Kriminalität und Krise: In den Fängen der griechischen Justiz

Kriminalität und Krise
In den Fängen der griechischen Justiz

Wer es mit Griechenlands ausgelaugter Justiz zu tun bekommt, kann sich auf einen langen Albtraum einstellen. Selbst wenn er sich selbst nichts zuschulden hat kommen lassen. Ein persönlicher Leidensbericht.
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Athen„Was soll das?“ Der Vorsitzende, ein älterer Herr mit weißem Haarkranz, setzt die Lesebrille auf die Nasenspitze und blättert unwirsch durch die Papiere, die ihm einer der Verteidiger gerade auf die Bank gelegt hat. „Noch mehr Zeugen?“, entfährt es dem Richter. Seine Stirn legt sich tiefe Falten, streng blickt er den jungen Anwalt über den Goldrand seiner Brille an. „Haben wir nicht schon genug Zeugen?“ Der Verteidiger gibt zu bedenken: „Aber das hier sind Entlastungszeugen, Herr Vorsitzender.“

Tatsächlich, an Zeugen herrscht kein Mangel an diesem Freitag im Saal 70H des Athener Landgerichts an der Alexandras-Allee. Über 350 Zeugen sind geladen in der Strafsache gegen Zurab Akhalbedashvili u.a. Zwei Dutzend Beschuldigte sitzen da auf der Anklagebank, mit Handschellen aneinander gefesselt.

Es sind überwiegend Georgier, die teils illegal, teils mit Aufenthaltsgenehmigung in Griechenland lebten, bis ihnen die Polizei auf die Schliche kam: Über hundert Wohnungen und Keller sollen sie in den vergangenen Jahren aufgebrochen haben.

Für mich begann die Geschichte, die mich jetzt in den ersten Stock des Athener Landgerichtsgebäudes geführt hat, an einem kühlen Novembertag des Jahres 2011. Ich ging in den Keller, um Holz für den Kamin zu holen. Unten angekommen, fand ich die Stahltür des Kellers angelehnt vor. Dann sah ich: alle acht Lagerräume, die sich dort unten für die Mietparteien des Gebäudes befinden, waren aufgebrochen. Die Sicherheitsschlösser lagen zerstört auf dem Boden.

In meinem Lagerraum fehlte nichts, dort befanden sich außer dem Brennholzstapel auch nur einige Kartons mit nutzlosen Gegenständen, wie man sie bei jedem Umzug erneut mitschleppt, obwohl man sich längst davon hätte trennen sollen. Auch die anderen Mitbewohner hatten keine Verluste zu beklagen. Dennoch gingen wir zur Polizei und meldeten den Einbruch – in der Erwartung, dass man die Täter niemals schnappen würde.

Wir waren deshalb überrascht, dass am nächsten Tag tatsächlich die Spurensicherung kam und im Keller Fingerabdrücke sammelte. Und noch überraschter waren wir, als uns kurz vor Weihnachten zwei Polizeibeamte in Zivil die Ladungen ins Haus brachten – mit dem strengen Hinweis, wer nicht vor Gericht erscheine, müsse mit einem Bußgeld rechnen.

Man habe die Täter auf frischer Tat ertappt und dann anhand ihrer Fingerabdrücke mit früheren Einbrüchen in Verbindung bringen können, erläuterte einer der Polizisten.

Kommentare zu " Kriminalität und Krise: In den Fängen der griechischen Justiz"

Alle Kommentare
  • Journalisten koennen sichohne weiteres im Spiegel betrachten, denn sie sind zu bloed. Es sind Generalisten, sie verstehen von Allem nichts !!!!

  • Da lobe ich mir doch die BRD. Wenn in der BRD im Leller eingebrochen wird, kommt keine Spurensicherung. Es kommt nicht einmal zur Verhandlung, da sich kein Georgier freiwillig bei der Polizei meldet, stellt diese Polizei die Ermittlungen nach 2 Wochen Liegezeit der Akten ein, und kein Zeuge muss im Gericht lange warten !

  • Hi Volker

    When UKIP first formed it was very much 'is underdog' but it's policies of 'defending' English interests and cultural heritage have become close to the heart of British citizens more recently.

    The UK is a country renowned for tolerance and inclusion but sadly the virtue has been abused leading the indigenous population to become affronted by the contempt of those to whom a 'helping hand' has been offered.

    It seems incredible other intelligent European member states still 'blindly' follow the existing mantra as if all will be well at the end. Perhaps they're just too committed to ideas they previously voted on and sanctioned into being to have courage enough and say "no, we were wrong".


    Regards, Peter.

