Krise im Gazastreifen
„Die Hamas hat uns die Würde zurückgegeben“

Schiefe Mauern, heruntergefallene Fassaden: Im Gazastreifen ist nichts mehr wie es war. Der Krieg hat vor allem eins bewirkt: Die politischen Fronten noch mehr verhärtet. Die Propaganda-Maschine der Hamas läuft auf Hochtouren.

GazaSaid Shabad hat alles verloren. Sein einstiges Zuhause in Bet Lahiya im Gazastreifen ist nur noch eine bedrohte Ruine. Sogar die Möbel, die er seiner Tochter vor ihrer Hochzeit als Mitgift gekauft und bei sich aufbewahrt hatte, sind zerschlagen.
Mitte Juli standen in seinem Wohnort Bet Lahiya, einer Stadt mit 40 000 Einwohnern im nördlichen Gazastreifen an der Grenze zu Israel, noch schmucke vierstöckige Häuser. Kinder spielten auf der Straße, Jugendliche trafen sich, Erwachsene rauchten Wasserpfeifen. Doch dann leerten sich ganze Straßenzüge. Bepackt mit dem, was sie tragen konnten, brachen die Menschen zu Fuß, mit Autos, auf Esels-und Pferdekarren im Richtung Süden auf. Unter ihnen waren auch der Ingenieur Shabad und seine Familie. Sie flüchteten, weil sie mit Flugblättern, die von israelischen Jets abgeworfen wurden, gewarnt wurden, dass ein größerer Angriff bevorstehe.

Jetzt, zwei Monate später, gibt es in Shabads Stadtteil nur noch schiefe Mauern, heruntergefallene, durchlöcherte Fassaden und von Brand zerstörte Fronten. Apokalyptische Bilder diesseits der Grenze. Auf der anderen Seite mit dem frischen Grün der Kibbuzim auf der anderen Seite der Grenze.

Als Zuständiger für den Wagenpark der größten Klinik Gazas konnte sich Shabad bis vor kurzem noch zu den Privilegierten im Küstenstreifen zählen. Nun wohnen er und seine Familie in einer Schule der UN-Flüchtlingshilfe UNRWA.

Aus israelischer Sicht war es ein klarer Fall. Von Bet Lahiya aus soll die Hamas Angriffstunnels gebaut haben, um in Israel ein Massaker zu veranstalten oder Soldaten zu entführen. Zudem wurden von der Kleinstadt aus Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Um die Abschussrampen und die Tunnels zu zerstören, deren Eingang oft in Häusern verborgen waren, habe man Gebäude angreifen müssen, begründete die Armee ihr zerstörerisches Vorgehen. Shabad hält diese Beschuldigungen Israels für „puren Unsinn“: In diesem Sand sei es unmöglich, Tunnels zu bauen, behauptet er. Dass hier unterirdische Schächte gegraben worden seien, sei eine Mär der Israelis. Die Fernsehbilder, auf denen Hamas-Milizen mit Hilfe von Tunnels in Israel eingedrungen sind, will er nicht gesehen haben. Auch bestreitet er, dass von seiner Straße aus je auf Israel geschossen worden sei.

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