Krise in der Ukraine: Die Geisterstadt

Krise in der Ukraine
Die Geisterstadt

Leerstehende Wohnungen, schlechte Versorgung: Seit einem Jahr ist die Stadt Donezk besetzt. Für die, die nicht geflohen sind, ist das Leben beschwerlich. Doch einige haben sich mit der Situation arrangiert. Eine Bilanz.
  • 11

KiewDmitri Makarenko ist wehmütig. Vor zwölf Monaten noch hatte der Doktorand Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Demokratie in der Ukraine gesiegt hätte. Dass die Euro-Maidan-Proteste in Kiew etwas losgetreten hätten. Dass es ganz schnell gehen würde mit der Veränderung in der Ukraine.

Ein Jahr danach weiß der 23-Jährige: „Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Ukraine ein europäisches Land ist – wenn wir Leute das nicht selber machen, wird es gar nichts.“ Ein Jahr danach weiß Dmitri Makarenko auch: Die Stadt Donezk, seine Heimatstadt, ist für die Ukraine verloren. Denn nun trägt sie einen neuen Namen: „Volksrepublik Donezk“.

Rückblick: In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2014 besetzten maskierte und bewaffnete Männer den Regierungssitz des Gouverneurs und die Geheimdienstzentrale in der Millionenstadt Donezk. In der Übergangsregierung bracht Hektik aus. Gerade in paar Tage war sie im Amt.

Übergangspräsident Alexander Turtschinow und Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk ahnten, dass kein Geringerer als die russische Regierung hinter dem Coup stand. Kiew zögerte, einzig der Oligarch Rinat Achmetow, reichster Mann des Landes und Haupteigentümer der Schwerindustrie in der Ost-Ukraine, trat mit den Besatzern in nächtliche Verhandlungen. Er ließ die Scheinwerfer seiner Mercedes-Limousine und der Begleitfahrzeuge abschalten und fuhr in die Puschkinstrasse, ließ sich in den zwölften Stock führen und traf die Anführer der Besatzer.

Einer, der damals dabei war, ist Alexander Chodakowski. Der russischen Ausgabe des Magazins „Forbes“ hat er nun erzählt, dass Achmetow alleine seiner Gruppe sechs Millionen Dollar an Unterstützung bezahlt habe. Chodakowski gehört zu den Anführern der selbsternannten „Volksrepublik“ Donzek, seine Leute hätten neben Achmetows Anwesen in Donezk auch die Donbass-Arena, das Stadion des Fußball-Vereins Schachtjar Donezk sowie eine Reihe von Bürogebäuden bewacht, alles im Besitz Achmetows.

Die Rolle der Oligarchen in dem Konflikt ist intransparent. Während Achmetow sich auf eigene Faust absicherte, ließ der Anfang März 2014 ins Amt berufene Igor Kolomoiskij in Dnipropetrowsk eine Privatarmee aufbauen: Der Region sollte nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie Donezk und Lugansk. Der Milliardär Kolomoiskij hatte Erfolg, geriet aber mit Präsident Poroschenko in Streit und wurde vor drei Wochen entlassen.

Kommentare zu " Krise in der Ukraine: Die Geisterstadt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beim Lesen mancher Kommentare hier fragen sich meine Kollegen und ich gerade, ich welchem Interesse der eine oder andere Kommentator hier seine propagandistischen Thesen verbreitet.

  • @Herr mathias müller
    Neben spekulativen Leerverkäufen, um Platz für billigeres Gas zu haben.
    Wie Sie schon richtig anmerken, wurden die Gasläger abverkauft, um das teuer eingekaufte Gas an den Verbraucher zu bekommen.
    Wie weit diese Taktik bei der derzeitigen Entkoppelung vom Ölpreis funktioniert, ist nicht vorhersehbar. Trotzdem wollte man auf der sichern Seite sein und nicht in späteren Jahren Verluste zu realisiern, wenn der Gaspreis fällt.

    Der Nachweis, daß Gas verschenkt wurde ist Herr Queri auch im 2. Anlauf schuldig geblieben.

    Schönen Tag noch.

  • @ Herr Thomas Podgacki
    >> Das mit den Steuergelder und der Lieferung unseren Lebensstandard ist mir nicht bekannt. >>

    Dass es Ihnen nicht bekannt ist, heißt ja auch nicht, dass es nicht stimmen würde.

    Wenn Sie alleine den Besuch des Scientology-Jüngers Jatzenjuk vor paar Tagen verfolgt haben, müssen Sie doch mitbekommen haben, wie viele Gelder Merkel an die Ukraine verschoben hat ( hier hilft manchmal das einfache googeln ). Und das sind erst mal alles Steuergelder, die wir vom Pleute-Schurkenstaat Ukraine NIE zurückerhalten werden.
    Um diese verschobenen Summen sinkt auch unser Lebensstandard. So einfach ist das.

    >> Eine Allimentierung mit unseren Gasvorkommen ist unrichtig. Siehe Artikel in der Welt über Verbleib des deutschen Speichergases. >>
    Zitat aus der Welt :

    >> Ein Teil der Mengen wurde zum Beispiel vom Energiekonzern RWE direkt in die Ukraine umgeleitet, die sich aus politischen Gründen innerhalb kürzester Zeit von ihrem bisherigen Hauptlieferanten Russland unabhängig machen wollte >>
    http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article138981493/Das-Raetsel-um-die-verschwundenen-Gas-Reserven.html
    Was soll denn dabei UNRICHTIG sein ? Ich habe mich doch auf den gleichen Artikel der Welt bezogen.
    RWE hat den ganzen Winter unsere Gasimporte aus Russland im Reverse-Betrieb Richtung Ukraine verschoben. Und Sie glauben doch nicht im Ernst, dass RWE das auf EIGENE Rechnung gemacht hat...?

    Nein ! Die Rechnung hat Merkel bezahlt, bzw. der Deutsche Steuerzahler.

    Deutschland liefert sein Gas KOSTENLOS an die Ukraine......deswegen sind die unterirdischen Speicher nicht gefüllt worden, trotz des milden Winters.
    Das ist ein Betrug gegenüber der Gasprom und vor allem gegenüber der eigenen Steuerzahler !

    Auch hier wird der Lebensstandard entsprechend abgesenkt.

    Schönen Tag noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%