Krim-Krise
Die Furcht der Letten

Die Eskalation auf der Krim schürt die Angst auf dem Baltikum vor einer ähnlichen Zuspitzung der Lage in ihrer Region. Die Sorge Estlands, Lettlands und Litauens vor Putins Gebaren kommt nicht von ungefähr.
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DnipropetrowskEs war ein selten gehörter Lärm in Siaukiai. Am vergangenen Donnerstag wurde die idyllische Ruhe an diesem rund 40 Kilometer von der lettischen Grenze entfernten kleinen litauischen Militärflughafen empfindlich gestört. Sechs amerikanische Kampfjets von Typ F-15 setzten unter ohrenbetäubenden Lärm zum Landeanflug an. Seitdem sind die Maschinen hier stationiert und werden in den kommenden Wochen, vielleicht Monaten den baltischen Luftraum überwachen. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigene Luftwaffe.

Die amerikanischen Jets landeten in Litauen aufgrund einer Bitte der baltischen Regierungen. Denn die kleinen Länder, die sich vor 23 Jahren von der Sowjetunion lossagten, haben seit der Eskalation auf der Krim Angst vor einer ähnlichen Zuspitzung der Lage in ihrer Region. Jetzt verlegen die USA auch zwölf F-16-Kampfjets nach Polen. Für eine Militärübung sollen bis Donnerstag zudem 300 US-Soldaten nach Polen geschickt werden. Das Manöver sei schon länger geplant gewesen, sagte Ministeriumssprecher Jacek Sonta.

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite ist jedenfalls für ihre klaren Ansagen bekannt. Nach der Eskalation auf der Krim-Halbinsel fand sie auch diese Woche deutliche Worte: „Ich sehe nicht nur die Rückkehr des Sowjetstils, sondern sogar des Stalin-Stils“, erklärte sie gegenüber dem Handelsblatt. Die Präsidentin des kleinen baltischen Landes drückt damit in diesen Tagen die Furcht vieler Menschen nicht nur in Litauen, sondern auch in den baltischen Nachbarländern Estland und Lettland aus.


Und die Furcht vor dem Gebaren Russlands kommt nicht von ungefähr. Mit der Begründung, Moskau müsse die Russen auf der Krim schützen, wäre auch ein Eingreifen Russlands in den ehemaligen baltischen Sowjetrepubliken zu rechtfertigen. Das auf jeden Fall denken viele Menschen im Baltikum. Denn vor allem in Estland und Lettland leben viele ethnische Russen. In der lettischen Hauptstadt Riga beträgt der Anteil der dort lebenden Russen stolze 40 Prozent. Und in der Vergangenheit hat Moskau immer wieder gegen die angebliche Diskriminierung dieser starken Minderheit protestiert. Der lettische Politologe Andris Spruds bringt es auf eine einfache Formel. „Auch in Lettland könnte irgendjemand die russische Flagge hissen und dann Moskau bitten, die russische Minderheit zu schützen“.

Nach ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion haben die drei baltischen Staaten schnell eine stärkere Anbindung an den Westen gesucht. Die Nato-Mitgliedschaft von Estland, Lettland und Litauen war dabei sogar noch wichtiger als der kurz darauf vollzogene Beitritt zur Europäischen Union.

Kommentare zu " Krim-Krise: Die Furcht der Letten"

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  • Stimmt schon dass die EU ziemlich naiv die Ukraine in eine unmögliche Konfliktsituation gebracht hat.

  • Ich würde eher sagen der Putin hat seinen eigen Stil. Also "Putin Stil". Ich halte es für wahrscheinlicher dass Putin eine parlementarische Monarchie einführt als die alte Sowjetunion.

    Der Putin wäre aber ziemlich übergeschnappt die baltischen Staaten anzufassen, weil diese sofort den Verteidungsfall bei der NATO einläuten würden. Also WW III. Putin ist machthungrig aber nicht suizoid.

  • Die Bankeliten fordern Tribut.
    Nicht nur werden deutsche Steuerzahler zur Kasse gebeten, um Anleihenmilliardäre und Hedgefonds zu retten, die sich in der Ukraine verspekuliert haben, sondern wir werden auch nichts von den 38 Tonnen Gold abbekommen, die die amerikaner aus der Ukraine harausgeholt haben. Dies geschah auf anweisung des nichtvom Volk gewählten Interimsministerpräsidenten, einen Bankster und US-Knecht.

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