Kriminalität
Frankreichs Präfekten schlagen Alarm

Nach Aussage von Frankreichs Präfekten droht die Gewalt im Land wieder anzuschwellen. Ihre Brandbriefe an das Innenmisterium wecken Ängste vor neuen gewaltsamen Unruhen in den Problemvierteln vor den Toren von Paris.

PARIS. Der Hilferuf aus dem Departement Seine-Saint-Denis hat ganz Frankreich erschreckt. „Die Gewaltkriminalität ist einem kaum gekannten Ausmaß wieder ausgebrochen“, heißt es in einem Brandbrief von Präfekt Jean-Francois Cordet an das Pariser Innenministerium. In dem dicht bevölkerten Departement im Norden von Paris würden Fälle von Körperverletzung dramatisch zunehmen, wofür immer häufiger jugendliche Straftäter verantwortlich seien.

Mit dem Schreiben weckt der Präfekt böse Erinnerungen an den November vergangenen Jahres, als zehntausende aufgebrachte Jugendliche in den Vorstädten Nacht für Nacht Autos abfackelten und sich Schlägereien mit der Polizei lieferten. In Frankreich geht jetzt die Angst um, dass die gewaltsamen Unruhen erneut ausbrechen. „Ein Funke würde genügen, damit alles wieder explodiert“, sagt Pierer Cardo, Bürgermeister des Pariser Vorortes Chanteloup-Les-Vignes.

Für die Pariser Regierung steckt viel politischer Sprengstoff in dem Thema. Das gilt vor allem für Innenminister Nicolas Sarkozy. Der von den Franzosen spöttisch „Superbulle“ genannte Minister hatte der Jugendgewalt nach den Unruhen des vergangenen Jahres „den Krieg“ erklärt und hält sich selbst eine sinkende Zahl von Straftaten zugute. Die Statistik gibt ihm nur teilweise recht. Zwar nimmt die Kriminalität insgesamt seit Jahren ab, doch die Zahl der Fälle von Körperverletzung steigt zugleich rapide. Wahr ist auch, dass in den Problemvierteln vor den Toren der Großstädte weiterhin jede Nacht Autos brennen, insgesamt fast 50 000 pro Jahr. „Man darf sich keine Illusionen machen. Diese Viertel sind immer noch rechtsfreier Raum“, konstatiert Bürgermeister Pierre Cardo.

Darüber haben sich mittlerweile schon insgesamt 28 Präfekten beim Innenminister beschwert, wie die Tageszeitung „Le Monde“ am gestrigen Donnerstag berichtete. Der Vorwurf: Die Polizei sei an den sozialen Brennpunkten, die sich in der Regel in den großen Trabantenstädten befinden, personell zu schlecht ausgestattet. Außerdem gehe die Justiz mit den jugendlichen Straftätern viel zu lax um.

Ein brutaler Angriff auf zwei Polizisten in dieser Woche bestätigte die Klagen der Präfekten. In einem Vorort südlich von Paris lockte eine Gruppe von 20 Jugendlichen die beiden Ordnungshüter in einen Hinterhalt, um sie dort zusammenzuschlagen. Innenminister Sarkozy besuchte die Schwerverletzten am Donnerstag im Krankenhaus. Er werde alles tun, um die Schuldigen zu finden und hart zu bestrafen, verkündete der Minister.

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