Krise in der Ukraine: Deutsche Wirtschaft mahnt finanzielle Soforthilfe an

Krise in der Ukraine
Deutsche Wirtschaft mahnt finanzielle Soforthilfe an

Der Ukraine droht der Staatsbankrott. Die deutsche Wirtschaft pocht daher auf schnelle Finanzspritzen der internationalen Geldgeber. Sorgen bereitet Unternehmen auch der schwächere Russland-Handel.
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BerlinDie deutsche Wirtschaft hat sich für rasche Finanzspritzen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) an die Ukraine ausgesprochen. Mit finanziellen Soforthilfen müsse erst einmal die Zahlungsunfähigkeit des Landes abgewandt werden, forderte der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, am Donnerstag: „Dabei sollten mögliche Kreditgeber wie die EU, der IWF und die Europäische Investitionsbank ein abgestimmtes Vorgehen mit Russland anstreben.“

Die ukrainische Wirtschaft sei noch auf Jahre stark vom russischen Markt und von russischen Energielieferungen abhängig, sagte Lindner, der sich den Angaben zufolge gegenwärtig zu Gesprächen in Kiew aufhält. Die Zuspitzung der Lage auf der Krim werde mit Sorge gesehen. Ein Dauerkonflikt der EU mit Russland um die Zukunft der Ukraine würde sich negativ auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im osteuropäischen Raum auswirken.

Unabhängig von der aktuellen Lage hat die deutsche Wirtschaft zuletzt weniger Geschäfte mit Russland und der Ukraine getätigt. Nach einem Rekordergebnis von 80,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 habe sich der deutsche Handel mit Russland im vergangenen Jahr auf 76,5 Milliarden Euro abgeschwächt, teilte der Ost-Ausschuss mit. Russland sei in der Rangliste der wichtigsten Handelspartner in Osteuropa wieder knapp hinter Polen zurückgefallen. Der Handel mit der Ukraine sei im vergangenen Jahr auf 6,95 Milliarden Euro nach 7,18 Milliarden Euro im Vorjahr gesunken.

„Seit 2011 schwächt sich das Wachstum in Russland beständig ab. Dies bleibt nicht ohne Folgen für den deutsch-russischen Handel“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes. „Für das laufende Jahr erwarten wir eher noch eine Verstärkung dieses Trends.“ In Russland werde eine Rezession nicht mehr ausgeschlossen. Zudem verteuere die gegenwärtige starke Abwertung des Rubels deutsche Exporte.

Cordes forderte Russland und EU auf, über einen Fahrplan für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu sprechen: Beide Seiten haben wiederholt eine gemeinsame Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok als wünschenswertes Ziel genannt.“

Wegen der angespannten Lage in der Ukraine gerieten am Donnerstag zahlreiche osteuropäische Währungen unter Druck. Massiv bergab ging es mit der ukrainischen Währung Griwna. Sie verlor zum US-Dollar zeitweise mehr als neun Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Verluste auf mehr als 25 Prozent. Unter Druck stand auch der russische Rubel, der zum US-Dollar über ein halbes Prozent an Wert verlor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wahrscheinlich hat die "Deutsche Wirtschaft" noch etliche Außenstände, deren Bezahlung durch die Ukraine nicht mehr möglich sein wird.
    Erinnert mich stark an Griechenland, Schuldenschnitte und Target-Salden.
    Immer wieder der Mammon. Da war ja der frühere Tauschhandel der Stein der Weisen.

  • Zitat : Deutsche Wirtschaft mahnt finanzielle Soforthilfe an

    - es müsste vielmehr heißen, die Bonzen der Deutschen Wirtschaft haben berechtigte Ängste um ihre Pfründe in der Ukraine und bitten den Europäischen Steuerzahler zur Kasse...?!

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