Kriegsverbrecher-Prozess
Auslieferung von Ratko Mladic erwartet

Der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, verbringt seine letzten Stunden in seiner Zelle in Belgrad. Es wird eine schnelle Überstellung an das UN-Tribunal in Den Haag erwartet.
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Der Einspruch des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic gegen seine Auslieferung an das UN-Tribunal in Den Haag ist am Dienstag beim Sondergericht in Belgrad eingegangen. Das bestätigten die Behörden. Mladic wird vom Kriegsverbrechertribunal unter anderem die Verantwortung für das Massaker von Srebrenica im Sommer 1995 angelastet, bei dem serbische Truppen nach der Eroberung der damaligen UN-Schutzzone im Osten Bosniens rund 8000 Muslimische Männer und Jugendliche getötet hatten.

Ein dreiköpfiger Richterausschuss muss jetzt abschließend über den Einspruch entscheiden, der mit dem schlechten Gesundheitszustand des 69-Jährigen begründet wurde. Es wird erwartet, dass dieser abgewiesen wird, weil fünf Amtsärzte schon vorher die Verhandlungsfähigkeit des Ex-Generals festgestellt hatten. Nach Medienberichten könnte die Auslieferung noch am Dienstag erfolgen.

Dem früheren Militärführer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) war am Morgen der Besuch des Grabes seiner Tochter ermöglicht worden. Um 6 Uhr in der Früh wurde er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zum Grab auf dem Topcider-Friedhof gebracht. Die damals 24-jährige Medizinstudentin hatte sich im März 1994 mit der Pistole ihres Vaters umgebracht. Medien spekulierten, sie habe aus Gram über die Rolle ihres Vaters im Krieg gehandelt. Mladic sprach dagegen immer von Mord.

Ob Mladic vom Flughafen Belgrad oder von einem anderen Ort in die Niederlande gebracht wird, wurde geheim gehalten. Auch der Zeitpunkt ist unbekannt. Vor drei Jahren war der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, nach einem ganz ähnlichen Verfahren, frühmorgens mit einem Regierungsflugzeug von Belgrad nach Rotterdam gebracht worden.

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