Krim-Konflikt
EU kann russisches Gas in der Ukraine kaum ersetzen

Die Ukraine bezieht jedes Jahr mehrere Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland. Doch was passiert, wenn Gazprom die Leitungen zudreht und Lieferungen stoppt? Experten meinen: Die EU kann nur kurzfristig einspringen.
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Prag/LondonDie Europäische Union (EU) könnte bei einem Lieferstopp Russlands nach Einschätzung von Analysten die Ukraine nur für kurze Zeit ausreichend mit Erdgas versorgen. Im Zuge des Konflikts um die ehemalige Sowjetrepublik wird in der EU an einem Plan gefeilt, wie die Ukraine an den Rohstoff gelangen kann, wenn der russische Staatskonzern Gazprom dem Nachbarland den Gashahn zudrehen sollte.

Dabei sollen die Pipelines, die normalerweise russisches Gas über die Ukraine in die EU transportieren, für die Lieferung in umgekehrte Richtung genutzt werden. Doch Experten wie die Beratungsgesellschaft Eurasia Group gingen am Donnerstag davon aus, dass die EU-Kapazitäten dafür nicht dauerhaft ausreichen würden.

So importierte die Ukraine im vergangenen Jahr rund 28 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas. Zwar verfüge das Land über ausreichend Vorräte, um ein paar Monate über die Runden zu kommen, heißt es in einem Eurasia-Bericht. Aus Deutschland und Ungarn könne die Ukraine pro Jahr bis zu zehn Milliarden Kubikmeter über Gasleitungen durch Polen und die Slowakei bekommen.

Doch die Eurasia-Experten gehen davon aus, dass diese Länder im Verlauf des Konflikts immer weniger dazu bereit sein werden, ihr eigenes Gas als Notversorgung zur Verfügung zu stellen. Zudem halten viele andere Analysten die Kapazität von zehn Milliarden Kubikmetern pro Jahr für zu hoch gegriffen.

Eine vertragliche Vereinbarung für die umgekehrte Nutzung der Gasrohre steht auch noch aus. Daran wird zwar nach Informationen aus EU-Kreisen bereites unter Hochdruck gearbeitet. Doch für unmittelbare Versorgungsengpässe scheint Insidern zufolge dieser Weg ohnehin kaum geeignet. So könnte es trotz der EU-Bemühungen noch sechs Monate dauern, bis über die Slowakei tatsächlich Gas in die Ukraine fließt.

Vielen Experten gilt die Versorgung Europas zudem als das viel größere Problem in dem Konflikt um die Ukraine. Schließlich liefert Russlands Staatsmonopolist Gazprom rund 30 Prozent des Gasbedarfs der EU, und ein Drittel davon strömt über die Ukraine nach Westen. Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine haben in der Vergangenheit bereits zu Engpässen geführt - so 2009, als Hunderttausende Haushalte in Südosteuropa mitten im Winter von der Versorgung abgeschnitten wurden.

Die Regierung in Moskau schrecke nicht vor Sanktionen gegen die Ukraine zurück, hieß es bei der deutschen Energie-Beratungsfirma Ispex. Die Frage sei, was mit dem für Westeuropa bestimmten Gas auf seinem Transit durch die Ukraine passiere, wenn Russland die Versorgung des Landes einstelle.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krim-Konflikt: EU kann russisches Gas in der Ukraine kaum ersetzen"

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  • @RGS55
    Was die Liefersicherheit angeht, so teile ich Ihre Meinung nicht.

    1. Auch zu Zeiten des kalten Krieges hat die Sowietunion treu geliefert.
    2. der russische Staatshaushalt ist von den Energielieferungen derart abhängig, dass keine Zweifel aufkommen können.

    Anders ist der Aspekt, dass die Russen mittlerweile auch eine Gasleitung Richtung China betreiben und China ist "energiedurstig". Unter diesem Gesichtspunkt setze ich auch ein Fragezeichen unter die obige "Sicherheit"

    Nicht desto trotz wäre es für die Regierung relativ einfach aus der Energieabhängigkeit herauszukommen, wenn man denn wollte - oder nicht soviel Geld in bestimmte private Taschen fließe.

  • " EU kann russisches Gas in der Ukraine kaum ersetzen"

    Weshalb nicht?

    Sollen die Minikraftwerke für die Privaten genehmigen und Schluss ist!

    (Googlen: LENR)

  • Bis jetzt war es mir vollkommen neu, dass die EU Gasüberschüsse hat, denn nur dann kann man ernsthaft über einen Ausgleich oder eine Belieferung eines Landes ausserhalb der EU nachdenken.

    Aber ich lerne täglich dazu und das ist gut so.

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