Krieg in Nahost
Iran sagt Hisbollah Unterstützung zu

Je länger die Angriffe Israels auf Stellungen der Hisbollah im Libanon anhalten, desto offener wird der Rückhalt für die radikalislamische Miliz in der Region. Am gestrigen Mittwoch lobte Ajatollah Ali Chamenei, das geistliche Oberhaupt Irans, den Kampf der Hisbollah gegen Israel und sicherte ihr die Unterstützung seines Landes zu.

HB TEHERAN. Der britische Premier und enge US-Verbündete Tony Blair räumte indirekt ein, dass die gesamte Anti-Terror-Strategie des Westens zu einer Verhärtung des Konfliktes beitrage und verändert werden müsse. „Der einzige Weg zum Sieg ist andauernder Widerstand gegen das Besatzerregime Israel“, sagte Ajatollah Ali Chamenei. Sein Land werde der libanesischen Nation und den kämpfenden Palästinensern beistehen. Israels Regierung wirft Iran vor, die Hisbollah mit Raketen zu versorgen. Der Ajatollah beschuldigte die USA, die „üblen Taten“ Israels im Libanon zu unterstützen. Die aggressive Haltung beider Länder werde den Widerstand in der islamischen Welt weiter anheizen. Ähnlich hatten sich zuvor auch Politiker moderater islamischer Staaten wie Saudi Arabien und Ägypten geäußert.

Der britische Premierminister Blair äußerte sich unterdessen ungewohnt skeptisch über die aktuelle Strategie im weltweiten Kampf gegen Terrorismus. Er wolle sich nach einem Ende des derzeitigen Kriegs in Nahost für eine neue Strategie im Kampf gegen den Extremismus einsetzen, sagte Blair laut Redetext bei einem Vortrag in Los Angeles.

Sobald die Kämpfe mit der Hisbollah beendet seien „müssen wir uns voll für eine vollkommene Renaissance unserer Strategie einsetzen, um die zu besiegen, die uns bedrohen“, sagte Blair. „Um sie zu besiegen, wird eine Allianz moderater Kräfte gebraucht, die eine andere Zukunft zeichnen kann, in der moslemische, jüdische und christliche, arabische und westliche Nationen in Frieden und Harmonie Fortschritte machen können.“ Der Krieg im Nahen Osten sei auch ein Kampf zwischen einem reaktionären Islam und einem moderaten Islam der politischen Mitte. Der Kampf gegen den Extremismus könne nicht allein mit Gewalt gewonnen werden, sondern müsse ebenso auf Ebene der Werte geführt werden.

Auch in Israel selbst wächst die Kritik an der kompromisslosen Kriegsführung durch den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Der angesehene Geschichtsprofessor Zeev Sternhell warf Olmert unter der Überschrift „Der erfolgloseste Krieg“ vor, er benutze billige Propagandatricks, um seine Misserfolge zu übertünchen. Eine Ansprache Olmerts, in der er den Israelis mehr „Schmerz, Tränen und Blut“ ankündigte, bezeichnete Sternhell als „Pseudo-Churchill-Rede für Arme“. Der Krieg habe der Abschreckungsfähigkeit Israels schwer geschadet, anstatt sie zu stärken.

Auch innerhalb der Armee wird Kritik an der Kriegsführung laut. Kommentatoren von „Haaretz“ zitierte ranghohe Offiziere mit der Einschätzung, Israel habe sich im Kampf gegen die Hisbollah-Guerilla zu sehr auf die hoch technisierte Luftwaffe verlassen. Der massive Einsatz von Bodentruppen habe zu spät begonnen. Der ehemalige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Efraim Halevy, forderte im Bemühen um eine dauerhafte Beruhigung in der Region nun sogar Verhandlungen mit dem Erzfeind Iran.

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