Krim-Annexion vor einem Jahr: Kampfansagen und Klagen statt Reue

Krim-Annexion vor einem Jahr
Kampfansagen und Klagen statt Reue

Wie per Geheimoperation zog Moskau vor einem Jahr die „Heimkehr der Krim“ durch. Durch ein umstrittenes Referendum wurde die Halbinsel wieder russisch. Die Westen verhängte Sanktionen. Kiew will die Krim nicht aufgeben.
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SimferopolDie Stimmung könnte besser sein auf der Krim, dem einstigen Ferienparadies der Ukraine. Aber feiern will ganz Russland – und besonders die Teilrepublik am Schwarzen Meer – trotzdem groß mit Konzerten und Volksfesten. Ein Jahr ist es her, dass das Gebiet nach dem umstrittenen Referendum am 16. März über den Beitritt zu Russland den Besitzer wechselte.

Dass das neue Leben nach anderen, strengeren Gesetzen nicht leicht ist, geben viele Krim-Bewohner unumwunden zu. Die Preise und die Arbeitslosigkeit sind gestiegen. Zudem halbierte sich die Zahl der Touristen im vergangenen Jahr auf etwa drei Millionen im Vergleich zu 2013 – auch weil der Westen Sanktionen verhängt hat. Doch ein Zurück zur Ukraine lehnt die Mehrheit der Krim-Bewohner ab. Sie loben vor allem die höheren Löhne, Renten und besseren Sozialleistungen.

Zum ersten Jahrestag der „Heimkehr der Krim“ kann sich Kremlchef Wladimir Putin als Hauptinitiator dieses geopolitischen Erdbebens weiter in blendenden Umfragewerten sonnen. 88 Prozent der Befragten befürworteten die Linie des russischen Präsidenten, wie das staatliche Meinungsforschungsinstitut Wziom am Freitag mitteilt. Das Institut hat in einer anderen Umfrage außerdem ermittelt, dass auch nach dem Beitritt der Krim 90 Prozent der Bewohner wieder so abstimmen würden wie vor einem Jahr.

Für einen Verbleib der Halbinsel in der Ukraine würden sich demnach nur fünf Prozent der Befragten aussprechen. Am größten ist die Ablehnung unter den Krim-Tataren, die einst von den Kommunisten deportiert worden waren und erst gegen Ende der Sowjetunion sich hier wieder ansiedeln durften.

Die islamisch geprägte Gemeinschaft strebt traditionell selbst eine unabhängige Krim-Republik an. Tataren-Vertreter Nariman Dscheljalow traut russischen Umfragen nicht. Er meint, dass die „Leute einfach Angst haben, das zu sagen, was sie denken“. Allerdings zeigt sich auch die Gemeinschaft der Tataren ein Jahr nach dem Referendum tief gespalten.

Wie in einer Geheimoperation wurde das zu Sowjetzeiten 1954 von Kremlchef Nikita Chruschtschow an die Ukraine abgetretene Gebiet am 21. März 2014 wieder Teil des Riesenreichs. Ohne Blutvergießen. Die EU und die USA kritisierten zuerst die Volksabstimmung als verfassungswidrig. Sie verurteilten die Annexion als schweren Völkerrechtsbruch. Es folgten Sanktionen und der Ausschluss Russlands aus der G8-Gruppe der führenden Industriestaaten.

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