Krieg in Syrien
Opposition spricht von 1300 Giftgas-Toten

Syrische Aktivisten verbreiteten schreckliche Bilder aus dem Umland von Damaskus. Wiederholt werfen sie den Regierungstruppen vor, Giftgas eingesetzt haben und damit 1300 Menschen getötet zu haben. Das Dementi der Regierung in Damaskus bröckelt.
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DamaskusDas syrische Regime und die Rebellen streiten erneut über einen möglichen Giftgaseinsatz. Die Regierung wies am Mittwoch den Vorwurf der lokalen Revolutionskomitees zurück, bei einem Großangriff auf Rebellenhochburgen im Umland der syrischen Hauptstadt Damaskus auch Giftgas eingesetzt zu haben. Die Zahl der dabei getöteten Menschen haben die Oppositionsgruppen immer wieder nach oben korrigiert. Zuletzt gaben sie am Mittwoch eine Zahl von 1300 bekannt.

Die Toten „sind das Ergebnis einer tödlichen Attacke mit Chemiewaffen in Syrien", hieß es in einer Meldung der Nationalen Koalition, der wichtigsten syrischen Oppositionsgruppe, über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Angriffe erfolgten nach Angaben verschiedener Oppositionskräfte in der Region Ghuta nahe der syrischen Hauptstadt.

Die Opposition und die Arabische Liga appellierten nun an die Chemiewaffen-Experten unter Leitung des Schweden Ake Sellström, die sich im Moment in Damaskus aufhalten, sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Eine unabhängige Überprüfung der Vorwürfe ist nicht möglich.

Die lokalen Revolutionskomitees berichteten, betroffen von den Angriffen seien vor allem der Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija, der als Hochburg des Widerstandes gegen Präsident Baschar al-Assad gilt, sowie Moadhamijat al-Scham. Syrische Ärzte sagten dem Nachrichtensender Al-Arabija, wegen der Blockade durch die Armee hätten sie kaum Arzneimittel, um die Verletzten zu behandeln.

Auch die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter bestätigte unter Berufung auf eigene Informanten vor Ort heftige Angriffe am frühen Morgen auf Bezirke südlich und östlich von Damaskus, nannte jedoch keine Opferzahlen.

Die oppositionelle Nationale Syrische Allianz rief die Chemiewaffen-Experten auf, die bombardierten Dörfer zu besuchen. Den bisherigen Plänen zufolge sollen die Experten insbesondere dem Verdacht nachgehen, dass in der umkämpften Kleinstadt Chan al-Assal das hochgiftige Nervengas Sarin eingesetzt wurde. Das Gift war im Jahr 1938 von deutschen Chemikern der IG Farben entdeckt worden. Es wirkt schon in einer Dosis von einem halben Milligramm für einen Erwachsenen tödlich. Gegenmittel wirken nur, wenn sie sofort verabreicht werden.

Die syrische Regierung hat den Experten jedoch bislang nur den Zugang zu drei Orten gestattet, an denen in den vergangenen Monaten angeblich Chemiewaffen zum Einsatz gekommen sein sollen. Das Regime und die Rebellen beschuldigen sich gegenseitig, Nervengas verwendet zu haben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte am Dienstag gefordert, das UN-Team müsse „umfassend und ungehindert Zugang zu allen Orten im Land“ erhalten.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, forderte die UN-Experten auf, sich sofort in die bombardierten Gebiete zu begeben. Er erklärte: „Ich bin erstaunt, dass so ein verabscheuungswürdiges Verbrechen verübt wird, während die internationalen Inspektoren der Vereinten Nationen in Damaskus sind.“

Nach dem Vorwurf des Giftgaseinsatzes veröffentlichten die syrischen Staatsmedien ein Dementi der Regierung. Diese bestritt allerdings nicht die Angriffe in den Außenbezirken der Hauptstadt, sondern lediglich den Einsatz von Chemiewaffen. Syriens staatliche Nachrichtenagentur Sana schrieb: „Die TV-Kanäle, die an dem Blutvergießen in Syrien und der Unterstützung des Terrorismus beteiligt sind, veröffentlichen diese Berichte, die frei erfunden sind, um das Team, das den Einsatz von Chemiewaffen untersuchen soll, abzulenken, und somit den Erfolg seiner Mission zu verhindern.“

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Im Irak bahnt sich ein Flüchtlingsdrama an

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  • In dem Moment wo die NATO und Ihre Vasallen Syrien auf Grund eines Lügen Konstrukts militärisch angreifen (Flugverbotszonen ect. wie auch im Irak, Lybien, Afghanistan ect.), mit angestiftet durch die paranoiden und wahnsinnigen Zionistenführer Netanjahu & Peres, wird ein Flächenbrand entzündet. Das könnte der Beginn eines neue Weltkriegs werden.

    Die Truppen sind aller Orts aufmarschiert, sei es in der Türkei oder anderen von der NATO annektierten besetzten Gebieten ("Verbündete"). Die Meere sind voll von Kriegsschiffen aller Herren Länder. Iran und Russland werden ihre Stellung in diesem Konflikt klar stellen.

    Eines ist auf jeden Fall klar, sollte es so kommen werden auch die Imperialisten (USA) sehr hohe Verluste an Mensch und Material hinnehmen müssen. Bin gespannt wie sie das ihrem Volk verkaufen wollen nach den Jahrelangen milliardenschweren mörderischen Feldzügen in aller Welt.

    Gnade uns Gott....

  • Giftgas - wahrscheinlich starben diese Menschen daran;

    man müßte die chemische Herkunft des Gases bestimmen,
    um rauszufinden aus welchem Arsenal es stammt;

    es gibt viele Arsenale dieser Art auf dem Globus.

  • Was Auschwitz in Konsequenz bedeuten kann: Israel macht es vor.

    Dafür lieben die Deutschen doch ihre Führer.

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