Krieg in Syrien
Russland beginnt mit Teilabzug seiner Soldaten

Kremlchef Wladimir Putin hat einen Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien befohlen. Die Aufgaben seien größtenteils erfüllt. Doch wem der bereits begonnene Teilabzug letztlich nützt, ist unklar.

Moskau/GenfNach dem Befehl von Präsident Wladimir Putin haben die russischen Soldaten in Syrien mit dem angeordneten Teilabzug begonnen. Auf der Militärbasis Hamaimim in der Provinz Latakia bereitete das Personal Flugzeuge für die Rückkehr nach Russland vor, wie die Agentur Interfax am Dienstag meldete.

Soldaten auf dem Stützpunkt hätten mit dem Verstauen von Ausrüstung begonnen, hieß es unter Berufung auf die Führung in Moskau. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe angeordnet, den Befehl von Putin umzusetzen. Der Präsident hatte am Montag überraschend einen Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien von diesem Dienstag an befohlen.

Die Vereinten Nationen begrüßten den Teilabzug russischer Truppen. „Wir hoffen, dass dies einen positiven Einfluss auf die Verhandlungen in Genf haben wird, die auf eine politische Lösung für Syrien abzielen“, sagte der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura am Dienstag.
Trotz des Teilabzugs will Russland freilich den Kampf gegen den Terrorismus in Syrien verstärken. „Aber dafür benötigen wir nicht solch ein Truppenkontingent, wie wir es bisher haben“, sagte der Leiter des Präsidialamts, Sergej Iwanow, am Dienstag in Moskau. Die Zahl der russischen Soldaten in Syrien halten die Behörden geheim.

Das Militär werde zudem die nötigen Kräfte in dem Bürgerkriegsland lassen, um seinen Luftwaffenstützpunkt und seine Marinebasis dort zu sichern, sagte Iwanow. Die Anlagen sollten vom Meer, aus der Luft und am Boden geschützt werden, betonte Iwanow. Russland hat auch hochmoderne Luftabwehrraketen vom Typ S-400 in Syrien stationiert.

US-Präsident Barack Obama und Putin hatten am Montag über den Teilabzug beraten. Dabei hätten die beiden über „nächste Schritte“ bei der Umsetzung der seit Ende Februar geltenden begrenzten Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland gesprochen, teilte das Weiße Haus nach dem Telefonat mit.

Obama begrüßte demnach den Rückgang der Gewalt, wies jedoch auf anhaltende vereinzelte Kampfhandlungen in Syrien hin. Vor diesem Hintergrund habe der US-Präsident Putin gedrängt, die syrische Regierung dazu anzuhalten, von Offensivaktionen abzusehen, die die brüchige Feuerpause untergraben könnten.

Dem Weißen Haus zufolge wies Obama zudem auf „einige Fortschritte“ bei der Bereitstellung humanitärer Hilfe für Syrer hin. Allerdings erschwerten die syrischen Regierungstruppen weiterhin den Zugang zu einigen Gebieten, darunter Daraja.

Obama rief den Kremlchef auch dazu auf, dass sich von Moskau unterstützte Truppen an ein weiteres Waffenstillstandsabkommen halten sollten - jenem für die Ostukraine.

Nach der Wiederaufnahme der Syrien-Friedensgespräche hat Russland angekündigt, seinen Militäreinsatz in dem Bürgerkriegsland zurückzufahren. Am Dienstag sollen die Soldaten damit beginnen, aus Syrien abzurücken. Der Einsatz habe seine Ziele weitgehend erfüllt. „Die effektive Arbeit unseres Militärs hat die Bedingungen für den Start des Friedensprozesses geschaffen", sagte Putin.

Nach Darstellung der Regierung in Damaskus sein der Abszug kein Anzeichen für Differenzen zwischen beiden Ländern. Der Schritt sei koordiniert erfolgt und bereits seit einiger Zeit erwogen worden, erklärte das Präsidialamt am Montagabend. Berichte, denen zufolge Russland den Abzug seiner Streitkräfte nach Meinungsverschiedenheiten mit Syrien angeordnet habe, seien unzutreffend.

Der Uno-Sicherheitsrat hat den vom Kreml angekündigten Teilabzug russischer Truppen aus Syrien mit Wohlwollen aufgenommen. Die Entwicklung sähen alle 15 Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums als „positiv“ an, sagte der angolanische Uno-Botschafter Ismael Gaspar Martins, derzeit Präsident des Sicherheitsrats. „Wenn wir sehen, dass Truppen sich zurückziehen, bedeutet dies, dass der Krieg einen anderen Schritt geht, deshalb ist das gut“, sagte Gaspar Martins.

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Meint Putin es ernst, heißt das: Mehr Druck auf Damaskus

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