Krise in der Ukraine: Angriff auf Bus lässt Hoffnung auf Frieden schwinden

Krise in der Ukraine
Angriff auf Bus lässt Hoffnung auf Frieden schwinden

Ein Bus in der Ostukraine wird beschossen, mindestens zwölf Menschen sterben. Regierung und Separatisten beschuldigen sich gegenseitig und kämpfen wieder um den Flughafen Donezk. Die Hoffnung auf Frieden schwindet.
  • 2

DonezkNach dem bewaffneten Angriff auf einen Pendlerbus in der Ostukraine ist die Zahl der Toten auf zwölf gestiegen. Die Kiew-treue Regionalverwaltung in der Rebellenhochburg Donezk teilte am Dienstag mit, prorussische Separatisten hätten den Checkpoint nahe der Stadt Wolnowacha beschossen, als dort der Bus durchfuhr. Die prorussischen Rebellen bestritten, für den Anschlag verantwortlich zu sein und gaben dem ukrainischen Militär dafür die Schuld.

Die russische Nachrichtenagentur Tass zitierte einen Rebellenvertreter mit der Aussage, der Bericht sei eine „Provokation“. „Wir führten keinerlei Militäraktionen an diesem Ort aus“, sagte Denis Puschilin. Ein Reporter des ukrainischen Fernsehsenders Kanal 5 berichtete, unter den Todesopfern sei ein Mädchen im Teenageralter. Das Pressebüro für Militäreinsätze im Osten teilte mit, die Geschosse seien offenbar von einem Raketenwerfer abgefeuert worden.

Die Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung des Konfliktes schwanden auch, weil sich Regierungstruppen und Rebellen heftige Kämpfe um den Flughafen Donezk lieferten. In den vergangenen 24 Stunden habe sich die Lage erheblich verschlechtert, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Dies gelte vor allem für die Region um den Flughafen.

Bilder des Busses zeigen zahlreiche Schusslöcher

Vertreter der Ukraine und der Separatisten sowie aus Russland, Frankreich und Deutschland hatten am Montag in Berlin versucht, den Konflikt zu entschärfen. Eine Annäherung gab es nicht. So wurde über den Verlauf einer Demarkationslinie gestritten.

Bei den Fahrgästen habe es sich um Zivilisten aus Mariupol am Schwarzen Meer gehandelt. Auf Fotos war ein Bus mit zahlreichen Löchern zu sehen. Auch die Sitze waren durchlöchert. Auf der Straße war eine lange Blutspur.

Mit Blick auf die Kämpfe in Donezk warf die Ukraine den Rebellen und Russland eine Eskalationsstrategie vor. Die Separatisten hätten in der Nacht mit Raketenwerfern vom Typ Grad angegriffen und später den Flughafen mit Panzern beschossen, sagte ein Armeesprecher in Kiew. Der Kontrollturm stürzte größtenteils ein. Den Angaben zufolge wurde ein ukrainischer Soldat getötet.

Der Flughafen Donezk wurde 2012 vom damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch feierlich wiedereröffnet und für die Fußball-Europameisterschaft im selben Jahr genutzt. Wegen der Kämpfe ist er schon längst nicht mehr in Betrieb. Das Terminal hat aber für beide Seiten eine große symbolische Bedeutung.

Wegen der Kämpfe sind auch die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen so angespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. So wirft die Nato Russland vor, die Rebellen mit Soldaten und Waffen zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Neue Sorgen dürfte im Westen auch die Ankündigung des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow bereiten, wonach sein Land die Truppen auf der annektierten Halbinsel Krim, in der Arktis und in der Region Königsberg stärken will. Einzelheiten nannte der Kommandeur nicht. Osteuropäische Länder wie Polen oder Litauen, die beide an die russische Exklave Königsberg grenzen, hatten sich bereits über das russische Vorgehen besorgt geäußert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Krise in der Ukraine: Angriff auf Bus lässt Hoffnung auf Frieden schwinden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die öffentlich rechtlichen sagen, die Separatisten waren's. Und die müssen es ja wissen.

  • Wir waren es nicht!
    -----------
    sagen die Separatisten,
    sagen die Regierungstruppen,
    sagt Warlord Putin,
    sagt die Nato,
    sagen die Deutschen.

    Keiner will es gewesen sein, aber die Zivilisten sind tot.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%