Krieg in Syrien
Steinmeier sagt weitere 50 Millionen Euro für Aleppo zu

Zerstörung, Hunger, unfassbares Leid: Die Lage in Aleppo wird immer schlimmer. Außenminister Steinmeier sagt Hilfe zu. In den manchen Gebieten kann die aber nur ankommen, wenn die Konfliktparteien das zulassen.
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Beirut/ZahléBundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den notleidenden Menschen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo 50 Millionen Euro zusätzlich für Nahrung, Unterkünfte und medizinische Hilfe zugesagt. Bei einem Kurzbesuch im Libanon rief er am Freitag die Konfliktparteien eindringlich zu Feuerpausen auf, damit dringend benötigte Hilfslieferungen auch in die eingeschlossene Gebiete gelangen könnten.

Weitere zehn Millionen Euro versprach Steinmeier dem Libanon für die Unterbringung syrischer Flüchtlinge und Unterstützung staatlicher Einrichtungen. Das kleine Nachbarland Syriens hat mindestens eine Millionen Menschen aufgenommen und damit im Verhältnis zu seinen vier Millionen Einwohnern so viele wie kein anderes Land der Welt.

„Humanitäre Hilfe ist das Gebot der Stunde“, sagte Steinmeier. Er besuchte in Zahlé in der Bekaa-Hochebene ein provisorisches Flüchtlingslager, in dem 600 Syrer – viele aus dem Raum Aleppo – teils seit Jahren in Zelten und Verschlägen leben. Rund 2000 solcher Siedlungen gibt es im Libanon. 70 Prozent der syrischen Flüchtlinge in dem Land leben in extremer Armut.

Steinmeier nutzte die Reise, um die Konfliktparteien in Syrien zur Deeskalation aufzurufen. „Wir dürfen keine Chance auslassen, um wenigstens in diesen nächsten Wochen nach weiteren Kampfpausen zu suchen“, sagte er. „Wir dürfen nicht aufgeben in den Bemühungen, eine Entschärfung dieses Krieges hinzukriegen.“

Der syrische Bündnispartner Russland hatte die Einrichtung von Korridoren zur Versorgung der Bevölkerung in Ost-Aleppo angeboten, eine Feuerpause aber abgelehnt. In den kurdisch beherrschten Stadtteilen Aleppos ist die Uno nach Angaben des Kurdenführers Salih Muslim inzwischen vor Ort.

Deutschland hat seit 2012 bereits mehr als 2,5 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe in Syrien bereitgestellt - so viel wie kaum ein anderes Land weltweit. Der Libanon hat für die Bewältigung der Flüchtlingskrise mehr als 700 Millionen Euro aus Deutschland erhalten.

Der libanesische Außenminister Gebran Bassil bedankte sich bei Steinmeier für die Unterstützung, vor allem auch für die Organisation internationaler Syrien-Konferenzen. Er betonte, dass ihm vor allem direkte Hilfe für staatliche Institutionen wichtig sei.

Steinmeier traf in Beirut auch den neuen libanesischen Präsidenten Michel Aoun, der Anfang November nach mehr als zwei Jahren ohne libanesisches Staatsoberhaupt gewählt worden war. Der Verbündete der vom Iran unterstützten Schiitenmiliz Hisbollah gilt als einer der umstrittensten Politiker des Landes. Seit Mai 2014 war die Wahl des neuen Präsidenten 45 Mal gescheitert, weil sich die Parteien nicht auf einen Kandidaten hatten einigen können.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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