Krieg in Libyen
Rebellen wollen Wahlen in acht Monaten

Der Machtwechsel in Libyen geht voran: Schon bald soll es eine Verfassung und Wahlen geben. Die Kämpfe in Tripolis dauern an - auch Journalisten geraten zwischen die Fronten. Gaddafis Häschern winkt nun ein Kopfgeld.
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Tripolis/ParisDie Übergangsregierung der Rebellen hat einen Fahrplan für die Zeit nach Gaddafi vorgelegt. Die ersten Wahlen nach rund 42 Jahren Herrschaft des Gaddafi-Regimes soll es binnen acht Monaten geben. Die Aufständischen planen nun auch die Bildung eines Kabinetts. Das sagte Rebellenführer Mahmud Dschibril nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy am Mittwochabend in Paris.

Geplant sei außerdem die Einrichtung eines Nationalkongress, der wiederum ein Komitee zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung bilden solle, sagte der Vorsitzende des Exekutivausschusses des Übergangsrats. Zuerst solle ein Parlament gewählt werden, später werde eine Präsidentenwahl folgen. In Paris kündigte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy eine Libyen-Aufbaukonferenz für den 1. September in der französischen Hauptstadt an.

„In voller Übereinstimmung mit (dem britischen Regierungschef) David Cameron haben wir beschlossen, eine große internationale Konferenz zugunsten des freien Libyen von morgen einzuberufen - um zu zeigen, dass wir uns nun mit der Zukunft befassen“, sagte Sarkozy nach einer Unterredung mit dem Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, im Élysee-Palast.  

In Tripolis dauerten unterdessen die Kämpfe zwischen Rebellen und Anhängern des langjährigen Machthabers Mummar al Gaddafi an. In der Hauptstadt Tripolis kam es in der Nacht zum Donnerstag am Internationalen Flughafen wieder zu schweren Gefechten. Wie ein Mitarbeiter des Zentralkrankenhauses sagte, kamen bis Mittwoch allein beim Kampf um Tripolis 435 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt. Aufgrund der hohen Opferzahlen bei den Kämpfen der vergangenen Tage werden in den Krankenhäusern die Medikamente knapp.

Die Krankenhäusern in Tripolis kommen kaum noch gegen die Flut von Verletzten an. Wie der Leiter des Teams der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Tripolis, Jonathan Whittal, laut CNN sagte, spielten sich in den Kliniken chaotische Szenen ab. „In fast alle Krankenhäuser der Stadt werden Verwundete gebracht. Aber einige Krankenhäuser waren wegen der Kämpfe nicht zugänglich, so dass andere Klinken umso mehr belastet sind“, sagte er. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira veröffentlichte auf Bitten der Ärzte des Zentralkrankenhauses in Tripolis eine Liste mit dringend benötigten Medikamenten und medizinischem Material. Internationale Hilfsorganisationen wurden um Hilfe gebeten.

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