Krise bei Verhandlungen: Griechenland setzt Troika wieder vor die Tür

Krise bei Verhandlungen
Griechenland setzt Troika wieder vor die Tür

Das Verhältnis zwischen Griechenland und den Euro-Partnern erreicht einen neuen Tiefpunkt. Bei Verhandlungen zwischen hohen Beamten zeigte Athen keine Kooperationsbereitschaft. Die Troika-Institutionen werden ignoriert.
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BrüsselDie Gespräche zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Geldgebern sind vorerst gescheitert. Das haben die höchsten Beamten der Euro-Finanzminister (Euro Working Group) bei einer Telefonkonferenz am Dienstag festgestellt, wie das Handelsblatt (Donnerstagausgabe) aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Athen zeige keinerlei Kooperationsbereitschaft, berichteten Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in der Telefonschalte. Zugleich beschließe die Regierung ohne Rücksprache neue Staatsausgaben und verstoße damit gegen Vereinbarungen, so die Experten. Die Chance, die Auflagen des laufenden Hilfsprogramms wie vorgesehen bis Ende April erfolgreich zu erfüllen, sei jetzt nur noch gering, sagten EU-Diplomaten

Die Griechen hätten die Troika-Institutionen wieder vor die Tür gesetzt, hieß es nach der Telefonkonferenz in Teilnehmerkreisen. Der Stellvertreter von Finanzminister Yanis Varoufakis, der an der Telefonschalte teilnahm, habe Verhandlungen auf höchster politischer Ebene verlangt und anschließend jede weitere Stellungnahme verweigert. Die Kontrolleure von EU, EZB und IWF hatten ihre Prüfung erst vergangene Woche in Athen begonnen.

Die Staatssekretäre der anderen Euro-Staaten hätten auf die Ausführungen des griechischen Kollegen mit demonstrativem Schweigen reagiert. Lediglich der Leiter der Euro Working Group, Thomas Wieser, habe sich zu Wort gemeldet. Er habe darauf hingewiesen, dass das laufende Programm erfolgreich abgeschlossen werden muss, damit die noch verbliebenen Hilfskredite ausgezahlt werden könnten.

Wieser habe zudem festgestellt, dass Griechenland kontinuierlich gegen die Vereinbarung der Euro-Finanzminister vom 20. Februar verstoße. Zudem habe er das Verhalten gegenüber den Troika-Institutionen als inakzeptabel bezeichnet.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Krise bei Verhandlungen: Griechenland setzt Troika wieder vor die Tür"

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  • Hier drei Gründe warum es nach meiner Meinung so ist, wie es ist:
    1. Die vom Volk gewählte Regierung muss mit allen Mitteln zu Fall gebracht werden und durch die alten devoten Politiker ersetzt werden. Schon allein weil es Linke sind.
    2. Weil die Finanzindustrie es so will, hat sie doch bisher ganz gute Profite gemacht.
    3. Weil Griechenland wichtiges Mitglied der Nato an der Südflanke sind und die Oberbefehlshaber keine Unruhe im Bündnis zulassen. Stört es doch die Kriegsvorbereitungen gegen Russland.

  • Ich befürchte, Sie Beide meinen das auch noch Ernst, obwohl Ihnen die genauen tatsächlichen Zahlungen offenbar gar nicht bekannt sind. Und nicht vergessen Londoner Konferenz 1953...einfach mal nachlesen.

  • Ich halte das Ganze für ein grosses Schmierentheater, von beiden Seiten !! Auf der einen Seite muss man sich fragen, was und wie etwas den Griechen (als Volk) eine Perspektive liefert, also keine theoretischen Geld/Kredit-Verschiebereien und prognostizierte Schulden-Bilanzen von 2018 und später ... . Dazu sind die Antworten und Ergebnisse der "Troika" zu unbefriedigend. Dazu empfehle ich die Doku von Arte "Macht ohne Kontrolle - die Troika" mit Harald Schumann. Man sollte nicht unseriöses Verhalten mit ebensolchem beantworten.
    Auf der anderen Seite spricht doch Einiges für eine eingebaute "Sollbruchstelle", eine beabsichtigte Schwächung der Euro-Zone. Intern war den Euro-EU-Gremien bekannt, dass bei
    der Einhaltung der Kriterien 1999-2002 massiv gemauschelt und getrickst wurde. Wie bei jeder
    Ideologie liess man fünfe-gerade-sein und wundert sich jetzt, dass dieser wunde Punkt immer wieder aufgekratzt wird - zur Freude der Konkurrenz-Währungen. Da ich bei "unseren" Euro-Vertretern, die problemlos den ESM-Vertrag durchgewinkt haben, keinerlei ehrlichen Absichten vermute, achte ich auf dieses endlose Griechenland-Theater nur noch am Rande. Eine Erlösung von dieser Falsch-Spielerei wird es wohl erst am Ende dieses "Systems" geben,
    da keiner von den jetzigen Befürwortern eine befriedigende Antwort auf die Schulden-Problematik der Staaten hat. Unser Wachstums-System braucht eine Steigerung der Verschuldung - und um das psychologisch aushalten zu können, brauchen wir "Sündenböcke".
    Auch wir in Deutschland können keine (an der Produktivität gemessen) angemessene Lohnentwicklung durchsetzen und stellen hilflos fest, dass die Reichen immer reicher werden und der Druck auf die Masse zunimmt, ebenso die Abhängigkeit vom billigen geliehenen Geld.
    Da lenkt die Tatsache ab, dass die Griechen ihre Multi-Millionäre nicht besteuert kriegen ... .

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