Krise in der Ukraine
Erbitterte Kämpfe

Die Männer in Donezk in der Ostukraine kämpfen mit Kalaschnikows, Molotow-Cocktails und Holzknüppeln. Mit Bibeln und Mutter Maria-Bildnissen bitten die Frauen um Frieden. Unser Korrespondent Helmut Steuer ist vor Ort.
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DonezkEs sind nicht nur noch Kalaschnikows, Molotow-Cocktails und Holzknüppel, mit denen der Kampf um die Ostukraine ausgetragen wird: Mit Bibeln und Mutter Maria-Bildnissen ausgerüstet stehen mehrere ältere Frauen an der Einfahrtsstraße nach Slawjansk. „Wir beten für unsere Söhne“, sagt eine von ihnen. Flackernde Kerzen mitten am Tag sollen ihrer Hoffnung auf bessere, vor allem friedlichere Zeiten einen besonderen Nachdruck verleihen. Die Frauen gehören zu der Mehrheit in dieser Stadt, die die prorussischen Separatisten unterstützen.

Schon längst ist der Konflikt um die Ostukraine nicht mehr Sache nur noch der bis zur Unkenntlichkeit vermummten Männer. Auch in Donezk, der Bergbau-Metropole, sind es Frauen, die auf beiden Seiten der Konfliktparteien zwischen Beten und belegte Brote schmieren immer wieder Durchhalteparolen für die eigene Gruppierung ausgeben. Das scheint auch nötig, denn an der äußerst angespannten Lage hat sich auch am Montag nicht verändert. Im Gegenteil spitzte sich die Situation in den östlichen Landesteilen der Ukraine im Laufe des gesamten Tages dramatisch zu. Dennoch gab es auch Versuche der Deeskalierung.

Während sich in den ostukrainischen Städten Horliwka und Slawjansk prorussische Separatisten, ukrainische Sicherheitskräfte und proukrainische Demonstranten zum Teil erbitterte Kämpfe um zentrale Gebäude lieferten, versuchte Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Montagvormittag die explosive Lage zu beruhigen: Überraschend schlug er ein Referendum über eine eventuelle Föderalisierung der Ukraine vor. Bislang hatte die Führung in Kiew eine Föderalisierung kategorisch ausgeschlossen, da sie ein Auseinanderbrechen des Landes befürchtet.

Der Vorschlag von Turtschinow, über den noch das Parlament in Kiew abstimmen muss, sieht vor, die Volksabstimmung am 25. Mai abzuhalten, also genau an dem Tag, an dem auch die Präsidentschaftswahlen stattfinden sollen. Nach Ansicht von politischen Beobachtern will der Interimspräsident mit seinem Vorstoß vor allem den prorussischen Separatisten den Wind aus den Segeln nehmen. Diese hatten seit Ausbruch der schweren Krise in den östlichen Landesteilen immer wieder ein solches Referendum gefordert. Auch die Regierung in Moskau, die von mehreren Seiten als Drahtzieher der Aufstände gesehen wird, hat ein Referendum über den Status der Ostukraine gefordert.

Kommentare zu " Krise in der Ukraine: Erbitterte Kämpfe"

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  • Berlin hat beide Seiten zur Deeskalation aufgerufen. In der Ukraine gibt es offensichtlich mehrere Volksgruppen, die einfach in einem gemeinsamen (Zwangs-)Staat nicht miteinander können. Das Vorliegen eines Staates setzt voraus, daß man von einem Staatsvolk reden kann, ein Staatsgebiet vorliegt und eine stabile Volksregierung vorhanden ist. Wenn auch für die Russen das Selbstbestimmungsrecht gilt(auf welches der Westen ja so dezidiert pocht), schreit dies geradezu nach einer föderalistischen Regelung, wahrscheinlich sogar nach einer völlig eigenständigen Ostukraine ohne Abhängigkeit von Kiew. Die Kiew-Regierung besteht doch offensichtlich ausschließlich aus Russenhassern. Wenn der Westen die Lage in der Ukraine dazu benutzen will, sein Machteinflußgebiet geopolitsch auf das Gebiet der Ukraine aszudehnen, so ist dies völlig fehl am Platze. Mit einer Konfrontation zwischen dem Westen und Rußland wegen der Regelung der Probleme in der Ukraine, die bis zur Grenze zu einem heißen Krieg geht, wird von Machtpolitikern allen (einfachen)Menschen in der Ukraine ein Bärendienst erwiesen. Wenn also Berlin nichts Besseres einfällt, als beide Seiten(welche Seiten eigentlich) zur Deeskalation aufzurufen, so ist dies nur Ausdruck höchster Hilflosigkeit.
    Gefordert wären eigentlich die Christen in der Ukraine(gleich welcher Volkszugehörigkeit),um die Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander im Sinne von Jesus Christus zu schaffen. Die Union Christlicher Demokraten sollte dabei entscheidende Hilfestellung leisten können(z. b.Frau Dr. h.c. Schavan), in dem sie u.a. keinen Sanktionen-Blindflug initiiert.

  • +++ Falltür, Falltür...schnapp schnapp schnapp +++

  • Jeder Mensch kann sich entscheiden ob er eine Waffe in die Hand nimmt und ob er es sein läßt.
    Für pro Russische Kräfte sehe ich schon, das sie ihre Freiheit verteidigen müssen.
    Aber sind wir doch mal ehrlich welcher Soldat kämpft für die EU ? Der noch nicht einmal ein Staat ist und was von nicht gewählten Regiert wird.
    Ich kann mir auch nicht vorstellen das ein Deutscher sein Leben Für Frau Merkel geben würde.
    Unsere Regierung hat sein Volk verloren und in der Ukraine verlieren sie auch nach und nach ihr Volk wenn sie weiterhin pro EU sind.
    Wenn wir eine EU machen sollten das gut ist, dann gehört natürlich Russland auch zur EU.
    Auch in Amerika hat die Obama Regierung das Problem das sie auch ihr Volk verlieren nach und nach.
    Dann werden sich die Völker einig sein und in jeden Land die Kriegstreiber verhaften.

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