Krieg in Libyen
Gaddafi will sich nicht geschlagen geben

Gaddafis letzte Bastion ist gefallen, doch im Radio kündigt der Despot einen langen Bürgerkrieg an: Der Rückzug sei nur ein taktisches Manöver gewesen. Unterdessen gibt es einen Wettlauf, wer Libyen wieder aufbauen darf.
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TripolisAuch nach dem Sturm der Rebellen auf sein Hauptquartier in Tripolis will Muammar el Gaddafi weiter um die Macht in Libyen kämpfen. In einer am Dienstagabend gesendeten Audiobotschaft sagte Gaddafi, er habe seine Residenz Bab al-Asisija in der Hauptstadt lediglich aus taktischen Gründen verlassen. Wo Gaddafi sich aufhielt, war weiter unklar.       

In der vom Fernsehsender al-Oruba veröffentlichten Audiobotschaft sagte Gaddafi, der Komplex sei nur noch ein Schutthaufen gewesen, nachdem die NATO 64 Raketen darauf gefeuert habe. "Und wir haben uns aus taktischen Gründen  zurückgezogen". In einer Radioansprache drohte er den Aufständischen in der Nacht auf Mittwoch mit einem erbitterten Kampf - notfalls bis in den Tod. Gaddafi erklärte, er werde weiterkämpfen bis zum Sieg gegen die Nato - oder er werde als Märtyrer sterben.

In einer zweiten Radiobotschaft rief er die Libyer zum Widerstand auf: In dem von einer lokalen Radiostation verbreiteten Aufruf habe ein Mann, bei dem es sich um Gaddafi handeln soll, die Libyer aufgefordert, die Hauptstadt Tripolis von den Aufständischen „zu säubern“, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Mittwoch. Gaddafi warf den Aufständischen Folter vor. Sie würden Gegner „exekutieren“.

In einer vom Fernsehsender Al-Rai veröffenlichten Audio-Aufzeichnung rief er die Einwohner von Tripolis dazu auf, die Hauptstadt von den Rebellen „zu säubern“. Er habe sich in Tripolis umgesehen und nicht dass Gefühl, dass die Stadt in Gefahr sei, sagte Gaddafi weiter.

Die Rebellen waren am Sonntag in Tripolis einmarschiert und brachten seitdem den größten Teil der Hauptstadt unter ihre Kontrolle. Am Dienstag eroberten sie den weitläufigen Komplex von Gaddafis Residenz, wo sich auch unterirdische Bunker befinden. Sie feuerten Freudenschüsse ihn die Luft, plünderten Waffenlager und rissen der Statue des einstigen Revolutionsführers den Kopf ab und traten auf sie.

Ein Sprecher der libyschen Regierung drohte den Rebellen mit einem langen Kampf um Tripolis. Der Bürgerkrieg werde noch Monate, wenn nicht sogar Jahre andauern, sagt der Gaddafi-Sprecher Mussa Ibrahim dem Sender Al-Oruba. Die Rebellen-Anführer würden keinen Frieden finden, wenn sie nach Tripolis kämen. Die Truppen der Regierung würden Libyen notfalls in einen Vulkan und in ein Meer aus Feuer verwandeln. Ibrahim rief die Bevölkerung auf, sich am Kampf gegen die Rebellen zu beteiligen.

Der Vorsitzende des Übergangsrates der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, sagte dem Fernsehsender France 24, bei den Kämpfen in Tripolis seien seit Sonntag mehr als 400 Menschen getötet und rund 2000 verletzt worden. Er kündigte an, dass die Kämpfe  fortgesetzt würden, bis Gaddafi gefasst sei. Dschalil zufolge kontrollierten Gaddafis Kämpfer noch immer drei Stadtteile von Tripolis.  

Die libyschen Rebellen eroberten am späten Dienstagabend nach eigenen Angaben eine der größten Hochburgen Gaddafis in der Hauptstadt. Das Viertel Abu Salim sei nun unter der Kontrolle der Aufständischen, sagte ein ranghoher Sprecher der Rebellen dem Fernsehsender Al-Arabija. Die libysche Regierung hatte die Bewohner von Abu Salim stets als besonders Gaddafi-treu bezeichnet.

Der Fernsehsender Al-Dschasira berichtete zudem, dass die Aufständischen mittlerweile die volle Kontrolle über den Flughafen von Tripolis gewonnen hätten. Nach Angaben der Rebellen schossen Regierungstruppen Grad-Raketen auf Wohngebiete in der Hauptstadt. Westlich von Tripolis wurden die Städte Suara und Adschelat von Gaddafi-Soldaten unter Beschuss genommen.

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