Krieg in Libyen
Rebellen fordern moderne Waffen gegen Gaddafi

Trotz der Nato-Luftangriffe greifen Gadaffis Truppen weiterhin Rebellen-Hochburgen an. Unter den Verletzten sind auch zahlreiche Zivilisten. Um die Truppen zu besiegen, fordern die Aufständischen nun modernere Waffen.
  • 0
Adschdabija/Bengasi/Kairo

Auf die seit nunmehr sieben Wochen umkämpfte Küstenstadt Misrata hagelten am Montag erneut Raketen und Artilleriegeschosse, sagte ein Sprecher der Rebellen. Allein am Sonntag seien in der strategisch wichtigen Stadt - die westlichste Hochburg der Aufständischen - 17 Menschen getötet und etwa Hundert verletzt worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Auch Adschdabijah nahmen die Gaddafi-Truppen zum Wochenauftakt abermals ins Visier. "Die Lage ist nicht sehr gut", sagte ein 25-jähriger Aufständischer.

Ein Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation, der nach eigenen Angaben das Krankenhaus am Sonntag besuchte, bestätigte die Opferzahlen. Unter den Toten sei ein Mädchen mit einem Kopfschuss, unter den Verletzten seien mehrere Kinder. Der Mitarbeiter einer ausländischen Nichtregierungsorganisation wollte aus Sicherheitsgründen seinen Namen nicht genannt wissen.

Bis in die späte Nacht waren Explosionen in Misrata zu hören. In Tripolis wies Regierungssprecher Mussa Ibrahim aber erneut Vorwürfe zurück, Gaddafis Truppen hätten international geächtete Streubomben eingesetzt. Er warf der NATO vor, mit Luftangriffen Partei für die Rebellen ergriffen zu haben. In deren Reihen befänden sich auch Kämpfer des Terrornetzwerks Al Kaida, sagte Ibrahim.

Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi sindunterstützt von schweren Waffen und Scharfschützen bis ins Zentrum der Stadt vorgedrungen. Seit Tagen schon sei Misrata mit Mörsern und Raketen beschossen worden, berichtete der Bewohner Abdel Salam, der nur seinen Vornamen nennen wollte. "Die Einwohner haben sich an den Lärm der Mörser und Raketen gewöhnt", sagte er. "Auf den Dächern der hohen Gebäude sind immer noch Scharfschützen, die auf alles Schießen, was sich bewegt."

Außerdem sitzen in Misrata immer noch rund 3500 Gastarbeiter meist aus afrikanischen Ländern fest, wie ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Die gestrandeten Gastarbeiterwarteten im Hafen von Misurata verzweifelt auf eine Möglichkeit, per Schiff nach Bengasi zukommen, fügte er hinzu.

IOM habe bisher schon mehrere Schiffspassagen zur Rettung ausländischer Arbeiter aus Misurata organisiert, sagte der Sprecher weiter. Doch es könnten mit einem Schiff nur 900 Menschen transportiert werden. Die Organisation benötige größere Schiffe, für deren Anmietung aber die finanziellen Mittel fehlten.

Kommentare zu " Krieg in Libyen: Rebellen fordern moderne Waffen gegen Gaddafi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%