Krise auf der Krim
Putin – Despot oder doch Demokrat?

Ist Wladimir Putin einer, der sich für verfolgte Minderheiten stark macht oder jemand, der den Blick für die Realität verloren hat? Die Meinungen über Russlands Präsidenten könnten derzeit nicht weiter auseinanderliegen.
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SewastopolIn westlichen Medien kommt Russlands Präsident Wladimir Putin schlecht weg. Er wird als ein eiskalter Herrscher dargestellt, als einer, der nahezu ohne Rücksicht auf Verluste seinen Machtgelüsten nachgibt. Ein Despot, kein Demokrat.

Auf der Krim, wo angeblich nationale „Selbstverteidigungskräfte“ die Macht übernommen, tatsächlich aber russische Soldaten auf Order des russischen Präsidenten das Kommando an sich gerissen haben, sehen das viele Menschen anders. Hier auf der Halbinsel am Schwarzen Meer, weit weg von Kiew, herrschen buchstäblich andere Gesetze. Seit Jahrhunderten zählt die Krim zum Einflussbereich Russlands. Vertreibung und eine brutale Umsiedelungspolitik haben den russischen Einfluss immer weiter gestärkt. Von den heute auf der Krim lebenden rund 2,4 Millionen Einwohnern sind fast 60 Prozent ethnische Russen, nur ein Viertel Ukrainer und knapp 13 Prozent Krimtataren.

In den Straßen von Sewastopol, der größten Stadt der Halbinsel und zugleich von Moskau angemieteter Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, schütteln die meisten Menschen den Kopf über die Ereignisse in Kiew, die zum Sturz von Präsident Wiktor Janukowitsch geführt haben. Als „Chaoten und Neo-Faschisten“ bezeichnet etwa Vika Marinovskaya, eine 53-jährige Buchhändlerin die neue Regierung in Kiew.

Es sind fast dieselben Worte, die auch der putschartig zu Macht gekommene neue Boss der autonomen Krim-Republik, Sergej Aksjonow, benutzte, als er den Kreml um Hilfe bat. Die Russen auf der Krim müssten vor den Nationalisten und Faschisten geschützt werden, teilte er dem russischen Präsidenten mit. Dieser zögerte nicht lange und schickte die angeforderte Unterstützung in Form von vermummten und schwerbewaffneten Soldaten. Dabei spielt es nur eine nebensächliche Rolle, ob diese Militäreinheiten tatsächlich der russischen Armee angehören oder ob es sich um von Moskau finanzierte nationale Kämpfer handelt.

Kommentare zu " Krise auf der Krim: Putin – Despot oder doch Demokrat?"

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  • Minister natürlich

  • @Antiillusionist
    Komischerweise erkennen Sie nur die westliche Propaganda und glauben blauäugig allaes was Putin und Lawrow sagen.
    Aber noch mal, die Militärfahrzeuge haben RUSSISCHE Kennzeichen, die uniformierten haben die Waffen der russischen Armee. Soviel zum Thema Mutmaßungen.
    Estnische Außenministerin hat gesagt dass es möglich wäre das jemand anderes geschossen hat und hat sich besorgt gezeigt warum die Vorfälle nicht untersucht werden. Ich bin mir sicher sobald die russischen soldaten Krim verlassen hat die ukrainische Regierung auch zeit dafür.
    Und hören Sie auf das ukrainische Volk als Junta zu bezeichnen.
    Die Revolution ist vom Volk ausgegangen.
    Damit dieser zweimal verurteilter verbrecher weg kommt.
    Wenn Sie die todesliste studieren dann sehen Sie das die gefallenen verteilt aus der ganzen Ukraine kammen und nicht nur aus der Wesrukraine

  • @ Russlanddeutscher

    Ich erhebe keineswegs den Anspruch, es besser zu wissen als alle anderen. Ich sehe nur, dass Lüge und Propaganda von allen Seiten die Erkenntnis der Wahrheit für Außenstehende erschweren.

    Wir haben gestern durch das abgehörte Telefonat mit dem Außenminister Estlands gelernt, in welch ungeheuerlicher Weise gelogen und gemordet wird.

    Vor diesem Hintergrund ist es m.E. für einen seriösen Journalisten unerlaubt, ohne eigene Überprüfung der Fakten sich von vornherein die Position der einen Seite zu eigen zu machen.

    Bloße Mutmaßungen nach der Art: "Wo sollen sie denn sonst ihre Waffen und Uniformen herhaben?" reichen zur Wahrheitsfindung einfach nicht aus.

    Immerhin muss man bedenken, dass eine Intervention regulärer russischer Truppen ohne klare Uniformierung ein Kriegsverbrechen wäre. Es erscheint mir sehr zweifelhaft zu sein, dass Russland seine Soldaten leichtfertig dem Risiko aussetzen würde, vor einem Kriegsverbrechertribunal zu landen, wenn sie in die Hände der Junta in Kiew geraten sollten.

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