Krim-Konflikt: Russland warnt vor „Bumerang“-Effekt bei Sanktionen

Krim-Konflikt
Russland warnt vor „Bumerang“-Effekt bei Sanktionen

Die Fronten bleiben verhärtet: Moskau will einen schnellen Anschluss der Krim und warnt vor Sanktionen - die würden das Verhältnis zu den USA nachhaltig gefährden. Derweil stürmen Russen einen Stützpunkt an der Krim.
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Moskau/WashingtonIn der Krim-Krise treten die diplomatischen Bemühungen um eine Konfliktlösung auf der Stelle. Unbeeindruckt von den Sanktionsdrohungen der EU und der USA treibt Russland den Anschluss der zur Ukraine gehörenden Halbinsel voran.

Russland rechnet im Konflikt mit der Ukraine derzeit nicht mit einer Vermittlungsrolle der Europäischen Union oder der USA. Der Westen habe durch sein Verhalten in der Krise erheblich an Glaubwürdigkeit verloren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag im russischen Staatsfernsehen. „Die westlichen Partner haben wohl Kredit verspielt, wenn man sich das Schicksal des Vertrags vom 21. Februar anschaut“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Das damals unter anderem von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vermittelte Abkommen der ukrainischen Opposition mit Präsident Viktor Janukowitsch sollte einem Kompromiss den Weg bahnen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte die USA mit Nachdruck vor Sanktionen. Strafmaßnahmen könnten für Washington schnell zum „Bumerang“ werden, sagte Lawrow in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry. Das teilte das Außenministerium in Moskau am Freitag mit. Eilige und unüberlegte Schritte würden das russisch-amerikanische Verhältnis nachhaltig beschädigen.

Derweil haben in der Nacht zum Samstag bewaffnete Russen nach einem Bericht der ukrainischen Agentur Interfax einen Armeestützpunkt auf der Krim gestürmt. Ein Lkw der russischen Streitkräfte habe das Tor der ukrainischen Militärbasis in der Hafenstadt Sewastopol durchbrochen, rund 20 „Angreifer“ hätten daraufhin das Gelände betreten, einige hätten Blendgranaten geworfen, hieß es in dem Bericht.

Schüsse seien keine gefallen. Interfax berief sich bei den Angaben auf einen diensthabenden Offizier sowie auf das Verteidigungsministerium in Kiew. Ein Korrespondent der britischen Zeitung „Daily Telegraph“ berichtete unter Berufung auf den stellvertretenden ukrainischen Kommandeur, dass die Uniformierten später wieder abgezogen seien.

Das Motiv der Angreifer sei unklar. Unbestätigten Berichten zufolge sollen bei Zusammenstößen am Rande Journalisten verletzt worden sein. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow widersprach im ukrainischen Fernsehen Vorwürfen, prorussische Uniformierte hätten einen Konflikt provoziert oder Journalisten angegriffen.

Moskau stellte gut eine Woche vor dem geplanten Krim-Referendum der Schwarzmeer-Halbinsel die Eingliederung in die Russische Föderation in Aussicht. Die Staatsduma könnte nach Angaben aus Moskau bereits am 21. März über ein Gesetz zum Beitritt abstimmen.

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