Krise in der Ukraine: Ukrainische Armee und Rebellen tauschen Gefangene aus

Krise in der Ukraine
Ukrainische Armee und Rebellen tauschen Gefangene aus

Es wird weiter geschossen: Beide Seiten werfen sich den Bruch des internationalen Abkommens vor. Während Kiew einen Angriff auf Mariupol befürchtet, drohen die USA mit Sanktionen. Doch es gibt auch ein positives Signal.
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Kiew/ScholobokDie ukrainischen Streitkräfte und die prorussischen Rebellen haben rund 190 Gefangene ausgetauscht. 139 ukrainische Soldaten und 52 prorussische Separatisten wurden am Samstagabend an der Frontlinie in der Region Lugansk der jeweils anderen Konfliktpartei übergeben, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der Austausch der Gefangenen ist ein positiver Schritt zur Umsetzung des Minsk-II-Abkommens. Die darin vorgesehene Waffenruhe, die eigentlich in der Nacht zu Sonntag in Kraft trat, wurde seitdem zahlreiche Male gebrochen, weshalb beide Seiten den eigentlich geplanten Abzug schwerer Waffen ablehnten.

Beide Parteien warfen sich am Samstag gegenseitig Verstöße vor. Allerdings laufen die Gefechte offenbar nicht mehr in der Intensität ab, wie es bis zur Eroberung des Verkehrsknotenpunkts Debalzewo Mitte der Woche durch prorussische Rebellen der Fall gewesen war.

Der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko sagte am Samstag, in den vorangegangenen 24 Stunden sei ein Soldat bei Rebellenangriffen getötet worden. 40 Soldaten seien verwundet worden.

Lyssenko nannte nicht die Zahl der Angriffe. Er sprach aber von einem Zwischenfall mit Mörserbeschuss im Dorf Schyrokyne, das unmittelbar vor Mariupol liegt. Rebellen bewegten weiterhin militärisches Material in Richtung der strategisch wichtigen Hafenstadt, sagte Lyssenko.

Die Kontrolle über Mariupol würde es den Separatisten erlauben, einen Landkorridor von der russischen Grenze bis zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu schaffen. Die prorussischen Rebellen warfen den ukrainischen Truppen 15 Artillerieangriffe auf mehrere Teile von Donezk vor, der größten von ihnen kontrollierten Stadt.

Das ukrainische Militär befürchtet seinerseits einen Angriff prorussischer Separatisten auf die strategisch wichtige Stadt Mariupol. Die Rebellen seien damit beschäftigt ihre Einheiten nahe der Hafenstadt mit weiteren Kämpfern, Waffen und Militärausrüstung zu verstärken, sagte Armeesprecher Andrej Lisenko am Samstag. Die Stadt liegt zwischen russischer Grenze und der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Eine Einnahme durch die Separatisten wäre ein Schritt zu einem von den Rebellen kontrollierten Landkorridor zur Halbinsel und würde mit großer Wahrscheinlichkeit den in Minsk ausgehandelten Waffenstillstand endgültig zum Scheitern bringen.

Die USA drohten Russland mit einer erneuten Verschärfung der Sanktionen, sollten die Rebellen sich nicht an die Waffenruhe halten. Der Westen wirft Russland vor, die Rebellen mit Kämpfern und Kriegsgerät zu unterstützen. In Moskau demonstrierten am ersten Jahrestag der Flucht des entmachteten ukrainischen Staatschefs Viktor Janukowitsch offiziellen Angaben zufolge rund 20.000 Menschen für die Separatisten und Janukowitsch.

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