Krise in der Ukraine
Neue Gewalt überschattet Geiselfreilassung

Das Bangen um deutsche Militärbeobachter in der Ostukraine hat ein Ende: Sie sind frei. Aber die blutigen Kämpfe in der Ex-Sowjetrepublik gehen weiter. Erstmals erreicht die Gewalt die Millionenstadt Odessa.
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SlawjanskEs ist ein Zeichen der Hoffnung inmitten blutiger Gewalt: Nach einer Woche quälender Geiselhaft in der Ostukraine kommen deutsche OSZE-Beobachter aus der Gewalt moskautreuer Separatisten frei. Das russische Staatsfernsehen zeigte, wie die drei Bundeswehroffiziere mit ihrem Übersetzer in der umkämpften Stadt Slawjansk noch etwas verunsichert an Bewaffneten in Tarnuniform vorbei zu Autos gehen, die sie schnell aus der Gefahrenzone bringen.

Am Freitag noch hatte die Ukraine den blutigsten Tag seit Monaten erlebt: Die Gewalteskalation in der Hafenstadt Odessa wurde nicht nur durch politische Rivalitäten verursacht, sondern nach übereinstimmenden Zeugenberichten auch durch gewaltbereite Fans herbeigeführt. 42 Menschen kamen dabei ums Leben, die meisten von ihnen wohl Anhänger der prorussischen Separatisten.

Die Bundesregierung zeigte sich erleichtert über die Freilassung der in der Ukraine festgehaltenen Militärbeobachter der OSZE. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Samstag in Berlin, er sei „froh und erleichtert“. Die sieben Inspekteure seien in der Obhut der OSZE und des deutschen Unterstützungsteams. Dem ersten Eindruck nach gehe es „allen den Umständen entsprechend gut“.

Die Verhandlungen zur Freilassung der Männer seien schwierig gewesen und hätten „mehrfach auf der Kippe“ gestanden. Er bedankte sich unter anderem beim Verhandlungsteam der OSZE in Donezk und beim Sondergesandten von Russlands Präsident Wladimir Putin, Wladimir Lukin, der sich vor Ort für die Freilassung der Militärbeobachter eingesetzt hatte.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, sie sei „ausgesprochen glücklich und sehr erleichtert“, dass die Militärbeobachter unversehrt seien. Die Männer könnten es nicht erwarten, ihre Familien wiederzusehen, sagte die Ministerin nach einem Telefongespräch mit dem Leiter der Gruppe, dem deutschen Oberst Axel Schneider.

Altbundeskanzler Schröder äußerte sich erfreut über die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter. „Dies ist ein wichtiger Schritt zur Deeskalation, die nach den schrecklichen Ereignissen in Odessa dringender denn je ist“, sagte Schröder am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Die erneute Androhung von Sanktionen hingegen bewirkt nichts. Ständiger Dialog und direkte Gespräche auf gleicher Augenhöhe sind der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts.“

Die Nachricht von der Freilassung wird auch in Moskau mit Genugtuung aufgenommen. Der Kreml hat eigens den langjährigen Menschenrechtsbeauftragten Wladimir Lukin zu Verhandlungen mit den Protestführern entsandt. Russland bezeichnet die Separatisten als Freiheitskämpfer - da kommt eine Geiselnahme schlecht an.

Die Freilassung sei eine „Geste des guten Willens“ der Aktivisten, sagt Lukin später, nun sollte die Zentralregierung in Kiew ihren „Anti-Terror-Einsatz“ gegen die Aktivisten unterbrechen. Doch die Schusswechsel rund um Slawjansk gehen unverändert weiter.

Gut 500 Kilometer südwestlich in der Millionenstadt Odessa entlädt sich die Wut zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung in Kiew in einem beispiellosen Gewaltexzess. Mehr als 40 Menschen sterben bei Straßenschlachten in der Hafenstadt, als das Gewerkschaftshaus durch Molotowcocktails in Brand gerät und zur Todesfalle wird. Mit scharfen Worten machen sich Moskau und Kiew gegenseitig verantwortlich.

„Die Hände der Führung in Kiew stecken bis zum Ellbogen in Blut“, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. In Berlin betont Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Tragödie von Odessa müsse ein „Weckruf“ sein. Doch ganz im Gegenteil - die Fronten in der früheren Sowjetrepublik verhärten sich immer mehr.

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