ... . Es wäre schön, ginge er. Aber gemessen an den Geschehnissen, fragt eigentlich auch jemand nach den Wünschen der Rest-Libyer außerhalb Benghazis? Oder zählt nur noch der Osten des Landes und damit die Öl-Region? Im Besonderen im Hinblick darauf, dass die Rebellen wohl selbst dort kaum Rückhalt in der Bevölkerung haben ... anders lässt es sich nämlich kaum erklären, dass die Regierungstruppen wieder erstarken und die Rebellen Fersengeld geben müssen sowie die NATO ihre Angriffe einstellt. - Mit Verlaub ein kleiner geographischer Hinweis: In der Region gibt es kaum großartige Versteckmöglichkeiten für niemand außerhalb der eigenen Familienverbände, da es es dort großflächig um Flachland handelt. Wo also sollten sich Qadhafis Leute verstecken, wenn nicht in den Familienverbänden? Und dies zeigt doch wohl eher, wo die Libyer - die echten Zivilisten - stehen.

  • Es ist allen Beteiligten bekannt, dass die Nato militärische Ziele der Gaddafi-Tuppen angreift. Wer sich dann als sogenanntes "Menschliches Schutzschild" zur Verfügung stellt, muß damit rechnen getötet zu werden.
    Falsche Rücksicht, bzw. mumanitäres Gefasel fordert langfristig nur unnötige Opfer.

  • Diplomatische Verhandlungen mit dem Gaddafi-Clan werden sowohl heute, als auch in Zukunft zu nichts führen! Gaddafi wird jede Gelegenheit nutzen, um sich Zeit zu verschaffen. Verhandeln will er nicht, denn das ist nur vorgeschoben. Wichtig ist für ihn nur das Taktieren und das gegeneinander Ausspielen der UN-Länder. Uneinigkeit ist seine beste Lebensversicherung.
    Es gibt nur eine Lösung: Gaddafi muss weg!

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