Krieg in Libyen
Gaddafi im Fadenkreuz des Westens

Nach der ersten Angriffswelle nehmen die Alliierten weitere Ziele ins Visier. Machthaber Gaddafi schäumt vor Wut, droht mit einem Krieg gegen die „Monster“ und „Kriminellen“. Mehrere Länder bedauern die Luftangriffe.
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Tripolis, Brüssel, WashingtonEin Gebäude des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi innerhalb des Geländes Bab Al Asisija in Tripolis ist bei einem Angriff schwer beschädigt worden.

Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN aus der Nacht zum Montag handelte es sich möglicherweise um Einschläge von Marschflugkörpern. Wo sich Gaddafi zu dem Zeitpunkt aufgehalten habe, sei unbekannt. Unklar war, wer die Marschflugkörper abgeschossen hätte. Nach US-Angaben wurde der Angriff nicht von den amerikanischen Streitkräften ausgeführt, berichtete der US-Fernsehsender ABC. Das britische Verteidigungsministerium hatte am späten Sonntagabend mitgeteilt, dass ein britisches U-Boot Marschflugkörper auf Stellungen der libyschen Flugabwehr abgefeuert hatte. US-Vizeadmiral William Gortney hatte am Sonntag in Washington gesagt, dass sich die Angriffe nicht gegen Gaddafi als Person richten. „Gaddafi steht nicht auf unserer Zielliste“, sagte er im Pentagon.

Mit massiven Einsätzen der Luftwaffe und von Marschflugkörpern hat eine internationale Streitmacht am Wochenende damit begonnen, den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi zu entwaffnen. Libyen reagierte zunächst mit heftigen Drohungen, verkündete dann aber eine einseitige Waffenruhe. Diese erkennen die USA nicht an und wollen nach Angaben der Regierung die UN-Resolution für eine Flugverbotszone weiter umsetzen.

Der NATO-Rat hat einer Teilnahme der Allianz bei der Durchsetzung des Flugverbots in Libyen zunächst nicht zugestimmt. Wie aus diplomatischen Kreisen in Brüssel am Sonntagabend verlautete, scheiterte dies am Einspruch der Türkei. Einverständnis wurde dagegen darüber erzielt, dass sich das Bündnis an der Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen beteiligt. Bei den Beratungen war schon zuvor nach außen gedrungen, dass einige Mitgliedstaaten - darunter die Türkei - Unmut über ein Vorpreschen von Franzosen, Briten und Amerikanern mit den am Samstag begonnenen Luftangriffen auf Libyen geäußert hätten. Die türkische Ablehnung einer NATO-Intervention in Libyen stoppte vorerst Pläne, die Flugverbotszone mit Patrouillen von Kampfflugzeugen der NATO durchzusetzen. Dafür ist eine Direktive erforderlich, die mit Zustimmung aller 28 Mitgliedstaaten erlassen werden müssen. Den Diplomaten zufolge ist eine solche Dirketive nicht vor Dienstag zu erwarten.

An dem Militärschlag beteiligten sich unter anderem die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien und Dänemark. Offenbar will sich auch der arabische Golfstaat Katar beteiligen. Das gab US-Vizeadmiral William Gortney am Sonntag in Washington bekannt. Welche Aufgaben das Land übernehmen werde, sagte es allerdings nicht.

Grundlage des Einsatzes ist eine Resolution des UN-Sicherheitsrates. Sie erlaubt die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen und den Einsatz militärischer Zwangsmittel, um Gaddafi an militärischer Gewalt gegen die protestierende Bevölkerung zu hindern. Nur Besatzungstruppen darf die Zweckallianz nicht entsenden. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung enthalten.

Französische und britische Kampfflugzeuge hatten die Angriffe begonnen. Am Samstag und Sonntag feuerten Tarnkappenbomber, U-Boote und Kriegsschiffe aus den USA und Großbritannien mindesten 110 Marschflugkörper und Bomben auf mehrere Dutzend Ziele entlang der Mittelmeerküste. Die USA setzten am Sonntag zudem 19 Kampfflugzeuge, darunter Tarnkappenbomber, gegen die libysche Flugabwehr ein. Das bestätigte das US African Command in Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa. Dazu kamen zahlreiche Kampfflugzeuge der anderen Alliierten.

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  • und wieder geht es ums oel!!

  • "Offenbar will sich auch der arabische Golfstaat Katar beteiligen"

    Hoffentlich ist auch Luxenburg dabei, die könnten weinigstens eigene Soldaten vorweisen. Aber bei den Kataris werden es maximal Inder oder Pakistanis sein können.

  • So kennt man den Westen,
    wenn es wie zum Beispiel in Bosnien Krieg nur "Menschen Leben" brauchte es Jahre zur Entschlußfindung.

    Wenn aber Erdöl im Spiel ist, braucht es keinen Monat dazu.

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