Krieg in Libyen
Gaddafi-Sohn spielt Katz und Maus mit Rebellen

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam ist wieder aufgetaucht: Offenbar will er heute den Kampf in Tripolis weiterführen. Noch ist die Stadt nicht ganz unter Kontrolle der Rebellen - bei Google Maps hat die Revolution schon gesiegt.
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Tripolis/Bengasi/San Francisco/Vineyard HavenDer als festgenommen gemeldete Gaddafi-Sohn Saif al Islam ist am Dienstag überraschend in einem Hotel in Tripolis aufgetaucht. Er erschien am frühen Morgen im Rixos-Hotel in der Hauptstadt, in dem sich etwa 30 ausländische Journalisten aufhalten. Der Sohn von Machthaber Muammar al Gaddafi lud die Journalisten zu einer Fahrt durch die Stadt in seinem Konvoi ein.    

Der Konvoi aus gepanzerten Geländewagen fuhr durch Straßen voller bewaffneter Gaddafi-Gefolgsleute und durch das Viertel Bu Slim, das als Hochburg der Regimetreuen gilt. Vor Gaddafis Gebäudekomplex Bab al Asisija warteten mindestens 100 Männer auf Waffen, die an Freiwillige zur Verteidigung des Regimes verteilt wurden. Saif al Islam äußerte sich zuversichtlich, die Aufständischen noch zu besiegen.    

Die Aufständischen kontrollieren nach eigenen Angaben Tripolis fast vollständig, Saif al-Islam bestritt dies im Gespräch mit Journalisten jedoch. Es habe sich vielmehr um eine Falle gehandelt. „Wir
haben den Rebellen das Rückgrat gebrochen“, habe er während der kurzen Unterhaltung mit den Journalisten gesagt. Auf die Frage, ob sein Vater sich noch in Tripolis befinde und in Sicherheit sei, habe er achselzuckend „selbstverständlich“ erwidert.

Am Montag hatten die Aufständischen erklärt, Seif als Islam sei ebenso wie ein weiterer Gaddafi-Sohn, Al Saadi, am Vortag festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) hatte die Festnahme Saif al Islams bestätigt, der wie sein Vater wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist. Ein dritter Sohn, Mohammed, stand nach Angaben der Opposition unter Hausarrest, konnte aber entkommen. Der Aufenthaltsort Muammar al Gaddafis ist weiter unbekannt.    

Weder Seif al Islam noch der Nationale Übergangsrat in Bengasi äußerten sich dazu, wie es zu der Meldung über die Festnahme gekommen war. Beobachter hielten es für möglich, dass Seif al Islam, der einst als wahrscheinlichster Nachfolger seines Vaters gehandelt wurde, den Rebellen entkommen konnte.

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Auch heute wird in Tripolis weiter gekämpft

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  • Die Aufgabe der Medien ist es neutral zu berichten und investigativ zu recherchieren. Wo ist die Ehre der Medien geblieben, die hier bisher nur die Propaganda der Nato Agressoren nachplappern? In anderen (alternativen) Kanälen kann man Berichte von Reportern vor Ort sehen und nachlesen. Die zeigen ein aktuelles aber ganz anderes Bild. Die Armeen von Gaddafi vermeiden einen offenen Krieg, kein Wunder, bei der Übermacht der NATO. Nicht die Rebellen kämpfen, sondern die NATO. Wo ist da die humanitäre Mission, die Einhaltung der UN Resolution? Alles vergessen? Die NATO hat an einem Tag über 7.000 Luftangriffe auf Tripolis und Umgebung gestartet? Ja sind die denn verrück? Tausende tote Zivilisten waren das Ergebnis. Und im Gegensatz dazu reden Rebellen vor Ort sogar mit den Libyern, denn keiner will weiteres Töten. Aber die NATO bombt weiter. Das ist alles zu durchsichtig. Und die Medien sollten mal besser ihrer Aufgabe nachkommen die 4. Säule der Demokratie zu sein.

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