Krieg in Nahost
Bodentruppen dringen in Libanon ein

Offiziell hatte Israel den Libanon bisher nur mit Artillerie und aus der Luft angegriffen. Nun bestätigte das Militär erstmals, dass auch Bodentruppen in das Nachbarland eingedrungen sind. Über eine große Offensive wird spekuliert. Ob sie kommt, ist aber ungewiss. Im Gazastreifen stehen jedenfalls wieder Soldaten.

HB TEL AVIV. Ein Armeesprecher bestätigte in der Nacht zum Mittwoch Militäraktivitäten in Grenznähe. Ziel sei es, Stützpunkte der radikalen Hisbollah-Miliz im Grenzgebiet ausfindig zu machen. Es handele sich um einen begrenzten und „punktuellen“ Einsatz, hieß es. Parallel flog die israelische Luftwaffe wieder Angriffe auf den Libanon. Wie ein Armeesprecher am Mittwochmorgen mitteilte, wurden seit Mitternacht 25 Ziele attackiert. Die Hisbollah schlug zurück und beschoss den Norden Israels mit Raketen. Berichte über Opfer oder Schäden gab es zunächst nicht.

Seit Beginn der Offensive vor einer Woche sind immer wieder kleinere Einheiten der Armee auf libanesisches Gebiet vorgedrungen, um Kommandounternehmen gegen die Hisbollah durchzuführen und wieder nach Israel zurückzukehren. Von offizieller Seite wurde dies bisher jedoch nicht bestätigt. Das Militär hat nicht ausgeschlossen, zu gegebener Zeit eine größere Bodenoffensive in dem Nachbarland zu beginnen. Konkrete Pläne gebe es jedoch nicht, hieß es in der vergangenen Woche aus Regierungskreisen.

Die Lage in der Region war eskaliert, als die Hisbollah an der Grenze zwei israelischen Soldaten entführt und acht weitere erschossen hatte. Israel hatte daraufhin eine Militär-Offensive gegen die Hisbollah im Libanon gestartet. Im Gegenzug wird Israel mit Raketen der Hisbollah aus dem Südlibanon beschossen. Mehr als 230 Zivilisten kamen bislang auf beiden Seiten ums Leben, die meisten davon im Libanon. Große Teile der Infrastruktur des Landes sind zerstört. Der Libanon wirft Israel vor, das Land um 50 Jahre zurückzuwerfen.

Israel gibt Syrien und Iran die Schuld

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert machte am Dienstagabend den Iran und Syrien für die Eskalation der Gewalt im Libanon mitverantwortlich. Der Iran habe die Entführung zweier israelischer Soldaten vor rund einer Woche zusammen mit der Hisbollah koordiniert, erklärte Olmert. Der Iran wolle damit die Aufmerksamkeit der Welt von seinem Atomprogramm ablenken. „Unglücklicherweise war dieser iranische Trick erfolgreich“, sagte der Regierungschef. Zuvor hatte Israels Armee mitgeteilt, die Hisbollah-Miliz schmuggle Waffen aus Syrien in den Libanon.

Grundursache für die gegenwärtige Krise sei die Hisbollah, sagte US-Präsident George W. Bush. Als „essenziell“ bezeichnete er es, dass die Regierung um den libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora die derzeitige Krise übersteht. Nach Angaben des israelischen UN-Botschafters wird US-Außenministerin Condoleezza Rice wohl am Freitag in den Nahen Osten reisen. Ein Mitarbeiter Rices dementierte dies jedoch.

Frankreich forderte eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zu der Krise. Das mächtigste Organ der Vereinten Nationen (UN) solle in dem Beschluss einen dauerhaften Waffenstillstand in der Region verlangen, schlug die Regierung in Paris in einem Diskussionspapier vor. Zudem solle sich der Rat für die Freilassung entführter israelischer Soldaten und die Auflösung aller Milizen im Libanon aussprechen. Frankreich setzt sich auch dafür ein, dass das Gremium sich bereit zeigt, eine stärkere UN-Präsenz zu erwägen.

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