Krise in der Ukraine
Kiew wirft Russland Angriff im Süden vor

Russland will einen weiteren Hilfskonvoi ins Krisengebiet in der Ostukraine schicken. Der ukrainischen Armee zufolge schicken sie aber zunächst Panzer: Südlich von Donezk soll eine Kolonne die Grenze passiert haben.
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Moskau/KiewDie ukrainische Regierung wirft Russland die Eröffnung einer neuen Front im Krieg mit den Separatisten im Osten des Landes vor. Als Rebellen verkleidete russische Kräfte hätten mit zehn Panzern und zwei gepanzerten Mannschaftswagen im Südosten die Grenze zur Ukraine überschritten, erklärte ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte am Montag in Kiew. Diese Kräfte wollten eine zweite Front gegen die Regierungstruppen eröffnen.

Nach Angaben regierungsnaher Milizen drangen Dutzende Panzerwagen über die Grenze vor. Die Kolonne bestehe aus rund 50 Fahrzeugen, sagte ein Milizkommandeur. Sie hätten die Grenze nahe der Stadt Nowoasowsk überquert, die meisten seien auf dem Weg in den Ort Mariupol.

Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte kam es nahe Nowoasowsk zu Gefechten mit Regierungstruppen. Grenzschützer hätten die Kolonne kurz vor der Stadt aufgehalten. Der russische Konvoi habe „die Grenze verletzt“ und sei „von Grenzschützern gestoppt worden“, teilte Militärsprecher Leonid Matjuchin am Montag mit. „Die Gefechte dauern an“, fügte er hinzu, ohne weitere Details zu nennen. Damit ist die Lage nur einen Tag vor dem geplanten Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Putin und seinem ukrainischen Amtskollegen Poroschenko am Dienstag im weißrussischen Minsk angespannt.

Die Küstenstadt Mariupol in der Region Donezk liegt etwa 50 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt und rund 110 Kilometer südlich der Stadt Donezk, einer Hochburg der prorussischen Separatisten. Mariupol ist ein wichtiger Standort der ukrainischen Metallindustrie. In den vergangenen Monaten befand sich die Stadt unter der Kontrolle der Regierung, die die Stadt Mitte Juni zurückerobert hatte. Das mutmaßliche Eindringen und der Beschuss könnten bedeuten, dass Einheiten die Stadt Mariupol am Schwarzen Meer ins Visier nehmen. Lyssenko sagte zwar, in Mariupol gebe es genügend Verteidiger, die jeden Angriff ungebetener Gäste zurückschlagen könnten, sollte es in der Gegend aber tatsächlich zu Kämpfen kommen, wäre die ukrainische Armee möglicherweise gezwungen, Soldaten aus den besonders umkämpften Städten Lugansk und Donezk in den Süden zu verlegen. Die örtlichen Behörden riefen am Montag zur Ruhe auf.

Bereits Mitte August hatten westliche Journalisten berichtet, sie hätten einen russischen Militärkonvoi beim Eindringen in die Ukraine beobachtet. Später erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, die meisten Fahrzeuge seien zerstört worden. Russland erklärte damals, kein russischer Militärkonvoi habe die Grenze überquert.

In der Ostukraine liefern sich die Armee und prorussische Separatisten seit Monaten heftige Kämpfe. Zuletzt hatte Russland gegen den Willen der Regierung in Kiew einen Hilfskonvoi in die Ukraine geschickt, wo prorussische Rebellen die Städte Lugansk und Donezk unter Kontrolle haben. Russland will nach der umstrittenen Aktion vom Wochenende nun einen zweiten Hilfskonvoi in die Ostukraine schicken. Außenminister Sergej Lawrow teilte am Montag mit, die ukrainische Regierung sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die zweite Lkw-Kolonne in den kommenden Tagen dieselbe Route benutzen werde wie der erste Konvoi.

Dieser war ohne Genehmigung Kiews am Freitag nach Lugansk gefahren. Die Ukraine kritisierte dies als „direkte Invasion“, griff den Konvoi aber nicht an. Auch die USA, die EU und die Nato verurteilten die Aktion. Kiew äußerte mehrfach den Verdacht, der Konvoi diene der Versorgung der prorussischen Rebellen, die in den vergangenen Wochen von der ukrainischen Armee zurückgedrängt worden waren. Am Samstag kehrten die mehr als 200 weißen Lkw nach Russland zurück.

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  • Das Lügen-Kartell des Westens

    Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass ausgerechnet Russland eine lückenlose Aufklärung der Absturzursache von MH17 verlangt.

    Doch der Westen schweigt und vertuscht. Blackbox Inhalte werden nicht veröffentlicht, die Trümmer der Boeing liegen immer noch an der Absturzstelle herum, und die westliche Marionettenregierung in Kiew rückt die Fluglotsengespräche nicht raus.

    Mehr als fünf Wochen nach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine hat Russland ein abnehmendes Interesse an dem Fall kritisiert.
    "Wir versuchen als einzige, die Aufmerksamkeit auf dieses ernste Problem zu lenken", sagte Außenminister Sergej Lawrow bei einer Pressekonferenz am Montag in Moskau.

    Nach all den Vorwürfen gegen Russland und die Aufständischen mache "niemand mehr den Mund auf", sagte er. Russland werde weiter nach der Wahrheit suchen. Separatistenführer Andrej Purgin sagte, die Wrackteile lägen weiterhin an der Absturzstelle bei Grabowo herum.
    "Niemand sammelt sie ein. Offenbar braucht sie niemand mehr", kritisierte Purgin der Agentur Interfax zufolge. Die internationalen "Experten" seien schon lange nicht mehr auf dem Trümmerfeld gewesen.

    "Niemand erklärt uns, warum die Auswertungen der Blackbox nicht veröffentlicht werden kann", so Lawrow weiter. Er verlangte auch Antwort auf die Frage, warum die Ukraine die Fluglotsengespräche mit der Unglücksmaschine nicht veröffentlicht.

    Ebenso hüllte sich die ICAO (International Civil Aviation Organisation, UN) in Schweigen.

    Der russische Außenminster forderte auf einer internationalen Pressekonferenz gestern in Moskau, dass die Umstände des Absturzes von MH17 lückenlos aufgeklärt werden müssten und verneinte erneut jegliche Beteiligung Russlands oder der Separatisten. Obwohl die Pressekonferenz auch im russischen Fernsehen übertragen wurde, fand sie in den westlichen Medien keinerlei Resonanz.

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

  • @Deli Delinix

    Siehe Bericht und Foto des The Guardian

    Schon vergessen???

    Bericht des Separatistenführers über Waffenlieferung und Menpower aus Russland.

    Auch vergessen???

    Schönen Tag noch.

  • Als "braver" und naiver deutscher Bürger dachte ich bis vor kurzem, unsere Medien sind weitestgehend seriös und glaubhaft.
    Eines besseren wurde ich belehrt, als ich intensiv die Berichterstattung seit November 13 über die Maidan Bewegung und den letztendlich erzwungenen Rücktritt von Janukowitsch verfolgte.
    Niemals zuvor wurde mir derart bewusst gemacht, wie Medien die offensichtlich gleichgeschalten sind mit einer flächendeckenden Propaganda und einer Russland Hetze agieren die seinesgleichen sucht.
    Da werden permanent Fakten verdreht oder erfunden (Maidan Massaker, MH17, die abgeschossenen russischen Phantom Panzer).
    Gottseidank hab ich meinen gesunden Menschenverstand behalten und kann 1+1 zusammenzählen.

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