Krieg in Libyen
Gaddafis Sohn soll tot sein

Gaddafi ruft zum Marsch auf Benghasi auf, benutzt Zivilisten als Schutzschilde, verkündet eine neue Waffenruhe - doch die Bomben fallen weiter: Sein Sohn Chamies soll tot sein. Macht nun die Nato bei dem Einsatz mit?
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Tripolis/BrüsselEin Sohn des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi soll nach Berichten von Oppositionellen und arabischen Medien Opfer eines Kamikaze-Piloten geworden sein. Chamies al-Gaddafi sei in einem Krankenhaus in Tripolis an den Folgen schwerer Brandverletzungen gestorben, hieß es in den Berichten am Montag.

Diese habe er erlitten, als ein Pilot der libyschen Luftwaffe vor einigen Tagen mit seinem Kampfjet absichtlich auf den Stützpunkt Bab al-Asisija stürzte, in dem Gaddafi und seine Familie leben. Die Aufständischen hatten schon zuvor den Namen und ein Foto des mutmaßlichen Kamikaze-Piloten veröffentlicht.

Der Pilot Mokhtar Mohammed Othman hatte angeblich den Auftrag erhalten, Ziele in der Rebellen-Hochburg Adschdabija im Osten des Landes zu bombardieren, sein Flugzeug dann aber in Richtung auf den Stützpunkt gelenkt, der in der vergangenen Nacht auch Ziel eines Angriffs der westlichen Allianz zur Durchsetzung des Flugverbotes war. Von offizieller Seite war der Absturz des Kamikaze-Piloten, bei dem auch Gaddafis Sohn Saadi leicht verletzt worden sein soll, dementiert worden.

Gaddafi kämpft mit immer brutaleren Mitteln gegen seinen Untergang: Gaddafi-Truppen bringen nach Angaben eines Sprechers der Rebellen Zivilisten in die umkämpfte Stadt Misrata, um sie dort als menschliche Schutzschilde einzusetzen. Bewohnern zufolge ist die Stadt von Gaddafi-Truppen eingekesselt und von der Wasserversorgung abgeschnitten. Im Stadtzentrum halten sich demnach bewaffnete Gaddafi-Truppen in zivil auf.

Auch in Adschdabija spitzte sich die Lage zu. Ein Aufständischer sagte dort: „Wenn wir nicht mehr Hilfe vom Westen bekommen, werden uns Gaddafis Truppen lebendig aufessen.“

Das neue Angebot einer Waffenruhe des Gaddafi-Regimes stößt bei den USA und Großbritannien auf Skepsis. Die Luftschläge der Alliierten gegen Ziele in dem nordafrikanischen Land gingen am Sonntag weiter. Am Abend wurde eine Kommandozentrale in Tripolis getroffen. Die Nato ist weiter gespalten über eine mögliche Beteiligung an der Militäraktion. Die französische Regierung erklärte, der Militäreinsatz werde wohl noch „eine ganze Weile“ andauern.

Die britische Regierung erklärte am Sonntagabend in London, als am Freitag erstmals eine Waffenruhe von der libyschen Führung verkündet worden sei, sei diese wenige Stunden später gebrochen worden. „Wir haben am Freitag gesagt, dass wir Gaddafi nicht an seinen Worten, sondern an seinen Taten messen“, verlautete aus Regierungskreisen.  

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Tom Donilon, spottete: „Es ist nicht wahr oder sie wurde sofort verletzt.“ Ein hoher Beamter des Weißen Hauses sagte nach Angaben des TV-Senders ABC: „Wir werden seine Handlungen beachten, nicht seine Worte.“ Ein Sprecher der libyschen Streitkräfte in Tripolis hatte erklärt, die Waffen würden bereits ab Sonntagabend schweigen. Damit folge man einem Vorschlag der Afrikanischen Union.

Der arabische TV-Sender Al-Arabija berichtete allerdings am Montag unter Berufung auf Augenzeugen, dass Gaddafi-Truppen Stellungen der Rebellen in der Stadt Al-Sintan angegriffen haben. Die Ortschaft war in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Schauplatz heftiger Kämpfe gewesen. 

Kurz vor Verkündung des zweiten Waffenstillstands hatte Gaddafi in einer vom libyschen Staatsfernsehen ohne Bild übertragenen Rede einen „langen, ruhmreichen Krieg“ gegen die „Monster“ und „Kriminellen“ angekündigt. Eine Million Libyer würden dafür bewaffnet.

Im Krieg gegen die „Kreuzritter“ werde „das ganze Mittelmeer zum Schlachtfeld“, sagte Gaddafi. „Dies ist nun eine Konfrontation des libyschen Volkes mit Frankreich, Großbritannien und den USA, mit den neuen Nazis“, sagte Gaddafi.

Gaddafis Strategie wird immer grotesker: Nachdem seine Panzer vor Benghasi zerstört wurden, will Libyens Staatschef nun Tausende seiner Anhänger zur Rebellenhochburg marschieren lassen - in friedlicher Absicht, aber mit Waffen. Gaddafi habe sich mit Mitgliedern eines Volkskomitees getroffen, um diesen „grünen Marsch“ nach Bengasi zu organisieren, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Jana in der Nacht zum Montag.  