  • Der Rechtsstaat in der BRD, der keiner ist!, ist eine reine Volksverdummung! Denn wenn ich durch das Jobcenter willkürlich sanktioniert werde, was KEINE SELTENHEIT IST, bin ich machtlos. Da hab ich nicht einmal Geld um mir genug Essen zu kaufen!!! Was ist das denn für ein Rechtsstaat?! Und wenn ich Klage, dann dauert das auch mehrere Wochen, wen nicht sogar Monate, bis ich Recht bekomme!

    DIE BRD MIT IHRER VERKOMMENEN ELITE IST EIN ENZIGER BETRUGSSTAAT AN DER PRODUKTIVEN BEVÖLKERUNG!!!

  • ERLÄUTERUNGEN (*) ZUR CHARTA DER GRUNDRECHTE
    (2007/C 303/02)

    hier:

    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2007:303:0017:0035:DE:PDF

  • War es nicht SPD-Schröder der mit einer generösen Handbewegung alle Bedenken vom Tisch wischte und die Griechen reingelassen hat. Und sind es nicht seine SPD-Nachfolger, die zur Schuldenkrise von Anfang an bis zum heutigen Tag keine anderen Ideen entwickelt haben als EUROBONDS. Was die Griechen für Europa ist die SPD für Deutschland

  • @Lungomolch

    Interessant wie Sie die BRD sehr gut beschreiben und dafür die Griechen benutzen :-)

    In einer Hierarchie aus dem Mittelalter wird die Herrschende Klasse halt immer ALLES dafür tun, um sich Privilegien zu sichern. Und sei es mit Waffengewalt. Deswegen steht ja auch im Lissabon-Vertrag...bei Aufruhr die Todesstrafe festgeschrieben, gelle. Was Aufruhr ist, legt die herrschende Klasse natürlich fest!!

    Da spielt ein Land keine Rolle! Es ist überall der gleiche Dreck!!

  • Recht haben und Recht bekommen: zwei paar Schuhe.
    "Vorm Richter und auf hoher See sind wir in der Hand des einzigen Gottes".
    - oder eben mehrerer Götter - oder einfach nur den Unbilden der Natur, der menschlichen - ausgesetzt wie in einer Nußschale.

    Gut beraten, wer sich vorbereitet und seinen Kafka ("Der Prozeß") beizeiten ins Marschgepäck gepackt hat.


  • @AlterGermane

    Tja, mein Lieber: Wir sind Europa - ohne uns läuft in Europa gar nichts, absolut nichts! Kapiert?

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    Sie werden bald sehen was hier läuft...weil die "Deutschen ja so toll" sind :)

    Die haben nämlich immer noch nicht kapiert, dass diese sich den eigenen Ast absägen, auf dem sie noch sitzen. Und faschistische D sind natürlich immer toll, gelle

  • Belustigend finde ich es immer wieder, das so viele glauben, unser System wäre besser.
    Das war es vielleicht einmal, ist aber weitgehend Geschichte.
    Wenn Politiker Rechtsprinzipien der Opportunität unterwerfen und wie z.B. bei der Pendlerpauschale, und ein beträchtlicher teil des Publikums in bodenloser Dummheit zustimmt. Nur weil es ihrer ökologischen Überzeugung dienlich ist, dann wird deutlich, das längst die Übersicht über Recht und Unrecht verloren gegangen ist. Damit eröffnet sich der Willkür Tür und Tor.
    Bevor jetzt irgendjemand gegen die Pendlerpauschale argumentiert sei angemerkt. Selbstverständlich könnten wir auf ein System umstellen, das die Fahrt zur Arbeitsstätte zur Privatsache macht. Das aber hätte grundlegende Konsequenzen für das gesamte Steuerrecht, dass grundsätzlich anders und neu aufgebaut werden müßte.
    solange das nicht geschieht (und auch verlogener weise gar nicht beabsichtigt ist) handelt es sich nur um den Versuch Rechtsprinzipien auf den Kopf zu stellen aus opportunistischen Gründen. Die diesbezüglich handelnden Politiker sind entweder skrupelose Betrüger oder schlicht von Dummheit bezüglich des Fachgebietes geschlagen.

    Solcherlei Vorgehensweise ist leider mittlerweile der etablierte Normalfall in allen Verwaltungen in Privatwirtschaft und Staat. Die Konsequenzen werden ignoriert und wer den Mund aufmacht macht sich so unbeliebt, das er mindestens um die Karriere fürchten muss, wen nicht sogar um den Job.
    Da kann man sich leicht ausrechnen, das es bestenfalls nur noch ein paar Jahrzehnte braucht, bis wir das griechische Niveau erreicht haben.

    H.

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