Krieg in Somalia
Islamisten flüchten aus Mogadischu

Das Eingreifen der äthiopischen Armee in den Krieg zwischen der somalischen Übergangsregierung und islamischen Milizen zeigt überraschend schnell Erfolg: Die Muslim-Extremisten haben sich aus der Hauptstadt Mogadischu zurückgezogen. Von einer Niederlage wollen die Milizen aber nicht sprechen, nur von einer „Änderung der Taktik“. Dabei sieht die Lage schlecht für sie aus.



HB MOGADISCHU/NEW YORK. „Wir haben alle Führer und Mitglieder abgezogen, die in der Hauptstadt gearbeitet haben“, sagte Sheikh Sharif Ahmed, ein hochrangiger Vertreter der Extremisten, dem Fernsehsender Al Dschasira am Donnerstag in einem Telefoninterview. Damit solle Blutvergießen vermieden werden. Es handele sich aber nur um eine Änderung der Taktik. Die Bewegung der Islamisten bleibe vereint.

Truppen somalischer Clans hätten begonnen, die Kontrolle über die Stadt zu übernehmen, beobachteten Anwohner. Ein Reporter berichtete, dass einige Milizionäre ihre Uniformen ablegten und sich dem Kommando von Clanführern unterstellten. Einige Einrichtungen des Rats der islamischen Gerichte wurden geplündert, es kam zu Schießereien vor allem im Norden Mogadischus. Dort kamen nach Augenzeugenangaben mindestens vier Menschen ums Leben.

Flüchtlingsstrom befürchtet

Somalische Regierungstruppen und mit ihr verbündete Soldaten aus Äthiopien waren am Mittwoch auf eine Linie rund 30 Kilometer vor Mogadischu vorgerückt. Regierungssprecher Abdirahman Dinari hatte berichtet, es gebe Gespräche über eine friedliche Übergabe der Stadt. Die Regierungstruppen hatten ausgeschlossen, die Stadt im Kampf einzunehmen. Dadurch sollten Opfer unter der Zivilbevölkerung vermieden werden. Stattdessen werde die Stadt belagert bis die islamischen Milizen aufgeben, hatte es geheißen.

Mit der militärischen Intervention Äthiopiens sind die Kämpfe in Somalia in den vergangenen Tagen eskaliert. Das christlich geprägte Äthiopien unterstützt die international anerkannte somalische Übergangsregierung gegen die islamistischen Milizen. Somalia hat seit dem Sturz von Staatschef Mohamed Siad Barré im Jahr 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr. Äthiopien fürchtet wie auch die USA eine Dominanz der Islamisten in Somalia, die sich auf die gesamte Region ausweiten könnte. Hilfsorganisationen erwarten angesichts der Unruhen eine Welle von bis zu 200 000 Flüchtlingen.

Islamisten unterliegen

Auf ihrem Vormarsch hatten die mit den Regierungstruppen verbündeten äthiopischen Verbände den muslimischen Extremisten offenbar eine empfindliche Niederlage beigebracht. Die Soldaten eroberten nach Angaben von Anwohnern die strategisch wichtige Stadt Jowhar, die nur 90 Kilometer von Mogadischu entfernt ist. Bei den Kämpfen gab es den bislang engsten Kontakt zwischen den verfeindeten Gruppen, nachdem sie sich bislang überwiegend aus der Luft und mit weit reichenden Waffen beschossen hatten. Die Islamisten haben nach eigenen Angaben bislang hunderte Menschen getötet. Äthiopien sprach von bis zu 1 000 getöteten Islamisten. Dem Roten Kreuz zufolge wurden mindestens 800 Menschen verletzt.

Anders als der UN-Sicherheitsrat, der sich zu keiner Entschließung durchringen konnte, verlangte die Afrikanische Union, dass die ausländische Intervention in Somalia aufhören müsse: „Wir rufen zum sofortigen Abzug der äthiopischen Truppen auf“, sagte der Vorsitzende Alpha Omar Konare. Alle Soldaten und „ausländischen Elemente“ sollten Somalia verlassen. Konare kündigte außerdem an, dass eine von der Afrikanischen Union geführte Delegation bald nach Somalia reisen werde.

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