Die „Demonstranten“, zu denen Abgeordnete der verschiedenen Stämme des Landes gehören sollten, würden sich „mit Olivenzweigen in der Hand“ in friedlicher Absicht auf dem Weg in die Stadt im Osten machen, hieß es. Sie würden jedoch von bewaffneten Bürgern begleitet, da die andere Seite ebenfalls bewaffnet sei. Ziel dieser Demonstration sei es, die Pläne der Ausländer zu durchkreuzen, die Libyen zersplittern und ausplündern wollten.

Bei den Luftangriffen der Libyen-Koalition wurde am Sonntagabend auch ein Gebäude auf dem Stützpunkt Bab al-Asisija, auf dem sich auch die Residenz Gaddafis befindet, schwer beschädigt. Wo sich Gaddafi zu dem Zeitpunkt aufgehalten habe, sei unbekannt. Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf die Koalitionstruppen, dass das Gebäude als militärisches Kommandozentrum diente.  

US-Vizeadmiral William Gortney hatte am Sonntag in Washington gesagt, dass sich die Angriffe nicht gegen Gaddafi als Person richten. „Gaddafi steht nicht auf unserer Zielliste“, sagte er im Pentagon.  

Gortney bestätigte, dass es bei den bisherigen Angriffswellen gelungen sei, die libysche Luftabwehr entscheidend zuschwächen. Auf Seite der Alliierten habe es bisher keine Verluste gegeben. „Keine Flugzeuge der Koalition wurden abgeschossen.“

Kommentare zu " Krieg in Libyen: Gaddafis Sohn soll tot sein"

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  • @Michel
    Genau solche Kommentare muss man ja erwarten, wenn man nicht der Meinung aller entspricht nicht wahr?

    Ich will Ihnen mal was sagen. Völkermorde sind verabscheuungswürdig und die Darstellung dieser in Film, Presse und sogenannten Nachrichtensendungen noch viel schlimmer. Das ist Aufgeilen am Leid anderer und einen Presserat in Deutschland haben wir schon lange nicht mehr. Damit Krieg gutzuheißen - also diese Begründung ist lau!!!

    Aber mir zu unterstellen ich finde das toll - Gelinde gesagt: Sie spinnen!!!! Und somit Schluss, ich habe eine Meinung, die halt nicht jedem passt und somit wird man beschimpft!!! Das nenne ich dann mal ganz intelligent!!!

  • Gaddafis Sohn soll durch einen aufständischen lybischen Piloten vor wenigen Tagen getötet worden sein. Diese Darstellung ist ganz sicher falsch, denn sie unterstellt, dass die Rebellen zuerst gegen das Flugverbot verstoßen haben. Wahrscheinlicher ist, dass tapfere Piloten der Allianz die Tyrannentötung vornahmen. In dieser frühen Phase war die französische Luftwaffe besonders aktiv und könnte diesen Ehrenauftrag erfüllt haben. Die USA sind zurzeit zögerlich betreffend den Tyrannenmord; dafür sind vmtl. nicht pragmatische Gründe bestimmend, sondern die Sorge vor Ausuferung dieser Praxis (s. Kennedy-Attentat).

  • Dieser Krieg ist nur ein „Wirtschaftskrieg“ es ist ein Teil der Französischen Außenpolitik, den Einfluss im Mittelmeerraum zu vergrößern, besonders weil durch die Abdankung verschiedener Regierungen in Tunesien und Ägypten die Wirtschaftlichen und Politischen Interessen Frankreichs berührt wurden. (selbst erklärten Interessen)

    Die Gewinner dieses Krieges sollen Französische, Englische und Amerikanische Firmen sein. Die Verlierer dieses Krieges sollen Deutsche und Chinesen Firmen sein.

    Es geht gar nicht um „Menschenrechte“ diese so genannten „Menschenrechte“ sind UNVERBIBDLICH und NICHT EINKLAGBAR!

    Die Exporte von Waffen und Technologien müssen natürlich kontrolliert werden. Wir liefern z. b. der Türkei Waffen, diese Waffen wurden eingesetzt zur Niederschlagung einer „Kurdischen Befreiungsfront“. Die Kurden verstehen sich selber nicht als „Volk“ darum lassen sie sich auch wunderbar „Fremdbeherrschen“ von „Türken“, „Iranern“ und „Irakern“.
    (Die TÜRKEI baut ein AKW)

    Der Iran verdankt sein Atomprogramm den Russen (Das ist ein Teil der Russischen Außenpolitik). Der „freizügige Technologietransfer“ der Engländer und der Amerikaner ist es zu verdanken das Länder wie Pakistan, Indien und China die Atombombe besitzen.

    Warum regt man sich dann auf wenn Nordkorea die Bombe auch möchte? (Ironie)

    Eine verlässliche Außenpolitik beinhaltet auch die Kontrolle der Rüstungsexporte und den Weiterverbreitungsverbot von bestimmten Technologien.

    Diese Politik ist wünschenswert und zwingend!

    Die Amerikanische Außenpolitik ist aber auch sehr kurzfristig ausgelegt!

    Eine kleine Liste der „Freunde“ der Amerikaner: Hussein aus den Irak, Taliban aus Afghanistan, Erdokan aus der Türkei, Marcos von den Philippinen, der „Ministerpräsident“ von Pakistan, der „König“ von Saudi Arabien usw.

    Natürlich ist ein Freund eines „Mächtigen“ kein „Freund“ für den Mächtigen.

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